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(Motorsport-Total.com) - Die heftigen Bodenwellen auf dem Circuit of The Americas sorgen beim Formel-1-Wochenende in Austin nicht nur für sportliche Probleme. Alexander Albon warnt auch vor möglichen langfristigen Folgen für die Fahrer. Die Schläge, denen sie im Cockpit ausgesetzt sind, seien teilweise extrem.
Alexander Albon fordert Änderungen an der Austin-Strecke Zoom
Gemeinsam mit anderen Piloten fordert der Williams-Fahrer deshalb, besonders problematische Stellen künftig besser zu messen und rechtzeitig zu entschärfen. "Im Lenkrad spürt man Schläge, die einfach unglaublich sind. Wirklich, wirklich unglaublich", schildert Albon.
Besonders die heftigen Erschütterungen im Cockpit seien unangenehm. "Man wird regelrecht durchgeschüttelt, schlägt gegen die Kopfstütze und so weiter. Das macht nicht besonders viel Spaß."
Wie stark die Belastung ausfällt, unterscheidet sich offenbar von Fahrer zu Fahrer. Während andere vor allem über Rückenprobleme klagen, werde er selbst im Cockpit vor allem heftig herumgeschüttelt, erklärt Albon. Die extremen Schläge seien aber nicht einfach als Teil des Rennfahrens hinzunehmen.
Auf die Frage nach möglichen Langzeitfolgen stimmt Albon einer Einschätzung von Max Verstappen zu, der ebenfalls über die Belastung der Wirbelsäule gesprochen hatte. "Ja, ich denke schon, dass das Auswirkungen haben wird. Max und ich werden langsam älter, also werden unsere Knochen anfälliger", so der Williams-Pilot.
Dabei bleibt es nicht bei der Warnung. Albon schlägt auch vor, wie sich besonders heftige Bodenwellen künftig frühzeitig erkennen lassen könnten. Die FIA könnte dafür ein Formelauto bereits Monate vor einem Rennwochenende auf die Strecke schicken, ausgestattet mit einem G-Sensor, der die Belastungen erfasst.
"Es wäre großartig, wenn es eine Art Formelauto gäbe, das drei Monate vor dem Rennen fährt und einen G-Sensor an Bord hat, der anzeigen kann, ob bestimmte Bodenwellen für uns zu extrem sind", erklärt Albon. Die Idee sei ihm gerade erst gekommen, schiebt er scherzhaft nach. Sie solle also nicht als ausgearbeitetes Konzept verstanden werden.
Sein Ziel ist dennoch klar: Die Verantwortlichen sollten möglichst schon vor dem Rennwochenende wissen, wo die größten Probleme liegen. Dann müssten die Fahrer nicht immer wieder vor Ort darüber diskutieren.
Im Zentrum der Beschwerden stehen zwei Stellen auf dem Circuit of The Americas: die Bodenwelle vor Kurve eins und jene vor Kurve 19. Carlos Sainz bezeichnet diese beiden Schläge als nicht akzeptabel. Ihm gehe es nicht darum, eine völlig ebene Rennstrecke zu verlangen. Vielmehr müssten besonders heftige Unebenheiten messbar sein und einen festgelegten Grenzwert nicht überschreiten.
"Ich habe nichts dagegen, auf einer holprigen Strecke zu fahren", meint Sainz. Die Unebenheiten könnten einer Strecke sogar Charakter verleihen. "Aber diese beiden Bodenwellen müssen definitiv angegangen werden."
Auch Oscar Piastri beschreibt die Stelle vor Kurve eins als eine Art Motocross-Sprung. Die Unebenheit vor Kurve 19 sei kaum besser. Im Qualifying lasse sich das Problem noch eher bewältigen, weil die Fahrer erst danach bremsen. Im Rennen sei die Situation schwieriger: Dann müssen sie unmittelbar auf der Bodenwelle verzögern - insbesondere beim Überholen in Kurve eins.
Sainz zufolge wurde das Thema im Gespräch zwischen Fahrern und FIA angesprochen. Die Verantwortlichen hätten die Hinweise aufgenommen und wollten versuchen, die Situation künftig zu verbessern.
Wie unterschiedlich die Fahrer mit den Belastungen umgehen, zeigt auch Lando Norris. Der McLaren-Pilot erklärt, dass vor allem die Bodenwelle auf der Geraden problematisch sei. "Wir fahren in der Formel 1. Eigentlich sollten wir etwas dagegen tun können. Aber das tun sie nicht, also muss man damit leben", sagt Norris.
Besonders deutlich wird er bei der Beschreibung seiner eigenen Beschwerden: "Ich habe vor jeder Session Kopfschmerztabletten genommen. Damit muss ich umgehen. Vielleicht haben andere nicht dieselben Probleme, aber ich muss das tun. Sonst kann ich nicht richtig fahren."
Valtteri Bottas deutet ebenfalls an, dass Rückenprobleme für ihn nichts Neues seien. Auf die Frage, ob sich bei ihm nach Jahren in der Formel 1 ähnliche Belastungen angesammelt hätten, antwortet der Finne, sein Rücken sei bereits vor zehn Jahren schwer geschädigt worden.
Für Albon war das schwierige Streckenprofil nicht das einzige Problem an einem ohnehin komplizierten Wochenende. Der Williams-Pilot hatte Mühe, eine saubere Runde zusammenzubekommen. Das Auto sei schwer einzuschätzen gewesen, weil sowohl Bodenwellen als auch Wind und die Kombination aus schnellen und langsamen Kurven die Bedingungen erschwerten.
"Es ist schwierig, eine Runde aus dem Auto herauszuholen. Man kann leicht unterfahren, aber genauso leicht überfahren", beschreibt Albon seine Schwierigkeiten. Er habe den Grenzbereich des Autos nicht zuverlässig gespürt und sei deshalb mal über, mal unter dem Limit gewesen.
Hinzu kamen technische Probleme am Freitag, die Williams zu Änderungen am Auto zwangen. Das Team nutzte die Gelegenheit zugleich, um Dinge mit Blick auf die kommende Saison auszuprobieren. Albon räumt ein, dass Williams in Austin möglicherweise so schwach unterwegs gewesen sei wie selten in dieser Saison.
Der Fokus richte sich deshalb bereits zunehmend auf das nächste Jahr. "Am Ende dieser Saison kommt nichts Neues mehr ans Auto. Wir verlieren an Boden. Es hat keinen Sinn, jedes kleine bisschen aus diesem diesjährigen Auto herauszuholen, nur um dort zu landen, wo wir ohnehin landen", erklärt Albon.