Zurück
Das gesamte Freiburger Team hatte zuletzt ein enormes Pensum zu absolvieren. Eine Woche waren alle durch die halbe Republik unterwegs und einen hat das besonders geschmerzt: Yannick Harms. Nicht weil er sich verletzt hätte, sondern der 32-Jährige war nur drei Wochen zuvor Vater geworden.
Vom Liga-Cup in Hildesheim mit drei Spielen infolge ging es direkt weiter nach Berlin zu den ersten beiden Punktspielen. Seine junge Familie war mehr als 800 Kilometer entfernt. Darf dieses Ereignis einen professionellen Sportler aus dem Konzept bringen?
Im Freiburger Team gibt es jedenfalls volles Verständnis, dass der junge Papa jetzt mal öfter am Handy hing als andere. Die für die Saisonvorbereitung sehr wichtige Woche auf Reisen hat Harms trotzdem nicht verpassen wollen. „Mutter und Kind geht es gut. Und die Freude ist jetzt einfach noch größer, wenn man nach anstrengenden Tagen wieder nach Hause kommt“, sagt Harms.
Yannick Harms ist einer der wenigen aktiven Sportler in der 1. Volleyball-Bundesliga, die Papa sind. Im Freiburger Team ist immerhin noch Trainer Jakob Schönhagen ein junger Vater. „Bei allen gibt es echtes Verständnis für die Situation. Auch das ist ein Punkt, was es so schön macht, zu diesem Team in Freiburg zu gehören“, sagt Harms.
Der treibt parallel noch seine berufliche Entwicklung voran, arbeitet Teilzeit als Data-Scientist und schreibt an seiner Masterarbeit. Wie er das wuppt, damit ist er auch Vorbild für jüngere Teamkameraden. Was seine Sportkarriere angeht, denke er „nur noch von Saison zu Saison“.
Bevor das emotionale Freiburger Publikum dem jungen Papa bei einem Heimspiel gratulieren kann, dauert es aber noch. Denn am kommenden Sonnabend, dem 31. Oktober, ab 19.30 Uhr, steht das nächste Auswärtsspiel auf dem Programm. Wieder geht es weit in den Nordosten zu den cerebricks Volley Goats Mitteldeutschland nach Halle.
Das Team hat bereits vier Punkte aus zwei Spielen geholt. In Warnemünde war man noch mit 2:3 unterlegen. Im zweiten Spiel wurden zu Hause die Netzhoppers KW mit 3:1 bezwungen. Das ist im Übrigen dasselbe Resultat, mit dem Freiburg beim so erfolgreichen Liga-Cup KW geschlagen hat. Das dürfte in Halle also auch eine schwere Aufgabe für die Freiburger werden.
Das Team der Volley Goats ist mit dem vom Vorjahr kaum noch vergleichbar. Insbesondere der 2,06 Meter große Außenangreifer Jessy Delancy ist derzeit ein großes Gesprächsthema in der gesamten Liga. Der 26-Jährige sorgt bei den Goats bereits für zusätzliche Durchschlagskraft auf seiner Position. Er gehört zur Nationalmannschaft der Bahamas. Beinahe irritierend ist jedoch ein anderer Fakt. 2023 holte Delancy bei US-amerikanischen Studentenmeisterschaften den Titel im Hochsprung mit übersprungenen 2,10 Meter. Zum Vergleich: In Deutschland sprangen dieses Jahr nur zwei (!) Hochsprung-Spezialisten höher.
„Mein Sport bleibt aber der Volleyball“, sagt Delancy. Auch vor seinem Riesensatz 2023 hat er nur kurz mit dem Volleyball-Training ausgesetzt und ein paar Hochsprünge absolviert. Delancys unbescheidenes Ziel ist es nach eigenen Angaben, „einer der besten Volleyballspieler der Welt“ zu werden.
Das Freiburger Trainerteam wird sich einige Gedanken machen, ihn zu stoppen. Zumal Yannick Harms die Volley Goats noch eine „Wundertüte“ nennt. „Ich bin sehr gespannt, ob das Zusammenspiel schon passt. Und die neue Halle dort macht wirklich was her“, sagt der 32-Jährige und hätte bestimmt nichts dagegen, wenn die Freiburger die Euphorie in Halle wieder etwas dämpfen können. Und wenn es doch nicht mit einem Punktgewinn klappen sollte, wartet auf ihn zu Hause ja immer noch „die größte Freude“, seine junge Familie.