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Spielerinnen drohen FIFA mit Klage wegen ungleicher Bezahlung

Auch Deutschland ist für die WM in Brasilien qualifiziert.© IMAGO/Ulrich Hufnagel/Mirko Kappes

Vor der Frauen-Weltmeisterschaft 2027 in Brasilien spitzt sich der Konflikt um die Prämienverteilung zu. Spielerinnen aus 45 Nationen fordern von der FIFA proportional gleiche Zahlungen wie bei den Männern – und schließen rechtliche Schritte nicht aus.

Die FIFA sieht sich mit der Möglichkeit einer Klage durch Spielerinnen konfrontiert, sollte bei der kommenden WM in Brasilien keine proportional gleichwertige Prämienausschüttung wie bei den Männern gewährleistet werden. Hintergrund ist ein Schreiben, das die globale Spielerinnengewerkschaft FIFPRO gemeinsam mit Vertreterinnen aus 45 Ländern bereits im September an den Weltverband gerichtet hat. Das Schreiben liegt "The Athletic" exklusiv vor.

Zu den Unterzeichnerinnen zählen Akteurinnen aus den Reihen der amtierenden Weltmeisterinnen aus Spanien, der Europameisterinnen aus England, des US-Nationalteams sowie weiterer Mannschaften aus den Top 10 der Weltrangliste.

Drei zentrale Forderungen an die FIFA

Das Schreiben enthält laut "The Athletic" drei konkrete Forderungen: Erstens soll das Preisgeld bei Frauen- und Männer-Weltmeisterschaften proportional angeglichen werden, wobei die bereits bestehende Garantie von mindestens 30 Prozent für die teilnehmenden Spielerinnen beibehalten werden soll. Zweitens verlangen die Unterzeichnerinnen die gemeinsame Entwicklung globaler Mindeststandards für den Frauen-Nationalmannschaftsfußball. Drittens fordern sie ein verbindliches, weltweites Abkommen zwischen FIFA und FIFPRO, das diese Zusagen vertraglich absichert.

In dem Brief heißt es demnach: "Als Nationalspielerinnen wollen wir den Frauenfußball in einem besseren Zustand hinterlassen, als wir ihn vorgefunden haben."

Infantinos Ambition ohne verbindliche Zusage

FIFA-Präsident Gianni Infantino hatte im Jahr 2023 die "Ambition" formuliert, bis 2027 eine Gleichstellung bei den Zahlungen zu erreichen. Eine verbindliche Vereinbarung zwischen dem Weltverband und der Spielerinnengewerkschaft steht jedoch nach wie vor aus.

Die Diskrepanz zwischen Anspruch und Realität zeigt sich deutlich in den Zahlen: Bei der Frauen-WM 2023 in Australien und Neuseeland flossen insgesamt 110 Millionen Dollar an Preisgeld, ergänzt durch 40 Millionen Dollar für Vorbereitungsmaßnahmen und Klubleistungen. Für das Turnier 2027 wird zwar eine Verdoppelung dieser Summe erwartet – dennoch bliebe eine Lücke von rund 230 Millionen Dollar zur proportionalen Gleichstellung bestehen.

Zum Vergleich: Bei der Männer-WM in Nordamerika in diesem Sommer schüttete die FIFA insgesamt 871 Millionen Dollar aus, davon 655 Millionen als leistungsbezogenes Preisgeld an die 48 teilnehmenden Mannschaften.

Was Bundesliga-Spielerinnen verdienen

Spielerinnen berufen sich auf FIFA-Ethikkodex

Sollte die FIFA den Forderungen nicht nachkommen, stehen rechtliche Schritte im Raum. Vertreterinnen einer nationalen Spielerinnengewerkschaft erklärten gegenüber "The Athletic", man sei bereit, den Weltverband vor Gericht zu bringen, falls kein "klares Bekenntnis zur Geschlechtergleichstellung" erkennbar werde. Man befinde sich bereits in aktivem Austausch mit mehreren anderen Gewerkschaften über mögliche gemeinsame Schritte.

Die Initiatorinnen stützen sich dabei auf Artikel 23 des FIFA-Ethikkodex, der Geschlechterdiskriminierung untersagt. Sie argumentieren zudem, dass objektive Kriterien zur Begrenzung des Preisgeldes ausschließlich beim Frauenturnier angewandt würden – nicht jedoch beim Männerwettbewerb. Darüber hinaus verweisen sie auf die prognostizierten Barreserven der FIFA in Höhe von sechs Milliarden Dollar, die eine gleichwertige Ausschüttung ermöglichen würden.

Eine etwaige Klage würde nicht von FIFPRO selbst eingereicht, sondern von Spielerinnen in Zusammenarbeit mit ihren nationalen Gewerkschaften. Die Spielerinnengewerkschaft hatte im Juni ein "Memorandum of Understanding" mit der FIFA unterzeichnet, das den Rückzug aller laufenden Rechtsstreitigkeiten gegen den Weltverband vorsieht. Eigene juristische Prüfungen zum Prämienstreit habe FIFPRO jedoch im Rahmen einer Sorgfaltspflicht durchgeführt, so "The Athletic".

FIFA und FIFPRO betonen konstruktiven Dialog

Auf Anfrage gaben FIFA und FIFPRO eine gemeinsame Erklärung ab, in der beide Seiten die konstruktive Zusammenarbeit hervorhoben. Man arbeite seit mehreren Jahren gemeinsam daran, die finanzielle Vergütung und die Bedingungen für Spielerinnen zu verbessern, hieß es darin. Formelle Schreiben wie der Brief der Nationalspielerinnen seien "ein normaler Bestandteil des Dialogs zwischen Spielerinnengewerkschaften und Verbänden".

Beide Organisationen verwiesen auf die Fortschritte seit der WM 2023, darunter die garantierte Weitergabe von 30 Prozent des Preisgeldes an die Spielerinnen sowie Reise- und Unterbringungsstandards auf dem Niveau der Männer-WM. Man strebe nicht nur eine Angleichung der Prämien an, sondern auch eine nachhaltige Professionalisierung des Frauenfußballs insgesamt. "Beide Organisationen sind positiv gestimmt über den bisherigen Fortschritt in den Gesprächen", heißt es in der Stellungnahme. (red)

Verwendete Quellen

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