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Dass die Zeit von Markus Krösche als Sportvorstand von Eintracht Frankfurt endet, ist schade. Der Manager hat zweifelsohne viele Verdienste. Richtig aber ist die Entscheidung dennoch - aus mehreren Gründen.
Bei seinem letzten Auftritt in leitender Funktion ließ sich Markus Krösche nichts anmerken. Wie eh und je war er aus der Vorstandsloge in die Mixed Zone geeilt und flüsterte sein Statement zum Erlebten, dem 1:0 gegen Köln, in die Presse-Mikros. Hier ein Lob, dort ein Tadel, dazwischen kaum Gestik und Mimik. Nach knapp fünf Minuten: "Tschüss" - und Abgang. Wie man mittlerweile weiß: ein endgültiger. Und das ist richtig so.
Seit Sonntagabend steht öffentlich fest, was unvermeidbar war. Eintracht Frankfurt und der langjährige Sportvorstand gehen ab sofort getrennte Weg. Seit Wochen, gar seit Monaten, hatte sich abgezeichnet, dass die Zusammenarbeit nicht mehr lange halten würde. Spätestens nach der in den Sand gesetzten Transferphase - nicht mit Blick aufs Finanzielle, sondern aufs Sportliche - reifte diese Einschätzung in den verschiedenen Gremien des Klubs. Und wohl auch bei Krösche selbst.
Der ist unbestritten ein guter Manager, sogar ein herausragender. Die Erfolge bei der Eintracht, seiner ersten Station in einem wuchtigen Traditionsklub, sprechen für sich. Der Europa-League-Sieg, das Pokalfinale, der Champions-League-Einzug, die ausgegrabenen Talente, das einige Jahre lang europaweit beneidete Scoutingsystem, die etlichen über Marktwert verkauften Profis, die Monster-Transfers, und, und, und. Mit seiner ruhigen, sachlichen, mitunter gleichförmigen Außendarstellung war er in diesem stets unruhigen Umfeld lange Zeit der richtige Mann am richtigen Ort – zumal er intern anders agierte. Klarer, lauter. Wenn man so will: chefiger.
Dass die Entscheidung dennoch die richtige ist, lässt sich vordergründig natürlich an den reinen Resultaten ablesen. Die verkorkste Vorsaison, verunglückte Transfers (allen voran Elye Wahi), die Verpflichtung von Flop-Trainer Albert Riera, der an die Öffentlichkeit geratene Grundstücksdeal in Kroatien. Im Nachhinein wäre eine Trennung bereits im Sommer die klügere Entscheidung gewesen, wenngleich aus damaligem Blickpunkt nachvollziehbarerweise der in Frankfurt erprobte Manager den sportlichen Umbruch moderieren sollte.
Hintergründig aber geht es ohnehin um mehr bei der jetzigen Trennung. Denn es war längst zu viel kaputt gegangen zwischen den wichtigsten Protagonisten des Klubs, als dass sie künftig noch erfolgreich hätten zusammen weiterarbeiten können. Das Verhältnis zu Axel Hellmann soll dem Vernehmen nach nicht mehr das beste gewesen sein, zumindest keines von 100-prozentigem Vertrauen. In Krösches Abschiedsverkündung fand der zum Vorstandsvorsitzenden aufgestiegene Macher nicht statt. Vielsagend, behaupten die einen. Mindestens auffällig, sagen die anderen.
Auch Trainer Adi Hütter und Krösche lagen nicht immer auf einer Wellenlänge, wenngleich es keinen wirklichen Streit gab. Vielmehr gingen die Meinungen über das, was wichtig ist, den rollenden Ball auf dem Platz, schlicht in zu vielen Punkten auseinander. Das gehört dazu zum Geschäft, keine Frage, ist aber eben meist nicht förderlich.
Etwas Ruhe im Moment des größten Erfolgs: Markus Krösche (Mitte) und Axel Hellmann (rechts) nach dem Europapokalsieg in Sevilla. Daneben Ex-Finanzvorstand Oliver Frankenbach.
Schon seit Monaten wurden zudem hinter den Kulissen aus verschiedenen Richtungen an verschiedene Medien unterschiedliche Auffassungen des Vergangenen und Kommenden durchgesteckt. Es wurde nicht mehr mit einer Stimme gesprochen. Etwas, das dem Klub bereits geschadet hat und es auf Dauer weiterhin getan hätte.
Dass ein neuer Sportchef es besser macht, als Markus Krösche es lange machte, sei mal dahingestellt - ob er nun Christoph Spycher, Joti Chatzialexiou (beides ernsthafte Kandidaten) oder Heribert Bruchhagen (kein Kandidat) heißt. Ziemlich wahrscheinlich aber ist, dass es auch Markus Krösche selbst nicht mehr so gut gemacht hätte, wie Markus Krösche es lange gemacht hat. Zumindest nicht im Umfeld von Eintracht Frankfurt.