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Blanka Dörfel: Ein weiterer großer Karriere-Start in Frankfurt?

Beim Frankfurt-Marathon 2026 lief Blanka Dörfel das schnellste Marathon-Debüt einer deutschen Läuferin aller Zeiten.

Zum Abschluss seiner 25-jährigen Karriere als Race-Direktor des Mainova Frankfurt-Marathons bekam Jo Schindler noch ein Überraschungs-Geschenk. Allerdings nicht so wie es eigentlich geplant war. Denn die Hoffnungen auf einen deutschen oder sogar europäischen Rekord im Männerrennen erfüllten sich bei schwierigen Wetterbedingungen nicht. Aber der Marathon birgt immer wieder Überraschungen - so auch in der Frankfurter Festhalle am Sonntag. Die Überraschung erlebten Jo Schindler und die Zuschauer mit etwas Verspätung und diese betrug zufällig genau ein akademisches Viertel. Amanal Petros, auf dem die Rekord-Hoffnungen geruht hatten, war nach einem starken Rennen als Zweiter nach 2:05:46 Stunden im Ziel. Genau 15 Minuten später folgte Blanka Dörfel. Mit 2:20:46 Stunden war es die 24-jährige Berlinerin, die in ihrem Debüt über die 42,195 km für die Schlagzeilen sorgte. „Das war der Start einer großen Karriere“, sagte Philipp Kopp, der in Frankfurt für die Elitefelder zuständig ist. Auf Anhieb wurde Blanka Dörfel zur zweitschnellsten deutschen Marathonläuferin aller Zeiten und zur achtschnellsten in Europa.

Frankfurt war schon öfter das Pflaster für den Start großer Marathon-Karrieren, was auch mit der Herangehensweise der Sportlichen Leiter des Rennens zu tun hat. Was der 2023 verstorbene Christoph Kopp erfolgreich einführte, setzt inzwischen sein Sohn Philipp fort: Verpflichtet werden in der Regel nicht die ganz großen Stars, sondern Athleten, denen ein Durchbruch zugetraut wird. 2010 gewann der Kenianer Wilson Kipsang mit einem Streckenrekord und ein Jahr später verpasste er in der Festhalle mit 2:03:42 den Weltrekord nur um vier Sekunden. Danach gewann Kipsang unter anderem in London, wurde Olympia-Dritter (jeweils 2012) und brach in Berlin 2013 den Weltrekord (2:03:23). 2017 gelang Shura Kitata mit seinem Sieg in Frankfurt ein Durchbruch. Drei Jahre später gewann der Äthiopier den London-Marathon. Das jüngste Beispiel für große Siege nach einem Frankfurter Triumph ist Hawi Feysa. Die Äthiopierin lief vor zwei Jahren am Main den Streckenrekord von 2:17:25. Vor kurzem gewann sie zum zweiten Mal in Folge den Chicago-Marathon und wurde zur viertschnellsten Marathonläuferin aller Zeiten.

Mit ihrem grandiosen Debüt sorgte Blanka Dörfel (Berlin Athletics CC) dafür, dass eine Reihe von Bestenlisten umgeschrieben werden müssen: Die deutsche Rekordhalterin Irina Mikitenko (2:19:19 in Berlin 2008) ist die einzige, die in der nationalen Rangliste noch vor Blanka Dörfel steht. Die neue Nummer acht in Europa erzielte eine deutsche Jahresbestzeit, ist in diesem Jahr mit ihren 2:20:46 die zweitschnellste Europäerin knapp hinter der finnischen Europameisterin Alisa Vainio (2:20:39) und verbesserte den inoffiziellen deutschen Debüt-Rekord gleich um über drei Minuten (bisher: 2:23:57 von Melat Kejeta in Berlin 2019). Zudem ist Blanka Dörfel nun mit großem Abstand die schnellste Deutsche in der Geschichte des Mainova Frankfurt-Marathons. Diese Position hatte bisher Fate Tola mit 2:25:42 aus dem Jahr 2016 inne. In Europa gab es nur zwei Läuferinnen, die schnellere Marathon-Debüts liefen als Blanka Dörfel: 2023 erreichte Sifan Hassan in London 2:18:33. Ein Jahr später wurde die Holländerin in Paris Olympiasiegerin. Und 2002 startete die legendäre Britin Paula Radcliffe ihre Marathon-Karriere in London mit 2:18:56. Später hielt sie 17 Jahre lang den Weltrekord.

Es war das Ziel von Blanka Dörfel, die deutsche und dann auch die europäische Marathon-Spitze zu erreichen. Den Schritt in die deutsche Spitze hat sie in Frankfurt übersprungen, sie ist auf Anhieb in die kontinentale Spitze vorgedrungen.

Für Blanka Dörfel ist dies aber erst ein erster Schritt, der auch nicht überbewertet werden soll. Und kaum jemand sieht das auch im großen Erfolg so realistisch wie Dieter Hogen. „Wenn man die Weltklasse erreichen möchte, muss man klar unter 2:20:00 Stunden laufen, sonst ist man sehr weit weg. Den meisten fehlt dafür die Schnelligkeit über die kürzeren Distanzen. Zeiten von unter 14:30 über 5.000 Meter und unter 30:00 sind notwendig“, erklärt der Coach, der in den 90er Jahren Uta Pippig sowie anschließend eine Reihe von kenianischen Läufern zu spektakulären Marathonsiegen in Boston, New York, London, Chicago und Berlin geführt hatte.

Mit Uta Pippig hat sie engen Kontakt. „Sie ist eine Ikone des Marathons und hat ein richtig tolles Mindset. Aber ich möchte nicht in irgendwelche Fußstapfen treten, sondern meine eigenen formen“, sagt Blanka Dörfel.

„In Europa schaffen es nur so wenige Läuferinnen, unter 2:20:00 zu laufen - ich hatte diese Marke heute schon vor Augen.“ Die lange Zeit nasskalten Bedingungen haben Blanka Dörfel wahrscheinlich eine Zeit unter 2:20:00 gekostet. „Ich hatte im letzten Teil des Rennens in Armen und Händen kein Gefühl mehr, so dass ich keine Verpflegung mehr greifen konnte. Meine Beine waren auch kalt. Aber ich denke nach vorne - nächstes Mal ist es vielleicht wärmer, dann kann ich noch ein bisschen schneller laufen.“

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