flag
back Zurück
Estrela da Amadora: Was haben Mats Hummels und Thomas Müller da gekauft?
Estrela da Amadora :
Was haben Hummels und Müller da gekauft?

Im Sommer kaufen sich Thomas Müller und Mats Hummels beim portugiesischen Erstligaverein Estrela da Amadora ein. Doch warum? Und mit welchem Ziel? Es ist ein Klub mit einem besonderen Schatz.

Das Stadion von Estrela da Amadora liegt inmitten von Häuserschluchten.

Das Stadion des portugiesischen Erstligaklubs Estrela da Amadora liegt direkt an der S-Bahn-Linie nach Lissabon, eingepfercht von einfachen sechs- bis zehnstöckigen Wohnblocks. Einmal pro Saison, wenn der große Nachbar Benfica Lissabon in Amadora gastiert, füllen sich die Ränge fast bis auf den letzten Platz: Im vergangenen Jahr waren es bei strahlendem Sommerwetter 6249 Zuschauer – und damit doppelt so viele wie an einem gewöhnlichen Spieltag.

Dieses Stadion, mit einer kleinen überdachten Haupttribüne und einem Zuschauerschnitt wie ein deutscher Regionalligaklub, war einer der Gründe, warum ein Investorenkonsortium und die früheren deutschen Fußballweltmeister Thomas Müller und Mats Hummels im Sommer schätzungsweise 40 Millionen Euro in die Hand nahmen, um 90 Prozent der Kapitalgesellschaft Estrela da Amadora SAD zu übernehmen.

Estrela da Amadora auf Achterbahnfahrt

Seit Ende August sitzt Johannes Mösmang im Chefsessel in Amadora. Der langjährige Mitarbeiter in der Profiabteilung des FC Bayern München steht vor einer großen Herausforderung. Estrela da Amadora hat in den vergangenen Jahrzehnten eine Achterbahnfahrt durchgemacht.

Der größte Erfolg war der Gewinn des portugiesischen Pokals 1990. Doch nach dem Abstieg aus der ersten Liga wurde dem hoch verschuldeten Verein 2011 die Profifußballlizenz entzogen. Eine Gruppe von Fans gründete einen neuen Sportverein und setzte fast zehn Jahre lang vor allem auf Amateur- und Jugendfußball.

Einst Mitspieler, heute Geschäftspartner: Thomas Müller (links) und Mats Hummels investierten gemeinsam bei Estrela da Amadora.
Einst Mitspieler, heute Geschäftspartner: Thomas Müller (links) und Mats Hummels investierten gemeinsam bei Estrela da Amadora.dpa

2020 fusionierte Estrela mit einem drittklassigen Profiverein aus Sintra und erhielt so die Möglichkeit, mit einer neuen Lizenz die Rückkehr in die oberste Spielklasse anzupeilen. Investoren um den portugiesischen Unternehmer Paulo Lopo übernahmen den Verein und verpflichteten einen ehemaligen Teammanager von Sporting Lissabon. Auch dank einer klugen Transferpolitik schaffte Estrela da Amadora 2023 den Wiederaufstieg in die erste Liga.

Dennoch belasten Altschulden in Höhe von 25 Millionen Euro den Verein. Estrela hatte beantragt, zwei Drittel der Schulden zu erlassen. Doch ein Lissabonner Gericht lehnte diesen Plan Ende Oktober abermals ab.

„Ein Erstligaverein für 25 bis 30 Millionen Euro“

Trotz der finanziellen Schwierigkeiten ist Estrela da Amadora ein attraktiver Verein für Investoren. Das sagt der Rechtsanwalt Fernando Veiga Gomes von Abreu Advogados, der in den vergangenen Jahren eine Reihe von Verkäufen portugiesischer Fußballvereine abgewickelt hat, darunter auch die Übernahme von Estrela da Amadora: „Mit Ausnahme der großen Klubs kann man einen portugiesischen Erstligaverein für 25 bis 30 Millionen Euro kaufen. Für dieses Geld bekommen Investoren in England vielleicht einen Fünftligisten.“

Mittlerweile sind in zwei Drittel aller portugiesischen Erstligaklubs ausländische Investoren eingestiegen – als Haupt- oder Teilaktionär. Das Interesse vieler ausländischer Geldgeber gilt vor allem der Förderung und dem Verkauf von Spielern. Der Mäzen der TSG Hoffenheim, Dietmar Hopp, hat mit dem Unternehmen Hobra GmbH & Co. 2021 den damaligen Zweitligaklub Académico de Viseu übernommen und vor allem in die Ausbildung junger Talente aus Portugal und Lateinamerika investiert.

Dieses Geschäftsmodell steht auch bei Estrela da Amadora im Vordergrund. „Portugals erste Liga spielt auf einem sehr hohen Niveau, das individuelle Qualität und körperliche Leistungsfähigkeit vereint“, sagte Johannes Mösmang in einem Interview mit der portugiesischen Tageszeitung „Público“. „Das ermöglicht den Spielern den Sprung in die wettbewerbsintensivsten Ligen der Welt.“

Müller, Hummels und Sommer als Berater

Die Freundschaft zu den ehemaligen Bayern-Spielern und neuen Estrela-Investoren Müller, Hummels und dem Schweizer Torhüter Yann Sommer will Mösmang auch für die Mannschaft nutzen. Die früheren Weltklasseprofis sollen den Estrela-Spielern künftig in Karrierefragen beratend zur Seite stehen.

Wegen seiner historischen Verbindungen zu ehemaligen Kolonien in Afrika oder zu Brasilien gilt Portugal als Drehscheibe für außereuropäische Talente. Der Markt ist dabei weniger reglementiert als in anderen europäischen Staaten: So gibt es im portugiesischen Profifußball keine Mindestquote für portugiesische Spieler, eine Mannschaft kann also theoretisch mit elf Ausländern auflaufen.

DSGVO Platzhalter

Estrela da Amadora mag aber noch aus einem anderen Grund in den Fokus von Investoren gerückt sein: „Estrela zeichnet sich dadurch aus, dass es ein eigenes Fußballstadion hat – das ist in Portugal sehr selten der Fall“, sagt der Rechtsanwalt Gomes. Der ehemalige Besitzer von Estrela hatte nach eigenen Angaben über 20 Kaufangebote ausgeschlagen, bevor die Gruppe um Johannes Mösmang den Zuschlag bekam.

Was mit dem Stadion von Estrela da Amadora wirklich geschehen soll, ist bisher nicht bekannt. Eine tiefgreifende Modernisierung der veralteten Sportanlage wird mit Sicherheit eine kostspielige Investition. Dennoch liegt hier auch ein großes Potential, sagt der Sportfinanzprofessor António Samagaio von der Universität Lissabon.

Der Schatz ist das Stadion

Denn der Verein liege in einer großen Metropolregion und habe eine starke lokale Identität. „Estrela da Amadora hat Wachstumspotential im Zuschauerbereich und Merchandising“, sagt Samagaio. „Ein solches Projekt kann den persönlichen Ansporn der Investoren wecken, aus einem brachliegenden Verein ein prosperierendes Unternehmen zu machen.“

Estrela-Präsident Mösmang hat Investitionen in das Stadion und ein neues Trainingszentrum bereits angekündigt. Er will den Klub zu einem der acht besten portugiesischen Vereine machen. Die ersten Wochen verliefen turbulenter als erhofft und das nicht nur wegen des vorläufig gescheiterten Schuldenerlasses. Im September erteilte die portugiesische Liga dem Verein ein Platzverbot, weil der Rasen in einem miserablen Zustand war.

In kürzester Zeit musste der Spielbelag ausgewechselt werden. Die Mannschaft des auslandserfahrenen und in Portugal hochgeschätzten Trainers Pedro da Costa Filipe, genannt Pepa, war eigentlich vielversprechend in die Saison gestartet. Doch die letzten vier Ligaspiele gegen eigentlich gleichwertige Gegner hat das Team verloren.

An diesem Sonntag (21.30 Uhr bei Sportdigital) kommt nun Benfica Lissabon ins Estrela-Stadion. Der portugiesische Wetterdienst hat Regen angekündigt. Wenn sich zum attraktivsten Spiel der Saison über 5000 Zuschauer auf den größtenteils nicht überdachten Tribünen einfinden werden, kann die neue Vereinsführung zumindest im finanziellen Bereich von einem Teilerfolg sprechen.

Könnte Ihnen gefallen

Schock-Diagnose bei Neuer! Bayern-Kapitän fällt lange aus

fcbinside.de vor 7 Stunden

PSG lauert auf Upamecano: Eberl reagiert auf brisante Gerüchte

fcbinside.de vor 2 Stunden

Neuer Transferkandidat für Bayern? Kompany nimmt Barça-Star ins Visier

fcbinside.de vor 4 Stunden

Matthäus zu Hoeneß’ Musiala-Aussagen: „Werden nicht gut ankommen“

fcbinside.de vor 1 Stunde

Das nächste Tor gegen das Gerede

Badische Zeitung vor 1 Stunde

„Gehört nicht in die Öffentlichkeit“: Kritik an Hoeneß – Matthäus mit brisantem Musiala-Verdacht

Express.de vor 2 Stunden

Nach Verletzungs-Schock auf Krücken: Neuer wendet sich auf Instagram an seine Fans

90min vor 2 Stunden