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Das WTT-Champions-Turnier kehrt am 3. November nach Unterliederbach zurück. Es könnte das letzte seiner Kategorie in Deutschland sein. In der Ballsporthalle begann die sagenhafte Serie von Soran Matsushima.
Frankfurt – Am Anfang stand ein Urschrei, das Frankfurter Publikum war Zeuge. Gerade hatte Sora Matsushima sein erstes großes Finale gewonnen, einerseits. Und andererseits den ersten deutschen Gewinner beim WTT-Champions-Turnier in der Ballsporthalle verhindert. Der sonst recht emotionslos wirkende Matsushima ballte die Fäuste, bog seinen mächtigen Oberkörper zum Hohlkreuz und schrie seine Erleichterung mit geschlossenen Augen heraus. Dann stützte sich der 18-jährige Japaner erst einmal auf einer Bande ab, als breche er unter der Last des Erfolgs fast zusammen. Und schließlich durfte der deutsche Nationalspieler Dang Qiu nach seiner 1:4-Finalniederlage erster Gratulant sein. Shakehands des Ex-Europameisters mit dem Senkrechtstarter der Tischtennis-Szene. So war das vor knapp einem Jahr.
Wenn die Tischtennis-Weltelite am 3. November für das sechstägige Turnier der zweithöchsten Kategorie zurückkehrt in den Frankfurter Stadtteil Unterliederbach, möchte Matsushima seinen Titel verteidigen. Als Nummer eins der Weltrangliste. Im Westen der Mainmetropole startete der inzwischen 19-jährige Linkshänder aus dem Land der aufgehenden Sonne eine Erfolgsserie, die er im September mit der japanischen Nationalmannschaft krönte. Als Asienmeister, vor heimischem Publikum in Toyota, im Finale gegen China.
Sora Matsushima ist seit 2018 der erste Spieler außerhalb von China, der von der Spitze aus grüßt. In jenem Jahr hatten die Deutschen Dimitrij Ovtcharov (Januar und Februar 2018) und Timo Boll (März 2018) das Ranking angeführt. Boll, 45 Jahre alt, hat seine Karriere mittlerweile an gleicher Stelle beendet, an der sich Dang Qiu (29) und Patrick Franziska (34) sowie Sabine Winter (33, als Nummer acht die beste Europäerin), Ying Han (43) und Nina Mittelham (29) in der ersten Novemberwoche wieder mit der versammelten Weltklasse messen werden. Diese Deutschen sind über die Weltrangliste qualifiziert. „Dima“ Ovtcharov (38) wäre es auch, hat jedoch jüngst für die Europameisterschaften wegen Problemen mit dem Bizeps abgesagt.
China wird in Frankfurt aufbieten, was Rang und Namen hat – so denn auch Interesse seitens der Spieler daran besteht. Olympiasieger Fan Zhendong (29), lange auch Weltranglistenerster, spielt ja lieber für Borussia Düsseldorf in der Bundesliga als im vielerseits kritisierten Turniersystem der Weltverbandstochter WTT. Das Mitwirken von Weltmeister Wang Chuqin (26), auf Rang vier zurückgefallen, ist wegen anhaltender Rückenprobleme noch nicht sicher. Dennoch sollte die Teilnahme der Tischtennis-Großmacht die hiesigen Fans des rasanten Rückschlagsports mit der kleinen Plastikkugel aufhorchen lassen.
2025 hatte das Zuschauerinteresse in der Ballsporthalle sicher auch deshalb nachgelassen, weil die Chinesen ihre nationalen Meisterschaften ausspielten und deshalb nicht angereist waren. Dieses Mal werden die Ausnahmespieler aus dem Reich der Mitte alles daran setzen, den aufmüpfigen Japaner vom Thron zu stoßen. So oder so gibt es die geballte Weltklasse im Tischtennis bundesweit sonst nirgendwo zu sehen. Und es ist vielleicht die letzte Chance auf längere Sicht.
Das im Stile eines Rockkonzerts aufgepeppte und mit einer halben Million US-Dollar dotierte Tischtennis-Spektakel dürfte mit diesem Line-up letztmalig im „Herzen von Europa“ zu bejubeln sein. Im WTT-Kalender für 2027, zuletzt wegen der Kollision mit der EM nicht nur von Bundestrainer Jörg Roßkopf kritisiert, blinkt zwar online für Anfang November wieder ein Eintrag mit Deutschland-Fahne. Jedoch nur noch für einen Star Contender. Bei Turnieren dieser Kategorie sollen vor allem aufstrebende Talente zum Zuge kommen. Wie Sora Matsushima vor einem Jahr eines war, als sein Aufstieg in Frankfurt begann.