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Eintracht Frankfurt: Die Lehren aus dem 1:0 gegen den 1. FC Köln
Nach Sieg gegen Köln :
Doch nur ein technischer Defekt bei der Eintracht

Die Frankfurter gewinnen ihr erstes Heimspiel seit März. Ist Hütters Elf eine Kampfmannschaft statt einer, über die man staunt? Und was passiert mit Spielmacher Uzun?

Ein langer Frankfurter Fußballabend fand sein Ende im dröhnenden Feueralarm. Noch während Adi Hütter über das 1:0 gegen Köln sprach, mussten alle Zuschauer das Stadion verlassen, weil ein technischer Defekt die Sirene startete. Die Eintracht hingegen scheint eine Woche nach dem 0:6 wieder voll funktionsfähig. Das sind die Lehren vom ersten Heimsieg der Saison:

Koch überzeugte. Wie verlief die Woche für den Eintracht-Kapitän?

Der Kapitän machte seine beste Partie seit Langem. So konzentriert und engagiert absolvierte der 30-Jährige vor allem in dieser Saison noch keinen Einsatz. Und gegen den 1. FC Köln stand er von der ersten bis zur letzten Minute auf dem Platz. Das ist insofern von Belang, weil Robin Koch sechs Tage zuvor beim 0:6-Debakel in Leipzig zur Halbzeitpause von Adi Hütter vom Feld genommen worden war.

Eine Entscheidung, die vom Trainer im Nachgang mit dem Verweis aufs „Leistungsprinzip“ begründet wurde und dem Innenverteidiger zusetzte. Am Freitagabend, vor ausverkauftem Haus im Frankfurter Stadtwald, lieferte Koch eine Vorstellung ab, die gegen einen nur phasenweise engagierten Gegner keinen Anlass zur Kritik bot. Die Statistik wies ihn als einen der tatkräftigsten Profis im SGE-Trikot aus: Von vier Zweikämpfen am Boden gewann Koch drei, alle acht Duelle in der Luft entschied er gegen die FC-Angreifer für sich, insgesamt zehnmal schritt er klärend ein, und viermal fing er Vorstöße des „Effzeh“ ab.

„Am wichtigsten ist die Reaktion der Mannschaft“, sagte Koch später. Er räumte zugleich ein, anstrengende Stunden hinter sich zu haben: „Es ist nie schön, wenn man in der Öffentlichkeit so viel über sich lesen muss, aber das gehört zum Fußball dazu.“ Hütter sprach davon, dass der von ihm Gescholtene die erhoffte Reaktion als Leader und „ein anderes Gesicht“ gezeigt habe: „Er hat es sich zu Herzen genommen und bekommt von mir heute ein Extralob.“

Hatte El Mala im Griff: Eintracht-Kapitän Robin Koch
Hatte El Mala im Griff: Eintracht-Kapitän Robin Kochdpa

Beifall dürfte auch am Montagabend folgen. Axel Hellmann, der Vorstandssprecher, kündigte an, Koch in seiner Rede auf der Mitgliederversammlung mit Anerkennung für eine Darbietung zu erwähnen, die nach einer für ihn mental anstrengenden Woche aller Ehren wert gewesen sei.

Die Eintracht kämpft wieder. Ist das der neue Maßstab?

Nach dem Abpfiff schrien tausende Eintracht-Fans und elf Eintracht-Spieler ihre Freude in den Nachthimmel. Es war das erste Mal seit sieben Monaten, dass sie zuhause ein Spiel gewannen. Dazwischen lag die Sommerpause, aber dazwischen lagen eben auch viele Partien, in denen die Frankfurter schwach spielten und obendrein wenig beherzt verteidigten.

Zumindest die Defensive funktionierte am Freitagabend wieder. Offensiv aber schwächelte die Eintracht diesmal, Jonathan Burkardt fand nicht ins Spiel, auch die beiden Spielmacher, die Adi Hütter in seinem System vorsieht, stachen wenig heraus. Diesmal waren es Farès Chaibi und Ritsu Doan.

Der Eintracht-Kader, der an vielen Stellen Lücken aufweist (defensive Außen, defensive Zentrale, Stürmer), ist an dieser Stelle sehr gut besetzt. Das ist ein Relikt aus jenen Zeiten, in denen die Frankfurter zweimal pro Woche spielten. Geblieben ist ihnen nur die Bundesliga – und ihre Europapokal-Mittelfeldspieler. Auf der Bank saßen diesmal Can Uzun und Ayoube Amaimouni.

Kein Platz für Dribbler: Amaimouni sitzt zurzeit nur auf der Bank
Kein Platz für Dribbler: Amaimouni sitzt zurzeit nur auf der BankEPA

Das ist kein Zufall. Hütter setzt auf entscheidungsfreudige, schnell kombinierende Spieler, weniger auf verkünstelte Dribbler. Jean-Matteo Bahoya spielt deshalb mittlerweile in England, Amaimouni sitzt, wenn überhaupt, auf der Bank. Die beiden zählten in der vergangenen Saison statistisch gesehen zu den fünf besten Dribblern der Bundesliga. Dieses Element fehlt dem Eintracht-Spiel seit dem Sommer, es ist nüchterner, pragmatischer geworden. Es fehlen Akteure, für die die Zuschauer an einem Freitagabend ins Stadion gehen.

Hugo Ekitiké ist kaum mehr als ein Jahr weg, Omar Marmoush etwas länger. In diesem Jahr ist viel geschehen. Der Maßstab heißt wieder kämpfen, ein 1:0 gegen den FC Köln samt starken Zweikampfwerten sorgt deshalb für Freudenschreie.

A propos Uzun. Wieso saß der Spielmacher 90 Minuten auf der Bank?

Vor einer Woche, beim düsteren 0:6 der Frankfurter in Leipzig, hatte das halbe Dutzend schon in der ersten Minute seinen Anfang genommen. Can Uzun war es, der den Ball verlor. Und die Eintracht lief 90 Minuten hinterher. Hütter hat nun, wie vor ihm Dino Toppmöller und Albert Riera, das Spiel des Deutsch-Türken kennengelernt. Er ist vermutlich der beste, kreativste Offensivspieler, den Hütter hat.

Aber auch in Uzuns drittem Jahr erlaubt er sich immer wieder Phasen, in denen er das Tor nicht verteidigt, sobald er den Ball verliert. Auch in der türkischen Nationalmannschaft sitzt er deshalb auf der Bank. Hütter wird das nicht schulterzuckend hinnehmen, wie es Toppmöller und Riera lange Zeit taten. Die 90 Minuten auf der kalten Frankfurter Bank sind also ein Zeichen an den Spielmacher: Nur, wer mit der Mannschaft verteidigt, darf mit ihr angreifen.

Was bedeutet der Sieg für Adi Hütter?

Der Trainer hatte die Messlatte hoch gelegt. Adi Hütter sprach in der Vorbereitung des Freitagabends davon, dass die Zuschauer eine Mannschaft zu sehen bekämen, die an überzeugendste Eintracht-Zeiten erinnern werde, die „kämpfen, kratzen und beißen“ werde, um sich den Erfolg zu verdienen.

In der ersten Halbzeit wurde das Versprechen nicht eingelöst, da fehlte es an schnellen Umschaltmomenten, und die Kugel wurde oftmals unpräzise gepasst, sodass die Kölner wenig Mühe hatten, ihre kompakte Defensive zu ordnen. Erst nach dem Seitenwechsel und spätestens mit der Einwechslung von Noël Aséko für den unauffälligen Mario Götze gewannen die Offensivbemühungen an Überraschungsmoment, sodass das Tor des Tages durch Younes Ebnoutalib die Kräfteverhältnisse treffend spiegelte.

Mit acht Zählern stellte Hütters Team nun den Anschluss an das Tabellenmittelfeld her. Es geht ambitioniert weiter: Als Nächstes folgt in der Liga die Auswärtsreise zu Borussia Dortmund, danach wartet in der zweiten Pokalrunde die Begegnung im Volksparkstadion mit dem Hamburger SV. Die Darbietung gegen Köln hat gezeigt, dass individuell Potential vorhanden ist, um sich gemeinschaftlich gegen zurückhaltend agierende Gegenspieler Vorteile zu verschaffen – gegen Konkurrenten mit mehr Power und Gestaltungsdrang steht der Beweis noch aus.

Und die Unausgewogenheit des Kaders ist und bleibt ein Thema. Besonders defensiv sind Hütters Handlungsoptionen beschränkt, was sich als problematisch herausstellen kann, sollte der abermals schwache Nnamdi Collins nach seiner verletzungsbedingten Auswechslung ausfallen. Der bei seiner Verpflichtung mit einigem an Vorschusslorbeeren bedachte Brasilianer Otávio stand gegen Köln nicht einmal im Kader.

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