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Bilder der Freude, Bilder des Schmerzes, Bilder der leisen Trauer: Die an Erfolge gewöhnten Fußballprofis des FC Bayern München rücken so eng zusammen wie vielleicht seit Langem nicht. Das Bild einer Großfamilie prägt die Auftritte des deutschen Rekordmeisters in diesen Wochen, die nicht allein der Hochglanzfußball einer in sich gefestigten Mannschaft prägt. Während des eher gewöhnlich als außergewöhnlich anmutenden 2:1-Sieges des Bundesliga-Tabellenführers beim 1. FSV Mainz 05 gab es Momente, die über die vergängliche Freude ob eines weiteren Sieges hinausreichten.
Joshua Kimmich zum Beispiel, der mit einem krachenden Schuss zum 1:0 ins rechte Tordreieck sein erstes Tor in dieser Meisterschaftssaison schoss (14. Minute), hob danach den Zeigefinger der rechten Hand gen Himmel. Im Gedenken an seinen verstorbenen Vater Berthold, der als nebenberuflicher Fußballtrainer stets ein fürsorglicher Mentor und Begleiter seines Sohnes auf dessen Karriereweg im Profifußball war.
„Durch die Geschichte mit meinem Papa war es sehr emotional für mich, ich musste dann tatsächlich sofort an ihn denken“, sagte der Münchner Cheforganisator über seine halb traurigen, halb glücklichen Gefühle in diesem Spiel. Der 31 Jahre alte Kimmich, ein Anführer der Bayern, gab einen Blick in sein Innenleben frei, als er sagte: „Momentan ist das eher die schwierigste Phase, wenn man auf dem Platz steht. Wenn ich Fußball spiele, dann muss ich am häufigsten an ihn denken – weil der Fußball uns extrem verbunden hat. Deswegen war es heute sehr emotional.“
Eine zweite Szene in diesem Spiel war ähnlich berührend: Als der früher unantastbare Überflieger Manuel Neuer sein Revier zwischen den Pfosten räumen musste, weil die Sehne im rechten Fuß, die ihm seit Längerem zu schaffen machte, zu sehr schmerzte. Der 40 Jahre alte Keeper, fünfmal zum Welttorhüter des Jahres gewählt und seit Samstag mit 40 Jahren und 225 Tagen der älteste Spieler in der Geschichte der Bayern-Profimannschaften, wurde in der 45. Minute von seinem designierten Nachfolger Jonas Urbig ersetzt.
Wie die Bayern am Sonntag mitteilten, hat Neuer einen Sehnenteilriss erlitten. Er wird der Mannschaft vorerst fehlen. Vor dem vermeintlichen 1:1 der Mainzer durch einen Kopfball von Jae-sung Lee (40.) war er am Ball vorbeigeflogen, auch weil Jonathan Tah dem Schuss mit dem Kopf noch eine Richtungsänderung gab. Das Tor für Mainz nahm der Hannoveraner Schiedsrichter Robert Schröder fünf Minuten später nach einer Intervention des Videoassistenten ob der Abseitsstellung von Lee wieder zurück.
Die Bayern, die seit zweieinhalb Wochen ohne ihren eine Hirnhautreizung auskurierenden Cheftrainer Vincent Kompany auskommen müssen, geben sich bei der Arbeit fast noch professioneller als zuvor. Auch weil Aaron Danks, der englische Ko-Trainer und enge Vertraute des belgischen Rekonvaleszenten, unaufgeregt einen exzellenten Job macht. Mit der Unterstützung einer Mannschaft, die sich ob der Rückschläge und Verletzungen in letzter Zeit nicht aus der Bahn werfen ließ.
Im Gegenteil: Wie schon bei seinem Treffer am vorigen Dienstag im Champions-League-Duell bei Atlético Madrid legte der 18 Jahre alte Lennart Karl zum nächsten 2:0-Erfolg nach (57.). Wie zuvor auch der Gelegenheitstorschütze Kimmich wurde er bestens bedient von Harry Kane, der derzeit eher Torlieferant als Torjäger ist.
Auch wenn die Mainzer durch Phillip Tietz’ Kopfballtor (90.+3) noch einmal kurz auf mehr hoffen durften, gab es keine Zweifel am nächsten Sieg der Bayern. Letztlich erwies sich der auch ohne Cheftrainer weiterhin stabile, von den Verletzungen der Stammkräfte Luis Díaz, Serge Gnabry, Jamal Musiala, Ismael Saibari und nun auch Manuel Neuer nicht erkennbar geschwächte Kader als resistent genug, den schwierigen Umständen zu trotzen.
Warum das beim Tabellenführer so ist, erklärte Kimmich in der Mixed Zone: „Die Spieler, das Trainerteam und alle drum herum haben ein super Verhältnis miteinander und unterstützen sich in jeder Situation. Mit dem Ausfall unseres Trainers zeigt sich das einmal mehr. Es ist sehr besonders, was bei uns zusammengewachsen ist. Das habe ich in meinen elf Jahren als Profi noch nicht erlebt.“
Die Großfamilie Bayern München ist intakt wie lange nicht, was die jüngsten Erfolge, egal ob Gala oder Arbeitssieg, noch schöner und berührender macht.