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Harry Kane war einmal mehr der überragende Mann auf dem Platz beim leistungsgerechten Remis zwischen dem FC Bayern München und Arsenal. Obendrein schrieb er Champions-League-Geschichte.
Es waren 21 Minuten gespielt, als sich Kane nach einer gegnerischen Ecke plötzlich den Ball schnappte und wenige Meter neben Torhüter Manuel Neuer einen Abstoß ausführte. Durchaus ungewöhnlich für einen Stürmer, wobei der Engländer auch weitaus mehr als klassischer Strafraumstürmer ist und nicht von ungefähr mit einem Quarterback aus dem American Football verglichen wird. Da verwunderte es auch nicht, dass er den Ball perfekt in den Lauf des der Arsenal-Defensive enteilten Alphonso Davies spielte und Serge Gnabry letztlich zur ersten Großchance des Spiels kam, die Schlussmann David Raya glänzend entschärfte.
Kane ließ sich die gesamte Partie über - auch zur Verwunderung von Bundestrainer Jürgen Klopp - weit in die eigene Hälfte fallen, um das Spiel zu leiten und lenken. Noch mehr, als man es inzwischen ohnehin schon von ihm gewohnt ist. Gleichwohl bereitete er das 1:0 von Davies vor und holte den Elfmeter zum 2:1 heraus, den der 33-Jährige freilich selbst verwandelte. Ein Auftritt, der nicht nur im Gedächtnis bleibt, sondern auch noch historischer Natur war. Laut Datendienstleister Opta Kane zum ersten Spieler in der Geschichte der Königsklasse seit der Datenerfassung zur Saison 2003/04, der ein Tor schoss, einen Assist gab und einen Abstoß ausführte.
Angesprochen auf seinen herausragenden Pass, stellte Kane nach Abpfiff zunächst eine auf den ersten Blick vielleicht etwas arrogant wirkende, aber vor allem berechtigte Gegenfrage: "Der Abstoß oder der Assist?" Schließlich war auch der Assist auf Davies vor dessen Führungstreffer wie aus dem Lehrbuch. "In einen Raum, der nicht existiert", wie es Arsenal-Trainer Mikel Arteta anerkannte.
"Ich habe das Gefühl, Bilder auf dem Platz zu sehen", erklärte Kane auf Nachfrage. "Ich habe vor dem Spiel zu Phonzy gesagt: 'Wenn ich den Ball habe, mach die Läufe, und ich versuche, dich zu finden.'" Auf Social Media, in der Presse und auch bei der Expertenlandschaft sorgte Kanes Auftritts während und nach der Partie für weltweites Staunen.
"Ich habe noch nie einen Mittelstürmer den Abstoß ausführen sehen", schwärmte Gunners-Legende Thierry Henry und ergänzte: Er spielt das Spiel nicht, er denkt es!" Steven Gerrard lobte: "Er ist womöglich der beste Spieler, den England je hatte. Ein größeres Kompliment kann ich ihm nicht geben." Selbst Declan Rice, Torschütze zum 2:2-Endstand, betonte: "Es ist seine Zeit. Er wird mit dem Alter immer besser und auch heute war er unglaublich und geradezu lächerlich gut."
Und auch die internationale Presse zeigte sich vollauf begeistert. Kane sei "so unbändig und inspirierend wie eh und je", schrieb die Daily Mail, während die Sun pries: "Kane – wer sonst – spielte den perfekten Pass." Die BBC analysierte: "Selbst für Harry Kanes bemerkenswerte Verhältnisse war dies äußerst beeindruckend. Ein Moment bemerkenswerter Genialität."
In Spanien fand der Auftritt des Stürmers ebenfalls große Anerkennung. "Kane stellte seine Spielmacherqualitäten mit einem sensationellen Steilpass unter Beweis", hieß es bei Mundo Deportivo. In der Sport war von einer "herausragende Arbeit" und "einer beeindruckenden Leistung" zu lesen. Ein nicht selbstverständliches Sonderlob für Kane, obwohl der Torjäger bei der Verleihung des Ballon d'Or am Montag als größter Konkurrent von den LaLiga-Aushängeschildern Lamine Yamal (FC Barcelona) und Kylian Mbappe (Real Madrid) gilt.
Während die beiden Superstars in den vergangenen Wochen und Monaten mit teils fragwürdiger Selbstbeweihräucherung mächtig Eigenbewerbung betrieben, zeigte sich Kane einmal mehr erfrischend zurückhaltend. "Ich spreche nicht gerne über mich selbst. Erst einmal gilt der Fokus dem Spiel vom Wochenende (SC Freiburg; Anm. d. Red.) und dann hoffe ich, dass ich den Montag genießen kann."