flag
back Zurück
Bundesliga: Stuttgart schießt sich aus dem Keller – Füllkrug ist nicht zu stoppen
Zwei Torschützen: Niclas Füllkrug und Eren Dinkci erzielen die Treffer zum 2:0 der Bremer gegen Hoffenheim.
Zwei Torschützen: Niclas Füllkrug und Eren Dinkci erzielen die Treffer zum 2:0 der Bremer gegen Hoffenheim.Foto: Stuart Franklin/Getty Images

Unter der Woche war dem Fußballklub VfB Stuttgart der Einzug ins DFB-Pokal-Achtelfinale geglückt, in der Champions League rangiert das Team von Coach Sebastian Hoeneß mit sieben von neun möglichen Punkten unter den europäischen Vereinsgrößen. Die nationale Liga allerdings bespielten die Schwaben bis dato auffällig erfolglos: sechs Punkte, Platz 15, eher Abstiegsregion als Champions League. Und so mancher dürfte sich fragen: Hat der VfB Bundesliga verlernt?

Am achten Spieltag ging es nun nach Leverkusen zu einem Klub, der sich in der Bundesliga bis dato deutlich besser präsentiert hatte. Doch Stuttgart zeigte diesmal sein Champions-League-Gesicht. Oder anders gesagt: VfB-Angreifer Eremin Demirovic schlug wieder zu, leitete den Sieg der Stuttgarter ein – und machte den sogenannten Deckel drauf. 4:2 (2:1) hieß es am Ende einer Partie, die auch in die andere Richtung hätte kippen können, wären die Leverkusener weniger verschwenderisch mit ihren Torgelegenheiten umgegangen. Demirovic (14. und 65. Minute), Jamie Leweling (22.) und Bilal El Khannouss (51.) trafen für den VfB, mehr als Patrik Schicks zwischenzeitlicher Anschlusstreffer (29.) und Ibrahim Mazas 2:4 (79.) sprang für das Team von Carles Martínez nicht heraus.

Seine Elf wird den Nachmittag schnell vergessen wollen, die 40. Minute allerdings wird in Erinnerung bleiben, als sich auf dem Spielfeld eine turbulente Rangelei der Kategorie Rudelbildung zutrug. Schiedsrichter Benjamin Brand sah sich gezwungen, die Spielerschaft innerhalb weniger Sekunden um vier gelbe Karten zu bereichern, je zwei auf beiden Seiten, ein seltenes Ereignis. Die zentrale Erkenntnis dieser Partie aber lautete: Ja, der VfB Stuttgart kann auch Bundesliga.

Ist Niclas Füllkrug unaufhaltsam?

Aus Sicht der Hoffenheimer Verteidigung ist die Antwort: ja. In der 57. Minute schlug Werders Torhüter Karl Hein einfach einen Ball lang. Niclas Füllkrug setzte sich robust gegen gleich zwei Hoffenheimer durch, überwand den restlichen Weg zum Tor und knallte den Ball zum 1:0 ins Eck. Er knackte mit seinem neunten Treffer im siebten Bundesligaspiel den Klubrekord von Rudi Völler. Im Pokal gegen Dortmund gelang Füllkrug ein ähnlicher Treffer, er erzielt diese Stürmertore an der Grenze zur Weltklasse aktuell nach Belieben. Am kommenden Donnerstag nominiert Bundestrainer Jürgen Klopp seinen Kader für die beiden abschließenden Nations-League-Spiele. Spätestens nach dieser Woche muss er sich eine besonders kreative Begründung ausdenken, falls er den Bremer Stürmer nicht berufen will.

Der gerade unaufhaltsame Füllkrug reichte für den 2:0-Heimsieg gegen das kriselnde Hoffenheim, wo erstmals in dieser Saison Oliver Baumann und Andrej Kramaric in der Startelf standen. Seit 2016 (!) spielen die beiden zusammen im Kraichgau und haben den Klub vorne und hinten auf dem Spielfeld durch alle möglichen Krisen gehievt, inklusive diverser Abstiegskämpfe. Abstiegskampf – so weit ist es dieses Jahr noch nicht, aber gut läuft es auch nicht. Das Pokal-Aus in Kiel unter der Woche und die Niederlage in Bremen sind nur die aktuellsten Symptome des Holperstarts.

Die Hoffenheimer, im lila Trikot nach Bremen gereist, übernahmen zunächst die Initiative, die beste Chance hatte aber – natürlich – schon in Halbzeit eins Füllkrug. Sein Volleyschuss zischte nach 24 Minuten am Tor vorbei. Da hatte Mitchell Weiser das Spielfeld schon verlassen. Der neben Füllkrug zuletzt beste Bremer musste offenbar wegen einer Oberschenkelblessur runter. Nicht nur wegen seiner mehr als einjährigen Verletzungspause bis September 2026 werden die Werder-Fans auf eine harmlose Diagnose hoffen. Eren Dinkci entschied das Spiel in Minute 82. Bremen hat nun 15 Punkte nach acht Spielen, wer das vor der Saison getippt hatte, dem wurde nach dem Transfer von Romano Schmid und der Verletzung von Jens Stage garantiert fortgeschrittene Ahnungslosigkeit attestiert.

Wie lange müssen die Schalker Fans warten, bis ihre Mannschaft endlich im eigenen Stadion trifft?

Kevin Gerwin hatte sich vor diesem Spiel einen wenig vergnüglichen Titel eingehandelt: den des ärmsten Stadionsprechers der Bundesliga. Also: des Torschrei-ärmsten. Gerwin ist beim FC Schalke 04 beschäftigt, einem Fußballklub, der in der heimischen Arena durch Geiz besticht. Gegen die Bayern, Elversberg (jeweils 0:0) und Mainz (0:1) blieb die Mannschaft von Trainer Miron Muslic ohne eigenen Treffer – und ohne das markante Tor-Gebrüll des Stadionansagers Gerwin. Timo Becker, Co-Kapitän der Schalker, ließ unlängst gar Mitleid erahnen: „Der arme tut mir echt leid. Das müssen wir schnellstens ändern.“

Um es kurz zu machen: Auch am Halloween-Samstag ging die Schalker Horrorserie in die nächste Runde. RB Leipzig verdarb den Gelsenkirchenern den Nachmittag gehörig, wobei die Muslic-Elf dazu auch ihren Beitrag leistete. Leipzig gewann diese Bundesligapartie 2:0 (1:0) und hätte den Sieg noch höher ausfallen lassen können. Antonio Nusa ließ seinen Coach Martin Demichelis zum ersten Mal jubeln, als er in der 37. Minute per Strafstoß ins Netz traf. Kurz vor dem Pausenpfiff schien die Angelegenheit bereits entschieden, doch vor Romulos vermeintlichem 2:0 hatte der Ball bereits die Seitenlinie überquert.

Und Schalke? Passte sich dem trüben Herbstwetter an, verzichtete von der zehnten Minute an auf eigene Torschüsse und sah nicht wie eine Mannschaft aus, die sich gegen eine Negativserie stemmt. Und so durfte es kaum überraschen, dass Romulo doch noch zu seinem Tor kam, in Minute 78 erzielte der Brasilianer per Flachschuss den 2:0-Endstand. Leipzig hatte bis zu diesem Samstag sämtliche Bundesliga-Spiele in der Fremde verloren. Zumindest diese Horrorserie geht zu Ende. Kevin Gerwin schont indes weiter seine Stimme.

Ist Freiburg etwa heimlich schon ein Spitzenteam?

Der DFB-Pokal ist die englische Woche des kleinen Klubs, wobei die Freiburger natürlich längst kein kleiner Klub mehr sind. Das darf man nur nicht so laut sagen, sonst werden sie sauer. Im Duell der beiden Städte, die in der Bundesliga noch auf -burg enden, entschieden sich beide Trainer angesichts der Belastungen für eine Rotation. Freiburg wechselte auf sieben Positionen, Augsburg auf vier.

Die Partie begann dann so zerfahren, wie es die Durchmischung der Anfangsformationen vermuten ließ. Der eindeutige Höhepunkt war das Tor von Michael Gregoritsch zum 1:0 für den FCA, als er eine Hereingabe von Arijon Ibrahimovic so elegant volley ins linke Eck prallen ließ, dass Mio Backhaus im Freiburger Kasten chancenlos war. Aber Freiburg vollzieht vor aller Augen die langsame Verwandlung zur Top-Mannschaft, wenigstens zur kleinen. Igor Matanovic und der eingewechselte Cyriaque Irié drehten die Partie und halten den Sportclub in den Champions-League-Rängen.

Findet Gladbach nach dem Horrorstart nun in die Spur?

Die Kicker von Borussia Mönchengladbach hatten ihre – besonders schaurige – Horrorserie von sechs Liga-Startpleiten erst vor einer Woche mit dem ersten Sieg begraben. Dem 3:2 in Stuttgart ließ die Fohlenelf einen souveränen 2:0-Pokalsieg gegen Karlsruhe folgen. Und nach dem Samstag lässt sich nun gewissermaßen von einer neuen Serie sprechen.

Die Gladbacher sind nun seit drei Pflichtspielen ungeschlagen. So lautet die positive Nachricht, und doch wirkten die Kicker von Trainer Alexander Blessin wenig erfreut, als sie nach dem Heimspiel gegen den SC Paderborn vom Platz schlichen. 0:0 lautete das Endergebnis, und auch Aufsteiger Paderborn dürfte nicht restlos begeistert die Heimreise angetreten haben. Gladbach hatte vor der Pause wie die bessere Mannschaft gewirkt, doch die Gäste übernahmen in Halbzeit zwei alsbald das Kommando – und sie hätten das Spiel noch spät gewinnen können oder fast müssen.

Der kurz zuvor eingewechselte Rayan Philippe hatte in der Nachspielzeit das Siegtor auf dem Fuß, als er aus der eigenen Hälfte frei aufs Tor zugelaufen war. Vor dem Kasten wackelte er einmal und zog ab. Doch der Ball wurde noch abgefälscht und landete am Außennetz.

Könnte Ihnen gefallen

1. Bundesliga: Stuttgart gewinnt in Leverkusen

Presse Augsburg vor 31 Minuten