Zurück
Eine Lieblingsgeschichte über das Verhältnis von Eishockeyfans untereinander, selbst bei rivalisierenden Clubs, ist diese: Man steht auf den Rängen, feuert das eigene Team an, singt den gegnerischen Fans möglichst kreativ vor, wie schlecht und unterirdisch ihr Verein ist, geht zur Drittelpause runter zur Pistenbar, trinkt gemeinsam ein Bier oder eine Cola, geht dann friedlich wieder auf die Ränge – und es geht von vorne los. Ein von vielen Fans schon in den 1980ern und 1990ern getragener Aufnäher besagt: „Eishockeyfans sind faire Fans“. Und tatsächlich singen sie oft gemeinsam: „Wir sind alle Eishockeyfans!“
Dass nun am Herner Gysenberg Fans der Füchse angegriffen worden und unter Androhung von Waffengewalt zur Herausgabe einer Trommel und weiterer Utensilien gezwungen worden sind, ist insofern also erst einmal für den Eishockeysport sehr untypisch. Wichtig und richtig ist es, wie beide Vereine reagiert haben. Unter Abstimmung mit der Polizei haben beide Oberligisten ein gemeinsames Statement veröffentlicht, in dem sie Gewalt verurteilen und sogar die Täter direkt ansprechen und für unerwünscht erklären. Bedeutend ist, dass die Vereine das Geschehen zum Anlass nehmen wollen, um sich über höhere Sicherheit Gedanken zu machen.
Dazu bestand in den letzten Jahren an vielen Eishockey-Standorten selten ein Anlass. Die Situation an der Herner Eissporthalle ist in sofern schwierig, da der der Eissporthalle gegenüberliegende Parkplatz schlecht einzusehen und sehr dunkel ist. Für Verbrecher – und nichts anderes sind diese Straftäter, die unter Waffeneinsatz Menschen angreifen – also nahezu ideal. Leider ist es in Herne so, dass gewaltbereite Fans nicht gänzlich unbekannt sind. Oft sind sie den dort umliegenden Fußballvereinen zuzuordnen und nutzen die Bühne des Eishockeys und den Umstand, dass dort nicht mit – leider – fußballtypischer Gewalt gerechnet wird, um ihren Selbstverwirklichungsphantasien nachzugehen. Für die Zukunft wird es daher entscheidend sein, dass sich die Herner Polizei mit den fußballerfahrenen Kollegen in der dortigen Gewaltprävention austauscht, um Fans der so genannten Kategorie C auch dort in den Griff zu bekommen.
Die Aufregung unter Duisburger Sportfans ist angesichts des Vorfalls groß. Es wäre wichtig, wenn sich hiesige Gruppierungen insofern solidarisch zeigen und die Füchse auch im Eishockey auf dem Weg zu weiteren Erfolgen anfeuern, nicht aber irgendwelche sinnlosen Racheaktionen starten. Eishockey ist ein fairer Sport und muss es bleiben. Die größere „Strafe“ für solche Chaoten wie jene in Herne wäre es, wenn MSV und EVD deren Lieblingsvereine, die sie als Gewaltvehikel missbrauchen, auf dem Sportplatz besiegen.