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Es ist ein klirrend kalter und bewölkter Herbsttag in Nördlingen, dennoch haben sich am Dienstag um die 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Erinnerungsspaziergang anlässlich des 81. Geburtstags von Gerd Müller beteiligt. Nördlingerinnen und Nördlinger, die den Aufstieg des 2021 verstorbenen FC-Bayern-Stars live mitverfolgt haben, FC-Bayern-Fans von weiter her und sogar persönliche Jugendfreunde des deutschen Fußballstars und Rekordtorschützen der Bundesliga, der von Nördlingen aus die deutschen Fußballherzen erobert hat.
Die Führung beginnt mit einer Begrüßung von Oberbürgermeister David Wittner bei der Gerd-Müller-Statue in Nördlingen. „Die Statue haben sie gut hingekriegt“, bloß die Haare würden nicht dem Original entsprechen, sagt Helmut Wurm. Er weiß, wovon er spricht, kennt er doch „den Hadde“, wie Gerd Müller in Nördlingen einst gerufen wurde, bereits aus der gemeinsamen Schulzeit. Einst hat Helmut Wurm mit Gerd Müller auf der Straße gekickt – und bei Schlechtwetter in einer Nördlinger Bäckerei. Diese gehörte den Eltern gemeinsamer Schulkollegen, der Geselle musste die Backstube für die fußballspielenden Buben ausräumen: „Brotkörbe waren die Tore“, erinnert sich Helmut Wurm: „Und da hat man damals schon gesehen: Wenn der ‚Hadde‘ einen Ball gehabt hat und diesen mit dem Körper abgedeckt hat, hattest du keine Chance gehabt ranzukommen. Und dann hat er ihn sauber ins Tor gehaut.“
Nach der Statue führt der Erinnerungsspaziergang weiter zu Müllers Geburtshaus (Am Stänglesbrunnen 6) und seinem unweit davon entfernten Elternhaus (Bergerstraße 4). Dort sind anno 1964 auch der damalige Geschäftsführer des FC Bayern München, Walter Fembeck, sowie der Chef des Konkurrenzvereins TSV 1860 München aufgeschlagen, um Müller zu verpflichten. Sein Jugendfreund Helmut Wurm war bei den Verhandlungen dabei. Gerd Müller sei als Jugendlicher zwar eher TSV-1860-Fan gewesen, hätte dort aber anders als beim FC Bayern München „keine Chance gehabt, dass er in der ersten Mannschaft spielt“. Der Rest ist deutsche Fußballgeschichte. Gerd Müller hat als begnadeter Torjäger dem FC Bayern zum Erfolg verholfen und als „Bomber der Nation“ auch in der deutschen Nationalmannschaft zahlreiche Tore erzielt.
Der Erinnerungsspaziergang endet bei Kaffee und Kuchen in der Seniorenbegegnungsstätte des Stadt Nördlingen in der Polizeigasse. Dort zeigt Helga Eger-Geiger, die zusammen mit ihrer Kollegin Claudia Keil den Gedenkspaziergang im Namen der Stadt Nördlingen und der Diakonie Donau-Ries geleitet hat, Gegenstände aus einem Erinnerungskoffer des FC Bayern zu Gerd Müller her, in dem sich zum Beispiel historische Meisterschaftsschals, eine alte Tasche sowie Plakate mit alten Spielankündigungen finden. Der Erinnerungskoffer kann beim FC Bayern ausgeliehen werden und richtet sich insbesondere auch an Demenzbetroffene und deren Angehörige, um „Erinnerungen zu wecken, Emotionen ansprechen und Freude schenken“, wie es vonseiten der Stadt Nördlingen heißt.
In der Seniorenbegegnungsstätte kommen im Übrigen auch zwei weitere alte Freunde mit den anderen Teilnehmenden ins Gespräch: Achim Feix und Martin Jeromin, die einst mit Gerd Müller beim TSV Nördlingen gekickt haben und nicht zuletzt durch Müllers Torjägerkünste in die Landesliga Süd aufgestiegen sind. Beide beschreiben Gerd Müller gegenüber unserer Redaktion als fußballverrückt und menschlich bescheiden: „Er war ein Kamerad ersten Ranges“, drückt es Jeromin aus. „Er war ein ehrlicher Bursche und hat nie abgehoben“, erinnert sich Feix.