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Tom Bischof hat sich beim FC Bayern in der bisherigen Saison als verlässlicher Vertreter von Joshua Kimmich und Aleksandar Pavlovic bewährt - oder sogar mehr?
Dass Tom Bischof über ein gewieftes Passspiel und eine tolle Schusstechnik verfügt, das ist schon lange bekannt. Nun stellte der 21-Jährige aber erstmals auf allergrößter Bühne auch seine Kämpfernatur unter Beweis. Und das ausgerechnet gegen Atletico Madrid, von Thomas Müller einst legendär als "die größten Rabauken im europäischen Fußball" bezeichnet.
Beim 2:0-Sieg des FC Bayern gegen Atletico am Dienstag rückte Bischof etwas überraschend für den leicht angeschlagenen Aleksandar Pavlovic in die Startelf des FC Bayern. Und zeigte dann an Joshua Kimmichs Seite eine insgesamt beeindruckend reife Leistung.
Bischof präsentierte sich gewohnt ballsicher, zudem leitete sein geblockter Distanzschuss Lennart Karls Führungstreffer ein. Besonders auffällig war aber seine Arbeit gegen den Ball. Laut des Statistik-Portals WhoScored verzeichnete Bischof sechs erfolgreiche Tacklings und stellte damit einen Rekord in der laufenden Champions-League-Saison auf. Mit einigen Ballgewinnen leitete er gute Angriffe ein. Ebenfalls sehr stark war seine Zweikampfquote von 78 Prozent.
Bischofs Auftritt in Madrid war der vorläufige Höhepunkt seiner bemerkenswerten Entwicklung beim FC Bayern. Mittlerweile hat er sich als verlässliche Alternative der nominell gesetzten Sechsern Kimmich und Pavlovic etabliert. Womöglich greift Bischof nun sogar in den Kampf um einen Stammplatz im zentralen Mittelfeld ein. Damit geht vor allem auch ein Poker der sportlichen Führung um Sportvorstand Max Eberl auf.
Bischof wechselte 2025 ablösefrei von der TSG Hoffenheim nach München. In seiner ersten Saison etablierte er sich als flexibler Kaderspieler. Statt auf seiner Paradeposition im zentralen Mittelfeld kam er hauptsächlich auf den defensiven Außenbahnen zum Einsatz. Von insgesamt 1655 Einsatzminuten sammelte er nur deren 271 in der Mitte, wo Leon Goretzka als erster Vertreter von Kimmich und Pavlovic fungierte.
Goretzka verließ den FC Bayern im Sommer ablösefrei. Statt - wie von einigen Stimmen gefordert - einen externen Nachfolger zu verpflichten, vertrauten die Bosse Bischof und übergaben ihm als kleines Statussymbol sogar dessen Rückennummer 8. "Wir haben große Hoffnung und großes Vertrauen in ihn. Ich bin überzeugt, dass er dafür reif ist und richtig hereinwachsen wird", sagte Sportdirektor Christoph Freund. "Tom ist bereit, beim FC Bayern den nächsten Schritt zu gehen."
Weil ihn Ex-Bundestrainer Julian Nagelsmann nicht für die Weltmeisterschaft nominiert hatte, war Bischof beim offiziellen Trainingsauftakt der einzige arrivierte und fitte Profi. Entsprechend erfreulich verlief seine Vorbereitung, aus der er als einer der großen Gewinner hervorging.
Anders als in der Vorsaison kam Bischof seit Sommer ausschließlich im zentralen Mittelfeld zum Einsatz, in sieben der bisherigen 15 Pflichtspiele stand er dort in der Startelf. Wegen Kimmichs und Pavlovics Unpässlichkeiten nahmen seine Spielzeiten zuletzt rapide zu, in vier der vergangenen fünf Partien durfte er beginnen.
Seine Tauglichkeit auf höchstem Niveau stellte Bischof bereits in der Champions League beim 2:2 gegen den Vorjahresfinalisten FC Arsenal vor zwei Wochen unter Beweis. Damals rückte Bischof für Kimmich in die Startelf, der wegen des Todes seines Vaters fehlte. An Pavlovics Seite spielte Bischof zwar insgesamt unauffälliger als nun gegen Atletico, das Duo schaffte es aber dennoch in die Schlagzeilen.
Steven Gerrard, immerhin einer der besten Mittelfeldspieler dieses Jahrtausends, schwärmte in seiner Funktion als TV-Experte: "Die beiden haben mich heute Abend wirklich beeindruckt. In einem Spiel von dieser Bedeutung haben sie herausragend gespielt."
Aufgrund des engen Spielplans werden Kimmich, Pavlovic und Bischof in dieser Saison allesamt noch zu vielen Einsatzminuten kommen. Spannend dürfte aber sein, wer in den nächsten Topspielen den Vorzug erhält. Pavlovic ist erstmal weiterhin etwas angeschlagen. Laut Interims-Cheftrainer Aaron Danks müsse man bei ihm "von Tag zu Tag schauen", womöglich beginnen am Samstag (15.30 Uhr) gegen den FSV Mainz 05 also abermals Kimmich und Bischof.
Anschließend setzt sich der Konkurrenzkampf des Trios in einem anderen Trikot fort. Alle drei stehen im Kader der deutschen Nationalmannschaft und konkurrieren auch dort um Spielzeit. Bei der vergangenen Länderspielphase enttäuschte zunächst Kapitän Kimmich, ehe Pavlovic und Bischof nach dem geplanten Kader-Wechsel auftrumpften. Anders als beim FC Bayern könnten sie in Jürgen Klopps 4-3-3-System theoretisch sogar zusammen spielen - doch dann wäre kein Platz für Florian Wirtz und Felix Nmecha.