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Analyse: Was ist Stuttgarts Punkt gegen Atletico Madrid wert?

Der VfB Stuttgart überzeugt gegen Atletico Madrid, belohnt sich aber nicht. Dennoch können die Schwaben einiges aus der Partie mitnehmen.

Die Gefühlslage war beim VfB Stuttgart nach dem 1:1-Remis in der Champions League gegen Atletico Madrid indifferent. Ein gewonnener Punkt oder zwei verlorene Zähler? Schließlich hatte man das internationale Spitzenteam aus Spanien über weite Strecken der Partie beherrscht und am Rande einer Niederlage.

VfB-Trainer Sebastian Hoeneß : "Wäre mehr drin gewesen"

"Wir können stolz auf die Leistung sein - und dennoch sind wir auch ein wenig enttäuscht, weil mehr drin gewesen wäre", analysierte Trainer Sebastian Hoeneß auf der Pressekonferenz nach der umkämpften Partie.

Grischa Prömel: "Das tut ein bisschen weh"

Auch Mittelfeldspieler Grischa Prömel haderte damit, dass "wir unsere starke Leistung nicht mit drei Punkten veredeln konnten". Der Sommer-Neuzugang befand: "Das tut ein bisschen weh. Aber es war ein schönes Spiel und hat großen Spaß gemacht."

Der VfB hatte seine starke Anfangsphase durch Jamie Leweling (36. Minute) mit der Führung gekrönt. Als die Schwaben kurz nach der Pause unsortiert waren, gelang dem argentinischen Weltstar Julian Alvarez mit seinem ersten Saisontor der Ausgleich (47.). Madrids Mittelfeldspieler Morten Hjulmand (64.) sah nach einem groben Foulspiel - er erwischte Angelo Stiller mit offener Sohle an der Wade - die Rote Karte. Stuttgart konnte seine fast halbstündige Überzahl allerdings nicht mehr zu einem weiteren Treffer nutzen.

18:10 Torschüsse, 1,59 zu 0,90 xGoals, 22:1 (!) Flanken, eine bessere Pass- sowie Dribblingquote - alle Spieldaten sprachen gegen Atletico und für den VfB Stuttgart. Auch wenn es letztlich nur zu einem Punkt reichte, kann der Traditionsklub aus Bad Cannstatt aus der Königsklassen-Partie einiges mitnehmen.

Der VfB beherrscht Atletico stellenweise

Die Mannschaft von Trainer Hoeneß wählte gegen die "Colchoneros" einen mutigen taktischen Ansatz: hohes Pressing, Mann gegen Mann. Das zahlte sich aus, sein Team konnte die Intensität von Atletico mitgehen und begegnete einer starken und abgezockten Truppe auf Augenhöhe.

Insbesondere in den ersten 25 Minuten ließ der VfB den Gästen aus der spanischen Hauptstadt kaum Luft zum Atmen, stand seinen Gegenspielern auf den Füßen und erzwang so immer wieder Ballgewinne in der gegnerischen Hälfte. Durch schnelles Vertikalspiel kam Stuttgart anschließend auch zu zahlreichen Abschlüssen, ließ dann aber einiges liegen oder scheiterte am starken Gäste-Keeper Jan Oblak.

Die Chancenverwertung hakt weiter

Damit wiederholte sich ein Muster, dass sich durch die bisherige Saison zieht: Der VfB vergibt viel zu viele Gelegenheiten. Die Stuttgarter Effizienz ist weiterhin zu schlecht. In der Bundesliga hat sich das Hoeneß-Team nach sechs Spieltagen die drittmeisten Chancen erspielt, aber lediglich acht Treffer erzielt. Und auch gegen Atletico wären mit mehr Konsequenz weitere Tore drin, wenn nicht zwingend gewesen. "Das ist etwas, was uns gerade verfolgt: Dass wir daraus ein bisschen bis gar nix machen", kritisierte Deniz Undav nach dem Match beim "Prime". "Wir müssen einfach nur die Dinger machen."

Die beste Position von Bilal El Khannouss ist die Zehn

So spielfreudig wie gegen Madrid hatte man Bilal El Khannouss im Stuttgarter Trikot lange nicht gesehen. Die Umstellung von VfB-Coach Hoeneß, den Marokkaner zentral hinter die einzige Spitze Deniz Undav zu stellen, fruchtete. El Khannouss, in der Bundesliga zuletzt auf den Flügeln eingesetzt, zeigte eine seiner stärksten Leistungen, seit er für die Schwaben spielt. Auf der Zehn scheint der Edeltechniker am wertvollsten, er ist halt der Spielertyp "freischaffender Künstler". Auf den Außenbahnen wirkt sein Potenzial etwas verschenkt.

Die defensive Stabilität war gegen Atletico Madrid vorhanden

In der Bundesliga leistete sich der VfB zuletzt immer wieder defensive Aussetzer, die Abstände im Mittelfeld stimmten meist nicht. In dieser Hinsicht war das Spiel gegen Atletico Madrid ein Schritt nach vorne. Das Duo Prömel/Stiller agierte in der Abstimmung, auch nach hinten, deutlich verbessert. Bis auf die Unachtsamkeit nach der Pause ließ Stuttgart wenig zu.

Auf Dennis Seimen ist auch in der Champions League Verlass

Mit Torhüter Dennis Seimen feierte ein VfB-Eigenwächs gegen Atletico sein Champions-League-Debüt. Der 20-Jährige ist somit der jüngste Keeper, der für Stuttgart in der Königsklasse auf dem Platz stand. Seimen zeigte eine fehlerfreie Partie, rettete einmal per Fußabwehr stark und zeigte sich - anders als bei seinem ersten Bundesligaspiel vor anderthalb Wochen in Paderborn - überhaupt nicht nervös. "Ich freue mich über mein Debüt in der Champions League. Atletico ist ein toller Gegner für solch eine Premiere", sagte Seimen anschließend.

Mit nun sieben Punkten aus drei Spielen ist der VfB Stuttgart in der Champions League weiterhin voll auf Kurs. So richtig zufrieden war dann schließlich trotzdem keiner mit dem einen Zähler gegen Atletico. Wohl aber mit der Leistung. "Letztlich hat gegen eine europäische Top-Mannschaft nur der Siegtreffer gefehlt – das zeigt, wie gut wir waren", analysierte Trainer Hoeneß.

Eine vergleichbare Performance gilt es nun auch in der Bundesliga auf den Platz zu bringen, wo die Schwaben nur Tabellen-13. sind und am Freitag das punktlose Schlusslicht Borussia Mönchengladbach wartet. Eher kein Spiel zum glänzen, sondern eher das alltägliche Brot- und Buttergeschäft. Dennoch gilt es aufzutreten wie gegen Atletico.

"Dann wird jede Mannschaft Probleme mit dem VfB Stuttgart haben"

Coach Hoeneß wird versuchen, sein Team auf die sicher nicht leichte Aufgabe einzustellen. Das Gute ist: Die Sinne scheinen geschärft. "Die Leistung gegen Atletico Madrid muss unser Maßstab sein", sagte Prömel. "Dann wird jede Mannschaft Probleme mit dem VfB Stuttgart haben."

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