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Über 40 Jahre lang war Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt die medizinische Institution des FC Bayern. In einer neuen Sky-Doku blickt er auf den Bruch unter Pep Guardiola.
München – Seinen Namen kennen Spitzensportler auf dem gesamten Globus. Mehr als vier Dekaden lang prägte Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt als Mannschaftsarzt den FC Bayern und die deutsche Fußball-Nationalmannschaft. Doch das abrupte Ende seiner Ära an der Säbener Straße schmerzt den weltberühmten Sportorthopäden bis heute.
Anlässlich der Veröffentlichung der Sky-Dokumentation „Müller-Wohlfahrt – Der Arzt der Champions“ blickt der 84-Jährige im dpa-Gespräch auf die dramatischen Ereignisse des Jahres 2015 zurück – und spart nicht mit deutlicher Kritik an der damaligen Führungsetage um die Bayern-Granden Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge.
Besonders die Tatsache, dass ihn die Vereinsführung im eskalierenden Machtkampf mit dem damaligen Star-Trainer Pep Guardiola gefühlt im Regen stehen ließ, stößt „Mull“, wie der berühmte Arzt auch genannt wird, noch heute sauer auf. „Man hätte mich von Vereinsseite, für den ich über 40 Jahre immer da war und auch erfolgreich war, mehr unterstützen können“, kritisierte Müller-Wohlfahrt in dem dpa-Interview die Bayern-Bosse.
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„Das ist nicht geschehen, nicht passiert“, blickte er enttäuscht zurück. „Die Enttäuschung war personenbezogen, ich merkte, mir hilft keiner. Aber ich hänge am Verein. Bayern-Fan bleibe ich ein Leben lang.“ Zum Hintergrund: Der Konflikt zwischen Guardiola und Müller-Wohlfahrt schaukelte sich über Monate hoch. Auf der einen Seite der detailversessene katalanische Spitzen-Trainer und auf der anderen Seite der charismatische Wunderheiler.
Dabei hatte Müller-Wohlfahrt bei Guardiola offenbar schon früh kein gutes Gefühl: „Ich musste am eigenen Leibe erfahren, dass dieser Trainer mich nicht mag und mir das Handwerk schwer machen wird.“ Im April 2015 kam es schließlich zum vermeintlich endgültigen Bruch: Nach einer verletzungsbedingten Schwächung des Kaders und der bitteren 1:3-Niederlage im Champions-League-Viertelfinale beim FC Porto wurde dem Ärzteteam die Misere intern angelastet.
Müller-Wohlfahrt zog die Konsequenzen und trat mit seinem gesamten Stab zurück. Kurios: Bayern-Stars wie Arjen Robben pilgerten bei Blessuren dennoch weiterhin heimlich in seine Praxis im Herzen Münchens. Erst nach Guardiolas Abschied kehrte Müller-Wohlfahrt 2017 noch einmal für drei Jahre an die Säbener Straße zurück.
Trotz der Vorgeschichte hegt der Star-Arzt keinen unversöhnlichen Groll gegen Guardiola – würde ihn aber bei einem persönlichen Treffen direkt konfrontieren. „Ich würde nicht Nein sagen. Aber ich würde die Gelegenheit nutzen, um über meine Medizin zu sprechen, über meine Entwicklung und meine Erfolge, um ihn letztendlich doch zu überzeugen“, sagte Müller-Wohlfahrt.
Eine kleine Spitze gegen Guardiola kann sich der 84-Jährige nicht verkneifen: „Es kommen auch sehr viele Spanier zu mir. Wenn die spanische Sportmedizin so viel besser wäre, wie Guardiola meint, würde überhaupt kein spanischer Sportler zu mir kommen.“ In der Doku kommen übrigens auch zahlreiche Weltstars zu Wort. So schwärmt Sprint-Superstar Usain Bolt: „Ich habe das Geschenk des Rennens bekommen, er des Heilens.“ Lothar Matthäus ist sich dagegen sicher: „Er hat Magie in seinen Fingern.“ (kus)