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Luca Vanni ist aktuell der jüngste Trainer der Fußball-Oberliga Rheinland-Pfalz Saar. Und hat doch schon viel Erfahrung gesammelt. Ein Porträt über den Coach des SV Gonsenheim.
Torben Schröder
Mainz. 50 Tage Vorsprung vor seinem Kollegen Julian Feit (FV Engers) sind es, dank derer Luca Vanni sich als jüngster Trainer unserer Fußball-Oberliga bezeichnen kann. Dass der 32-Jährige es so weit bringen würde, „daran hat niemand geglaubt“, sagt der Chefcoach des SV Gonsenheim.
Ein Bezirksligaspiel für Gau-Odernheim war als Fußballer das Höchste der Gefühle. „Wir haben in Marienborn 0:8 verloren, ich habe gegen Etienne Portmann gespielt und keinen Zweikampf gewonnen“, muss Vanni schmunzeln. Es war offenbar nicht Talent allein, das ihm in jungen Jahren daheim in Mainz-Ebersheim die Kapitänsbinde verschaffte. „Ich habe immer gern organisiert, war redebedürftig und kritisch. Das hat die Mitspieler manchmal auch genervt.“
Sein Großvater, der zeitlebens alle Zeitungsartikel über Vanni in Schutzfolien aufbewahrt hat, erzählte gern die Anekdote von den Mainzer Mini-Kicker-Tagen. „Der wird Trainer“, habe es damals geheißen. Als Teenager begann Vanni in der Ebersheimer Jugend zu coachen, machte den B-Schein, wurde von Tim Klotz nach Finthen gelotst und dann von Florian Diel nach Gau-Odernheim – und das, nachdem Vannis Fontana gegen Diels TSV 0:6 verloren hatte.
In Finthen folgte auf Vannis Zusage am Petersberg bald seine bislang einzige Entlassung. Beim TSV bildete sich um Diel und Vanni eine Clique fußballverrückter Jung-Trainer, die sich die Wochenenden auf der Sportanlage um die Ohren schlugen, auch gut zusammen feiern konnten – und enorm viel voneinander lernten. „Ich habe nicht die eine Prägung“, sagt Vanni, der im Nachwuchs von FCK und 05 hospitierte. Er schaut, lernt und bastelt daraus etwas Eigenes.
Nach seinem einzigen Titel, dem U17-Verbandspokal mit Gau-Odernheim, klappte der zweite Versuch von Babak Keyhanfar, Vanni zur Gonsenheimer U19 zu lotsen. Im ersten Jahr lief alles schief. „Ich habe viel zu viel auf Namen geachtet. Man konnte denken, da spielen nur Messis.“ Sein damaliger Teammanager Sven Liebisch hielt ihn vom Rücktritt ab. Vanni ist sicher: „Ohne den Lockdown wären wir abgestiegen.“
Mit SVG-Manager Marvin Bylsma habe er viel über Leadership gesprochen, bei den Cheftrainern Christian Lüllig und Anouar Ddaou hospitierte er, war Co-Trainer. Bei der U19 ging es steil bergauf. Nach zwei Regionalliga-Vizemeisterschaften legte Vanni eine Pause ein. Die TuS Marienborn wollte ihn zum Co-Trainer und Nachfolger von Ali Cakici machen, vorher schon Elversberg zum U19-Trainer, und auch der FCK meldete sich für eine hauptberufliche Position.
Den Plan, den A-Schein zu machen, ließ Vanni fallen, als der DFB die Lehrgangsgebühr drastisch erhöhte: „Das war das Signal, dass sie Leute wie mich nicht wollen.“ Zum Cheftrainer-Posten in Gonsenheim sagte Vanni, inzwischen Familienvater, Ja. Der bald zweijährige Carlos sorgt auch nach bittersten Niederlagen für ein strahlendes Trainer-Gesicht. Das Wort „Ba“ für Ball konnte er früher aussprechen als „Mama“.
Vanni ist Familienmensch, führt mit seinem Stiefbruder vom heimischen Drei-Generationen-Haus aus das familiäre Erbe eines Allianz-Versicherungsbüros mit inzwischen vier Standorten und 15 Angestellten weiter, kümmert sich um den an Demenz erkrankten Vater, fährt mit Frau, Kind und Schwiegereltern in den Urlaub.
Im Plan der Wintervorbereitung steht ein Testspiel gegen Basara Mainz, morgens um 11 Uhr, am Tag des Gonsenheimer Fastnachtsumzugs. Die Teilnahme ist ein Pflichttermin, samt Zeitfenster zum Vorglühen. Der SVG hatte in den letzten Jahren weniger nahbar gewirkt, als es Vanni lieb ist. Mit Co-Trainer Liebisch und seinem Staff will er daran etwas ändern, in puncto Vereinsleben und Außendarstellung. „An Altweiber und Rosenmontag gibt es bei mir kein Training“, lautet eine der neuen Regeln in diesem Zuge.
Dem 32-Jährigen ist der persönliche Bezug zu seinen Spielern wichtig. Schare die Führungsspieler um dich, ist eine der Lehren, die er in seiner Karriere gezogen hat. Aber es ist ihm auch ein menschliches Bedürfnis. Womöglich rettete Kapitän Paul Simon ihm im Dezember 2025 gegen Dudenhofen (4:2) den Job, der auch am Saisonende gegen Idar-Oberstein (4:2) am seidenen Faden zu hängen schien.
Wieder spricht Vanni von fehlender Erfahrung auf diesem Level, von Fehlern im ersten Jahr der Amtszeit, in Sachen Kaderplanung, Belastungssteuerung, Hierarchiebildung. Und steht nun, nach 14 Spieltagen, vor dem Heimspiel gegen die SV Elversberg II (Samstag, 13 Uhr), auf einem starken vierten Rang. Wer hätte das gedacht?