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Oberleitner und Miedler: Ein Wiener Tennis-Märchen

Hintergrund. Österreichs Tennis feiert das Doppel Lucas Miedler und Neil Oberleitner. Der Sieg in Wien beflügelt für Olympia und Davis-Cup.

Neil Oberleitner und Lucas Miedler (re.) begeisterten in der Wiener Stadthalle. 
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Wien. Diesen Augenblick muss man sich auf der Zunge zergehen lassen, nicht nur als Tennisfan. Das erst seit einem Monat formierte ÖTV-Duo Lucas Miedler/Neil Oberleitner schwebt auf der Welle des Erfolges, die von Alexander Peya betreute Paarung triumphierte nach dem ATP-1000-Event in Shanghai auch in der Stadthalle. 10.000 Zuschauer schrien, man feierte in diesem Jahr für Jahr von Herwig Straka und seiner Crew aufpolierten Betonpalast ein selten so emotional und laut gefeiertes Fest. Heimsiege sind die Krönung jeder Veranstaltung, das 6:1, 7:5 gegen die heillos überforderten Ryan Seggerman/Learner Tien war die Bestätigung dessen.

Vor allem, was muss da im Wiener Neil Oberleitner vorgegangen sein? Der 27-Jährige hatte zuvor in drei Versuchen keinen Sieg im Hauptfeld errungen. Jetzt rang man auf dem Weg zu Triumph und Siegerscheck sogar die Wimbledonsieger und Weltranglistenersten Harri Heliövaara/Henry Patten (FIN/GBR) beiseite. Man ließ lange eingespielten Könnern wie Andreozzi/Guinard in einem Satz keinen einzigen Punkt. Man hat Visionen und Träume, er rang nach Worten. Vergleichbares wie diesen Sieg aber gebe es nicht, meinte der Fan von Roger Federer. Das sagte fast alles. Dennoch: „Jetzt lebe ich meinen Traum. Ich spiele bei Turnieren, bei denen auch alle Topstars dabei sind. Geld zu verdienen (234.000 Dollar in Shanghai, 171.870 € in Wien; Anm.) und meine Familie zu ernähren, hätte ich mir als Einzelspieler nicht zugetraut.“

 

Doppelpartien werden zumeist nicht gebührend gewürdigt, weil die breite Masse eher einen Star bejubeln will. Man mag auch keine Kombinierer, sondern Spezialisten. Dabei verlangt das Doppel mehr Reflexe, Abstimmung, Kommunikation, Rücksicht. Wer steht auf der Grundlinie, wer am Netz? Wo flitzt der Ball beim Service vorbei? Diese Schläge sind ebenso beeindruckend wie die des Spaniers Carlos Alcaraz. Wenn nicht sogar für manch einen gar beeindruckender.

Es ist jedenfalls der sechste österreichische Doppel-Finalsieg in der Wiener Turniergeschichte. Miedler ist dabei der klare „King“. Der Niederösterreicher, 30, nahm den Pokal wie schon 2022 und 2024 – jeweils mit dem Tiroler Alexander Erler – in Empfang. Die anderen rot-weiß-roten Doppelsieger sind Alexander Antonitsch 1988, Oliver Marach 2009 und Jürgen Melzer 2014.

 

Dazu kamen zig Finalniederlagen. Führend ist Julian Knowle mit fünf bitteren Enttäuschungen im letzten Match. Für Miedler ist es der 15. Titel auf der Tour, sein fünfter in diesem Jahr. Außer mit Oberleitner in Shanghai und nun Wien hatte der 30-Jährige in Brisbane mit Francisco Cabral sowie in Gstaad und Kitzbühel mit dem Australier Marc Polmans den Finalsieg gefeiert.

In der Doppel-Weltrangliste nimmt Oberleitner mit Position 19 am Montag ein neues Karrierehoch ein, direkt vor Miedler. Dessen bisher höchstes Ranking war bis dato ebenfalls Platz 19. Im Rennen für die Finals in Turin rückt das österreichische Davis-Cup-Doppel trotz nur vier gemeinsam bestrittener Turniere auf Rang 16 vor. Der Trip in zwei Wochen nach Italien wird sich nicht mehr ausgehen, selbst wenn man den dortigen 1000er-Titel abholen sollte. Aber 2027 ist es „eingeplant“.

 

Dafür steht ihnen der Weg ans Netz bei weiteren Events offen: Beim Davis-Cup-Finale Ende November in Bologna, bei Grand-Slams und wer weiß, vielleicht auch bei den Sommerspielen 2028 in Los Angeles? Der Aufschlag dorthin ist weiter als nach Shanghai oder aus den Tiefen von St. Marx hinaus, doch Oberleitner, der 1,93 Meter große Neffe von Alexander Antonitsch, will es meistern. Auch darum hat diese Paarung nach sechs Jahren unter Peya – er wurde einst von Oberleitners Vater Michael betreut und war Nummer 3 der Doppel-Weltrangliste – wieder zueinandergefunden nach Absagen anderer Partner. Darum zählt dieser Augenblick umso mehr: „Als Profi war Shanghai viel mehr wert, aber als Wiener vor der Familie und deinen Freunden zu siegen, ist einzigartig.“

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