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Carlos Alcaraz fand beim Pariser Masters erst im drohenden Ausscheiden wieder die Freiheit für sein bestes Tennis. Gegen Taylor Fritz wehrte er zwei Matchbälle ab und gewann 6:7(10), 7:5, 6:3. Entscheidend war nach seiner eigenen Einschätzung, dass er sich im Verlauf des zweiten Satzes vom Druck löste.
„Ich habe das Match wirklich gut begonnen, und dann wurde ich nervös“, erklärte der Spanier. Fritz nutzte diese Phase und wurde besonders von der Grundlinie stärker. Alcaraz verlor damit nicht nur den ersten Satz, sondern auch die Sicherheit in seinen Entscheidungen, obwohl er durchaus Chancen hatte.
Bei 3:5 im zweiten Durchgang stand Carlos kurz vor dem Aus. Statt weiter gegen die eigene Anspannung anzuspielen, konzentrierte er sich stärker auf das Spielgefühl. „Ich wollte einfach Spaß haben, und das half, die Nervosität verschwinden zu lassen“, sagte er nach dem zweistündigen und 45-minütigen Viertelfinale.
Das ist mehr als eine nachträgliche Beschreibung guter Laune. Alcaraz verbindet den mentalen Wechsel mit der Fähigkeit, seine Schläge wieder freier auszuführen. In dieser Darstellung nahm die Entspannung dem Match nicht die Bedeutung. Sie half ihm vielmehr, seine Möglichkeiten auch dann einzusetzen, als ein Fehler das Ende hätte bedeuten können.
Der Amerikaner hatte Carlos mit seinem gesteigerten Grundlinienspiel in eine schwierige Lage gebracht. Für Fritz bleibt deshalb nicht nur ein verlorenes Dreisatzmatch, sondern eine Partie mit zwei konkreten Siegchancen. Alcaraz wiederum musste den Erfolg nicht gegen einen schwachen Gegner absichern, sondern einem stärker werdenden Kontrahenten entreißen.
Gerade darin liegt der sportliche Wert der Wende. Sie war kein problemloses Durchsetzen des Favoriten, sondern eine Korrektur innerhalb eines Matches, das ihm zu entgleiten drohte. Dass Alcaraz seine Entscheidungen anschließend wieder mit mehr Freiheit traf, bietet eine Erklärung für den Umschwung, ohne Fritz' Anteil an der Ausgangslage kleinzureden.
Mit seinem siebten Sieg hintereinander erreichte Carlos erstmals das Halbfinale dieses Turniers. Nach dem Titel in Wien bleibt er damit auch in Paris im Rennen. Dort wartet Casper Ruud. Die Unterstützung des Publikums half ihm gegen Fritz zusätzlich, wieder Energie und Freude auf dem Platz zu finden.
Alcaraz hat erlebt, wie stark Anspannung seine Entscheidungen beeinflussen kann und wie wirksam eine andere Haltung diesmal war. Gegen Ruud wird er versuchen müssen, diese Freiheit früher zu finden. Noch einmal auf die Rettung nach zwei Matchbällen verlassen kann er sich nicht.