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Eigentlich gäbe es genügend Gründe für Alexander Zverev, um auf Wolke sieben zu schweben. Der deutsche Tennis-Star hat in diesem Jahr seine beiden ersten Grand-Slam-Titel gewonnen, er gewann das French Open und das US Open. Und seit Montag ist Zverev auch erstmals in seiner Karriere die Nummer 1 in der ATP-Weltrangliste.
Und doch ärgert sich der deutsche Olympiasieger. Nicht nur, weil er sein erstes Spiel als bester Tennisspieler der Welt verlor – er unterlag in der ersten Runde des Masters-1000-Turniers in zwei Sätzen dem Italiener Lorenzo Musetti (ATP 24). Nein, Zverev ärgert sich, weil seine Qualitäten trotz der Erfolge in diesem Jahr immer noch angezweifelt werden.
Alexander Zverev says he’s annoyed that he’s the only world No. 1 in history who has to explain why it’s ok for him to be world No. 1: “I was a bit annoyed the last couple of days because achieving the world No. 1 status is something I think every player dreams of. But then, I feel like I’m the only world No. 1 in tennis history that has to explain why it’s ok for me to be world No. 1… which I find quite difficult. Because I deserve to be where I am. I don’t think anyone has to explain themselves as much as I had to do in the last couple of days.” https://t.co/qVVNmqILEA
— The Tennis Letter (@TheTennisLetter) November 4, 2026
Zverev ist genervt, weil er sich rechtfertigen muss.
«Ich glaube, ich bin die einzige Nummer 1 in der Tennisgeschichte, die dauernd erklären muss, warum es okay ist, dass ich die Nummer 1 bin. Das nervt», sagte Zverev nach der Niederlage gegen Musetti. Er glaube, er verdiene es, in seiner aktuellen Position zu sein, auch wenn er an diesem Tag verloren habe.
Tatsächlich gibt es diverse Kritiker, die sagen, dass Zverev eine der schwächsten Nummern 1 der Tennisgeschichte sei. Und es gibt Statistiken, die solche Aussagen zumindest teilweise unterstützen. Mit der Startniederlage gegen Musetti in Paris wurde der Deutsche der erste Spieler, der seine Premiere als Nummer 1 glatt in zwei Sätzen verlor. Seine aktuelle Siegquote von 78,3 Prozent (65 Siege gegenüber 18 Niederlagen) wäre die tiefste einer Jahresend-Nummer-1 in diesem Jahrhundert.
Following his loss in Paris, Alexander Zverev now virtually holds the lowest win percentage of a year-end ATP world No.1 this century: 79.1% (72-19) - Andy Roddick, 2003 78.3% (65-18) - Alexander Zverev, 2026 One ATP Finals loss and he will clinch it!
— Bastien Fachan (@BastienFachan) November 4, 2026
Zudem hat der 29-Jährige in diesem Jahr eine schwache Bilanz gegen die besten Gegner. Von zwölf Spielen gegen Top-10-Spieler hat er nur deren drei gewonnen. Gegen Jannik Sinner hat Zverev seine letzten zehn Matches alle verloren, von den letzten fünf Spielen gegen Carlos Alcaraz gewann er eines. Die Kritiker monieren deshalb, dass Zverev nur die Nummer 1 wurde, weil sowohl Sinner als auch Alcaraz sich in dieser Saison mit Verletzungen herumschlugen.
Zverev erhielt in der Vergangenheit aber auch viel Unterstützung. «Ich finde es eigentlich eine bodenlose Frechheit und eine unglaubliche Respektlosigkeit gegenüber seiner Leistung», sagte Boris Becker im gemeinsamen Podcast mit der früheren deutschen Weltklassespielerin Andrea Petkovic, als Zverev erstmals so kritisiert wurde.
Schliesslich könne Zverev «nichts dafür, wenn Sinner sich vorher verletzt. Er kann nichts dafür, dass Alcaraz vier Monate lang verletzt war und im Viertelfinale (der US Open, Anm. d. Red.) gegen Ben Shelton verliert. Er kann nichts dafür, wenn die Gesetzten in seiner Hälfte alle früher verlieren.» In New York musste Zverev bis zum Finalgegner Shelton keinen einzigen Spieler aus den Top 10 bezwingen.
Viele Möglichkeiten, seine Bilanz aufzubessern, erhält Zverev indes nicht mehr. Am 16. November stehen in Turin noch die ATP-Finals an, danach ist die Saison vorbei. (abu)