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Tod von Jesús de Miguel: Spanien trauert, Torwart Owono kämpft
Trauer in Spanien :
„Ein Opfer ist genug, wir brauchen kein zweites“

Der Tod von Jesús de Miguel legt Spaniens Fußball in Trauer. Torwart Jesús Owono ringt mit seinem Schmerz, sein Klub schützt ihn.

Eigentlich sollte am Wochenende in Spanien überhaupt kein Fußball gespielt werden. Das hatte die spanische Spielergewerkschaft AFE gefordert, nachdem Jesús de Miguel von CD Tenerife vor einer Woche nach einem Zusammenstoß während des Spiels mit dem gegnerischen Torwart Jesús Owono vom FC Andorra ums Leben gekommen ist. „Es ist noch genug Zeit für den Wettbewerb“, sagte David Aganzo, der Vorsitzende der Spielergewerkschaft, bei der Bestattung am Donnerstag: „Ich glaube, Spanien sollte hier ein Vorbild sein.“

Aber statt den kompletten Spieltag zu verlegen, wurden lediglich die Spiele Teneriffas, Andorras und auch Castellóns, wo de Miguel bis zum Sommer 2025 unter Vertrag war, abgesagt. Auch das Frauenteam Teneriffas spielte nicht.

„Euer Schmerz ist auch unser Schmerz“

Aber auch so stand der spanische Sport ganz unter dem Eindruck des Todes des 30-jährigen Stürmers. Im Heliodoro López, dem Stadion des CD Tenerife, trafen sich Fans, Vereinsmitglieder, Klubverantwortliche und Profis am Samstag zu einer Trauerfeier.

„Demi, heute müssen wir uns mit gebrochenem Herzen von Dir verabschieden“, verlas Kapitän Enric Gallego unter Tränen seine letzten Worte für den Mannschaftskameraden, den er als „bescheiden, zurückhaltend, natürlich und nahbar“ beschrieb. „Wir können uns Euren Schmerz kaum vorstellen“, sagte er an de Miguels Partnerin und Tochter gerichtet, aber: „Euer Schmerz ist auch unser Schmerz.“

Todesursache: Unfallbedingtes Brustkorbtrauma

In der Spielszene, die zum Tod von de Miguel führte, sprang Andorras Torwart Owono in die Flugbahn des aus der Hälfte Teneriffas nach vorne geschlagenen Balls, auf den auch Jesús de Miguel zusprintete. Dabei stießen beide aus vollem Lauf zusammen.

Der Stürmer blieb daraufhin zunächst zusammengekrümmt liegen, hielt sich erst die Brust und brach dann wenige Sekunden später völlig zusammen. Sanitäter reanimierten ihn, doch er starb später im Krankenhaus. Die Zeitungen zitierten die Todesursache aus dem Autopsiebericht: „traumatismo torácico de carácter accidental“, also ein unfallbedingtes Brustkorbtrauma.

Ein Strafverfahren ist unwahrscheinlich

Obwohl die erste Autopsie von einem Unfall ausgeht, hat die Staatsanwaltschaft Vorermittlungen aufgenommen. Ein Ermittlungsgericht prüft außerdem die medizinische Erstversorgung auf dem Spielfeld. Allerdings sind solche Vorermittlungen in Spanien üblich, wenn ein Tod auf keine natürliche Ursache zurückzuführen ist, sie bedeuten nicht, dass die Staatsanwaltschaft tatsächlich Anhaltspunkte für ein schuldhaftes Verhalten einer anderen Person oder eine Straftat sieht.

Dies hat der zuständige Staatsanwalt José Luis Sánchez-Jáuregui auch bereits ausdrücklich betont. Es habe sich um eine Spielszene gehandelt, ließ er verlautbaren, es sei daher unwahrscheinlich, dass es tatsächlich zu einem Strafverfahren komme.

Dennoch beklagen Strafrechtler in Spanien, dass selbst Vorermittlungen in der Öffentlichkeit den Eindruck erwecken, es liege ein schuldhaftes Verhalten vor. Sie sprechen von der „Strafe der TV-Nachrichten“. Zwar haben die spanischen Medien zunächst von einem üblen Foul gesprochen, wofür Owono ja auch direkt die Rote Karte bekam, versuchen inzwischen aber, alles zu vermeiden, was nach einer Vorverurteilung aussehen könnte.

Erinnerung an die Nummer neun: Spieler des FC Valencia am Samstag vor dem Spiel gegen Real Madrid
Erinnerung an die Nummer neun: Spieler des FC Valencia am Samstag vor dem Spiel gegen Real MadridAP

„Ein Opfer ist genug, wir brauchen kein zweites“, warnte ein Sportkommentator des Senders Cadenaser vor einer Hexenjagd auf Owono. In sozialen Netzwerken wurde der 25-Jährige dennoch beleidigt und mit Drohungen überzogen. Sein Instagram-Account wurde deaktiviert. Rassistische Beschimpfungen trafen zudem einen anderen Fußballer, Michel Owono vom CF Can Vidalet, der wegen seines Nachnamens mit dem Torwart verwechselt wurde.

Der FC Andorra schirmt seinen Torhüter ab, auch sein Mobiltelefon ist abgestellt, und der Klub hat ihm einen Psychologen zur Seite gestellt. Über den Verein ließ Owono mitteilen, es seien die schwierigsten Tage seines Lebens. Sein Schmerz sei enorm, er könne an nichts anderes als an Jesús de Miguel denken.

Wie es mit seiner Karriere als Fußballprofi weitergeht, ist völlig offen, auch, wie die gegnerischen Fans mit ihm umgehen würden, sollte er in Spanien wieder Fußball spielen. Rücktrittsmeldungen in den sozialen Medien haben sich jedoch nach journalistischen Recherchen als falsch herausgestellt.

Auch wenn der Spielbetrieb in den Ligen am Wochenende gegen den Wunsch der Spielergewerkschaft bis auf die betroffenen Vereine weiterlief, war der Tod von Jesús de Miguel in allen Stadien präsent. Zu Beginn der Spiele gab es eine Schweigeminute, alle Spieler liefen dafür mit Trikots auf, auf denen stand „immer in unserem Gedenken“. Eine weitere Spielunterbrechung und gemeinsamen Applaus der Spieler und Fans gab es auf den Plätzen in der neunten Minute, wobei die Neun für die Rückennummer de Miguels steht.

Das Fernsehen blendete dazu die Crowdfunding-Initiative eines Fans ein, der damit den Hinterbliebenen helfen möchte. Er hat nach Informationen der entsprechenden Applikation bis zum Sonntag bereits 155.000 Euro eingesammelt.

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NWZonline vor 7 Stunden