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„Eine echt große Ehre“: Zwei Spieler des SV Westfalia Rhynern treffen mit Deutschland auf Österreich
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Rhynerns Jonah Wagner bezeichnet seine Nominierung als eine besondere Ehre. © Patrick Droste

Zwei Rhyneraner spielen am Dienstag gegen Österreich. Der Sportliche Leiter fürchtet nun, die beiden Leistungsträger nicht lange halten zu können.

Hamm – Dass Jonah Wagner und Keanu Diskau Anfang kommender Woche nicht an den Trainingseinheiten des SV Westfalia Rhynern teilnehmen werden, kann Marco Stiepermann recht problemlos verkraften. Aufgrund der Länderspielpause finden am darauffolgenden Wochenende keine Meisterschaftspartien in der Fußball-Regionalliga statt. Aber auch wenn seine Mannschaft ein Pflichtspiel hätte bestreiten müssen, der Rhyneraner Coach hätte seine beiden Schützlinge auch dann nur allzu gerne vom Training freigestellt. Denn die zwei Akteure der Westfalia sind für die wiederbelebte deutsche Amateur-Nationalmannschaft, die am Dienstag nach mehr als 40 Jahren Pause wieder ein Länderspiel bestreitet, nominiert worden. „Ich finde das mega. Das ist eine riesige Wertschätzung für die Jungs und für den Verein. Da sieht man, wie wir vorankommen“, stellt ein stolzer Stiepermann klar: „Beide haben es absolut verdient. Das sind zwei extrem lernwillige Jungs, die so viel Potenzial haben.“

Zwar wird es am Dienstag (18 Uhr) im Stadion des SV Wals-Grünau vor den Toren Salzburgs gegen Österreich kein Länderspiel unter der Ägide des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) werden, weil der nationale Verband seit vielen Jahren wie alle anderen Länder Europas auch keine Amateur-Nationalmannschaft mehr führt. Ab 1980 hatten die Fifa, die Uefa und die nationalen Verbände dieses Format beendet, da der Fußball kommerzieller und profiorientierter geworden war. Doch seit Ende 2023 gibt es das Pilotprojekt „Amateur-Nationalteams-Comeback“, in dessen Zuge nun auch eine deutsche Amateur-Auswahl wiederbelebt wird.

Rhyneraner gerieten in das Visier der Verantwortlichen

Während in Österreich Spieler ab der dritten Liga zugelassen sind, dürfen aus Deutschland Spieler aus der Regionalliga teilnehmen – jeweils vier Akteure aus den fünf Staffeln. Seit Saisonbeginn wurden dafür die Partien der Regionalligen in Deutschland intensiv beobachtet und die besten Spieler mittels datenbasierter Analysen durch das sogenannte Hybridscouting – künstliche Intelligenz, Leistungsdatenanalyse und Uefa-lizenzierte Trainer-Expertise – ermittelt. Und dabei gerieten auch die beiden Rhyneraner in das Visier der Verantwortlichen und beriefen sie in den 20-Mann-starken Kader für dieses Länderspiel.

Der 22 Jahre alte Wagner war 2024 von der Hammer SpVg nach Rhynern gewechselt und gehörte bereits in der vergangenen Spielzeit, als die Westfalia den Aufstieg aus der Ober- in die Regionalliga geschafft hatte, zu den Leistungsträgern. Auch in dieser Saison ist er eine wichtige Stammkraft im Team von Trainer Marco Stiepermann in der vierthöchsten deutschen Liga, stand in allen 15 Meisterschaftspartien von Anfang an auf dem Platz und hat bislang vier Treffer erzielt. „Ich wusste gar nicht, dass es früher mal so eine Amateur-Nationalmannschaft gegeben hatte. Und als ich von unserem Sportlichen Leiter David Schmidt mitgeteilt bekam, dass die nun wieder spielen wird und ich dabei bin, war ich total baff“, sagt Wagner und macht keinen Hehl daraus, wie sehr er sich über diese Einladung für dieses Spiel freut: „Das ist eine echt große Ehre“, betont er, will sich aber im Vorfeld nicht besonders unter Druck setzen: „Ich gehe da ganz entspannt dran, habe aber natürlich richtig Bock auf diese Geschichte.“

Wagner und Diskau spielen für die Amateur-Nationalmannschaft

Diskau, ein Jahr jünger als Wagner, war im Sommer vom ASC 09 Dortmund nach Rhynern gekommen, hatte sich auf Anhieb einen Stammplatz in der Defensive des Aufsteigers erarbeitet und ist mit seiner Zweikampfstärke aktuell aus der Regionalliga-Mannschaft genauso wenig wie Wagner wegzudenken. „Ich habe derzeit ein gutes Momentum. Diese Berufung ist eine schöne Anerkennung und für mich der nächste Schritt“, sagt der Linksfuß, der ebenfalls überrascht war, als er durch Schmidt von seiner Nominierung erfuhr: „Damit hatte ich nicht gerechnet. Aber umso größer war natürlich meine Freude.“ Für Diskau ist die Berufung eine weitere Bestätigung dafür, dass er mit seinem Wechsel aus Aplerbeck in den Hammer Süden genau die richtige Entscheidung getroffen hatte. Er blickt den Tagen in Bad Reichenhall, wo die deutsche Mannschaft in einem Hotel untergebracht ist, und der Partie in Österreich zuversichtlich entgegen: „Das ist schon etwas sehr Besonderes für mich. Ich will das alles genießen und aufsaugen.“

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Keanu Diskau will rund um das Amateur-Länderspiel alles aufsaugen und genießen. © Patrick Droste

Einen kleinen Haken hat die Berufung von Wagner und Diskau trotz aller Freude aber für David Schmidt. Das wiederbelebte Format soll als Ergänzung und Pendant zum Profifußball verstanden werden und eine Bühne für die besten Amateurfußballer sein, um so den Sprung in den Profifußball zu schaffen. Daher befürchtet der Sportliche Leiter, dass es nun noch schwieriger wird, die beiden Leistungsträger über die anstehende Saison in Rhynern zu halten: „Es wird sich herumsprechen, dass Jonah und Keanu ausgesucht worden sind. Das bedeutet, sie werden für andere Vereine noch begehrter.“

Doch so weit wollen die Rhyneraner aktuell gar nicht denken, sondern sie freuen sich alle auf Dienstag, wenn zwei Spieler aus ihren Reihen bei einem Länderspiel dabei sein werden. „Das ist eine tolle Anerkennung für unseren Verein. Wir sind sehr stolz, dass gleich zwei Jungs von uns nominiert worden sind“, erklärt Schmidt. „Zuerst die erste Teilnahme am DFB-Pokal von Rhynern, jetzt zwei Nationalspieler – das alles hätte doch vor ein paar Jahren niemand gedacht.“

Mit gutem Gefühl gegen Paderborns U23

Mit der U23 des SC Paderborn 07 gastiert am Samstag (14 Uhr) eine Mannschaft in der Kümpel- und Hellmeister-Arena, die dem SV Westfalia Rhynern nach dem bisherigen Saisonverlauf liegen sollte. „Da ist viel Talent auf dem Platz. Und gegen solche Teams läuft es bislang gut“, sagt Rhynerns Trainer Marco Stiepermann angesichts der zehn Punkte, die seine Mannschaft in dieser Saison aus den Partien gegen die Nachwuchsmannschaften der Profiteams eingefahren hat. „Wir müssen da wieder aktiv Fußball spielen und aktiv pressen.“ Verzichten muss er allerdings auf den Gelb-Rot gesperrten Bilal Alassane.