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Portugiese bei Bayer 04: Viel Arbeit, kein Tor – was Afonso Moreira fehlt
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Afonso Moreira (l.) von Bayer 04 Leverkusen fasst sich im Spiel gegen Stuttgart an den Kopf nach seinem Schuss.

In der 56. Minute lief Afonso Moreira wieder einmal an, wieder einmal setzte er sich durch, und wieder scheiterte er, diesmal an Stuttgarts Torhüter Dennis Seimen. Der Portugiese schrie seine Wut heraus und trat ins Gras. Es war die Szene eines Nachmittags, an dem Bayer 04 mit 2:4 verlor und Moreira zu den auffälligsten Spielern zählte. Sechs Schüsse gab er ab, so viele wie kein anderer Leverkusener. Ein Tor schoss er nicht. Nach 13 Pflichtspielen steht der 30-Millionen-Euro-Zugang bei null Treffern und drei Vorlagen in 844 Einsatzminuten.

Das Rätsel liegt nicht im Einsatz. Moreira läuft, drückt, presst, fordert den Ball und setzt nach Verlusten sofort nach. Ähnlich wie Ibrahim Maza gibt er nie auf, ein Stehaufmännchen, das nach jedem Fehlversuch den nächsten Weg sucht. „Seine Intensität und sein Einsatz für die Mannschaft sind super“, sagt Sport-Geschäftsführer Simon Rolfes. Trainer Carles Martínez findet, der 21-Jährige habe Stuttgart „viele Probleme bereitet“ und „ein sehr gutes Spiel gemacht“. Ein Vorwurf an die Arbeitsmoral wäre absurd.

Der Fleiß hat eine Vorgeschichte. Moreira stammt aus Lamego im portugiesischen Landesinneren und wechselte mit zwölf Jahren in die Akademie von Sporting Lissabon, 350 Kilometer von zu Hause entfernt. Sein Weg verlief nicht geradlinig. 2023 debütierte er unter Trainer Ruben Amorim bei den Profis, wurde dann nach Gil Vicente verliehen und verbrachte die folgende Saison überwiegend in der dritten Liga bei der zweiten Mannschaft. Erst Olympique Lyon machte aus dem Talent einen Stammspieler. In 37 Pflichtspielen erzielte er dort acht Tore und bereitete elf vor. Die Zeitung „L’Équipe“ wählte ihn in die Elf der Saison.

Das Wort "Discipline" hat sich Moreira tätowieren lassen

In Frankreich merkte er, dass er körperlich hinterherlief. „Ich habe mich im Vergleich zu den anderen Spielern ein bisschen schwach gefühlt“, erzählte er. „Da habe ich gemerkt: Vielleicht muss ich härter arbeiten als die anderen. Ich habe angefangen, Doppeleinheiten zu machen.“ Das Wort „Discipline“ trägt er auf dem linken Unterarm tätowiert. „Talent ohne Disziplin ist nichts“, sagte er dem Klub. Das Prinzip habe er von seinen Eltern und seinem älteren Bruder gelernt. Die Familie nennt er das Wichtigste in seinem Leben. Der „L’Équipe“ sagte er: „Ich bin immer noch derselbe Junge aus meiner Kleinstadt in Portugal.“

Auch Martínez kennt ihn länger. Als Trainer des FC Toulouse gewann er in der vergangenen Saison zweimal 2:1 gegen Lyon, und Moreira blieb ihm im Gedächtnis. Vor dem Transfer sprach der Spanier persönlich mit ihm. In der Vorbereitung bestätigte sich der Eindruck: Gegen Baumberg, Offenbach und Genk traf Moreira in den ersten drei Tests, Nathan Tella schwärmte, er sei „mutig, sucht das Dribbling, geht konsequent ins Duell“. Dann begann die Saison, und mit ihr der Druck.

Im letzten Drittel hapert es. Moreira wirkt oft zu hektisch. Gegen Stuttgart wiederholte sich das Bild. Die Läufe stimmten, die Aktionen waren zahlreich, doch der letzte Pass oder der Abschluss gerieten zu hastig. „Er will das Tor zu sehr erzwingen“, sagt Rolfes. „Er macht einen Riesenaufwand, und dann kommt es nicht. Das ist nichts Ungewöhnliches.“ Martínez hat denselben Eindruck: „Ich habe das Gefühl, dass ihm der letzte Schritt jetzt Sorgen bereitet. Er denkt vielleicht zu viel darüber nach, er muss in diesen Aspekten lockerer werden.“

Moreira selbst spricht offen darüber. „Ich bin ein Spieler, der gerne Tore schießt“, sagte er. „Dieses Gefühl, unbedingt treffen zu wollen, hilft nicht immer.“ Er versuche, sich nicht unterkriegen zu lassen: „Die Tore und Vorlagen werden bald kommen.“ Druck spüre er nicht, jedenfalls keinen schlechten: „Für Leverkusen zu spielen ist immer ein großer Druck. Den braucht man. Ich mag ihn.“

Was er nun braucht, ist Ruhe in seinem Spiel. Rolfes rät ihm, geduldiger zu sein und sich zu entspannen: „Er muss es einfacher machen, und dann wird die Situation kommen, dann fällt der Ball auch mal vor die Füße, wo man ihn einfach reinmachen kann.“ Offensivspieler bräuchten manchmal Zeit, um anzukommen und die Mitspieler kennenzulernen. Dazu kommt der Preis von rund 30 Millionen Euro, der gerade bei Bayer 04 schwerer wiegt als anderswo.

Gelegenheiten bietet der Kalender genug: Donnerstag (21 Uhr, RTL+/Sky) Olympique Marseille in der Europa League, am Sonntag das Bundesliga-Derby in Köln (15.30 Uhr, Dazn). Moreira muss dafür nichts erfinden. Er muss nur das tun, was er seit Monaten tut, und im dann im letzten Moment dir richtige Entscheidung treffen.

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