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Mit seiner Entscheidung, während einer späten virtuellen Safety-Car-Phase nicht an die Box abzubiegen, verspielte Lewis Hamilton im Singapur-GP einen sicher geglaubten Podestplatz. Der siebenfache Weltmeister fiel in der Endphase des Rennens zurück, weil er auf alten Reifen unterwegs war. Die Ziellinie kreuzte er als Sechster. Was möglich gewesen wäre, zeigte sein Teamkollege Charles Leclerc mit dem zweiten Platz. Wie Hamilton hatte der Monegasse die Anweisung vom Kommandostand bekommen, zum Reifenwechsel abzubiegen. Und im Gegensatz zu seinem Stallgefährten leistete er dieser Folge.
Die Frage, ob er sich nun zögerlich verhalten werde, wenn es darum geht, sich einer Anweisung der Ferrari-Teamstrategen zu widersetzen, beantwortete der Rekord-GP-Sieger im Fahrerlager am Circuit of the Americas mit einer ausführlichen Selbstanalyse. «Zuallererst will ich festhalten, dass man aus diesen Erfahrungen lernt. Ich finde mich nur selten in dieser Position wieder. Natürlich fühlten sich die nächsten paar Tage nicht so gut an, aber man lebt, um zu lernen», holte er aus.
«Als ich in der Startaufstellung meine Position einnahm, wusste ich, dass ich wohl dritter werden würde, aber ich versuche immer, den Sieg zu holen. Ich will dann etwas Anderes wagen und ich wollte eine andere Strategie als Charles, um ihm nicht einfach hinterherfahren zu müssen. Die Strategie-Vorhersage war, dass Max wohl zu schnell sein würde, und dass wir Beide auf den Plätzen 2 und 3 ins Ziel kommen würden. Und das reicht mir einfach nicht», stellte der 41-jährige Brite klar.
«Ich wollte eine Option haben und schauen, was möglich gewesen wäre, wären die Reifen nicht eingebrochen. Wenn der Medium-Reifen länger gehalten hätte, dann wäre es möglich gewesen, länger damit zu fahren. Aber das war nicht der Fall und ich fühlte mich im ersten Stint nicht gerade grossartig. Dann kam ich nach dem Stopp hinter Charles auf die Strecke und verlor am Anfang viel Zeit, weil er auf dem langsameren Reifen unterwegs war. Ich hingegen hatte ein gutes Tempo auf den weichen Gummis, und das Szenario glich jenem von Zandvoort», schilderte Hamilton seine Situation.
«Ich kam in Richtung Boxengasse und wusste nicht, dass Charles die Reifen wechseln würde, denn ich dachte, dass er eben erst zum Stopp abgebogen war. Es war eine Entscheidung, die im Bruchteil einer Sekunde gefällt wurde. Schon als ich auf Höhe der Boxengasse war, realisierte ich, dass es wohl die falsche Entscheidung gewesen war. Aber ich habe das auf mich genommen, habe die Verantwortung dafür übernommen und danach blickst du wieder nach vorne», fügte der 106-fache GP-Sieger trotzig an.»
Und Hamilton erklärte weiter: «Wir hatten gute Gespräche darüber, wie wir besser zusammenarbeiten können und was wir verbessern können. Aber ich denke, an unserer Arbeitsweise hinter den Kulissen hat sich nichts verändert. Ich glaube wirklich, dass mein Job darin besteht, nicht immer allen Anweisungen gleich Folge zu leisten und mich selbst und das Team herauszufordern. Mit dieser Vorgehensweise bin ich zu dem geworden, der ich bin. Deshalb will ich das auch nicht aufgeben. Manchmal kann es nicht so gut laufen, und das war in diesem Fall so. Aber du kämpfst einfach weiter, und wir siegen und verlieren als Team. Wir tragen die Konsequenzen gemeinsam. Natürlich schmerzt es, wenn ich Punkte für das Team liegen lasse. Das passiert nicht so oft, aber ich werde nun doppelten Einsatz leisten, um sicherzustellen, dass das nicht mehr passiert.»