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Lange wartet Italien auf den nächsten Formel-1-Champion
Antonellis Krönung wäre auch für Wolff eine ganz besondere. (Archivbild)

Wolff weiß natürlich, wie lange die Tifosi schon auf einen Weltmeister aus ihren Reihen warten. 1953 holte Alberto Ascari seinen zweiten WM-Titel. Seitdem - kein italienischer Weltmeister. Und im kommenden Jahr werden es zwei Jahrzehnte sein, die Ferrari auf einen Fahrer-Triumph wartet. 

Nun macht er, der 54 Jahre alte österreichische Teamchef des deutschen Werksteams, wohl bald einen Italiener zum Campione del mondo. Wolff war es auch, der 2015 den Franzosen Gwen Lagrue zum Mercedes-Rennstall holte - als Talentscout. Beide aktuelle Piloten stammen aus dem Nachwuchsprogramm. Dass Lagrue ab 2027 die künftigen Titeljäger für Red Bull und damit einen der Mercedes-Hauptrivalen entdecken soll, spricht auch für sich - und Lagrue.

Teamkollege, Rekord- und Vierfach-Champ - alle geschlagen

Nach Antonellis erstem Grand-Prix-Sieg in diesem Jahr in China schrieb Lagrue in einem offenen Brief: „Speed ist das eine. Mentalität das andere“, in Shanghai habe Antonelli beides gezeigt. Nicht nur dort. Sieben weitere Siege in dieser Saison folgten.

Teamkollege Russell, Rekordweltmeister Hamilton, Vierfach-Champion Verstappen - Antonelli hat sie alle im Griff. Und das nach einem Premierenjahr mit deftigen Rückschlägen und aufkommenden öffentlichen Zweifeln. Die Last auf den Schultern des Italieners, der einst auf dem Weg in die Königsklasse die Formel 3 einfach übersprungen hatte, war enorm. 

„Das größte Problem von Kimi ist die Erwartungshaltung. In Italien wurde er schon als Legende gefeiert“, sagte Wolff - und das war Ende der vergangenen Saison. Nicht auszudenken, was passiert, wenn Antonelli den Titel sicher hat.

Der Renningenieur ist elementar für den Fahrer. (Archivbild)

Der Renningenieur ist elementar für den Fahrer. (Archivbild) Bild: Bradley Collyer/PA Wire/dpa

Der Renningenieur ist elementar für den Fahrer. (Archivbild) Bild: Bradley Collyer/PA Wire/dpa

Wolff stellt sich schützend vor Antonelli, wenn es sein muss. Er fängt ihn auf und bremst ihn, wenn das Temperament mit dem Lockenkopf durchgeht. Er spricht Klartext und nimmt ihn väterlich in den Arm. Als Antonelli im vergangenen Februar einen streng limitierten und sündhaft teuren Supersportwagen demolierte, kommentierte Wolff lapidar: „Schade um das tolle Auto, aber am Ende war es nur ein Auto.“ 

Dass er Hamiltons Erfolgs-Renningenieur Peter Bonnington auch für Antonelli gewinnen konnte, war ein weiter Faktor in der Erfolgsrechnung. „Es macht wirklich Spaß, mit Kimi zusammenzuarbeiten, aber er überrascht uns immer wieder“, sagte der Brite mal während der aktuellen Saison. „Für mich ist er wie ein KI-Agent, der sich ständig weiterentwickelt und dazulernt“, sagte Wolff einmal über Antonelli. 

Menschliches Feintuning 

Schon bei Hamilton wusste Wolff, was er zulassen konnte und musste, damit dieser das Beste aus sich rausholte. Ausnahmefahrer und -sportler brauchen nicht selten auch eine Ausnahmebehandlung - menschliches Feintuning. Erst recht, wenn sie am Limit und nicht selten auch darüber hinaus sind. So wie in der Formel 1. Einem Teamsport, in dem jeder einzelne Fahrer vom großen Solo-Ruhm träumt. 

Um sich ein bisschen abzulenken, gönnte sich Antonelli vor dem möglichen Krönungswochenende einen Ausflug zu den NBA-Stars der San Antonio Spurs. In Austin kann der 1,72 Meter große Italiener, der fast bei jedem Rennen von seinem Vater begleitet wird, selbst zu einem der Großen der Formel 1 werden. 

35 Weltmeister gibt es bisher, er wäre der 36. und Nachfolger von Lando Norris (McLaren). Auf jeden Fall wäre Antonelli der mit Abstand jüngste, der es je geschafft hat. Sebastian Vettel führt diese Rangliste immer noch an, 23 Jahre war er 2010 beim ersten seiner vier WM-Titel in Serie. „Ich wäre sehr glücklich für ihn“, sagte Vettel jüngst: „Er hat ein unglaubliches Jahr.“

Wolff weiß, wie Weltmeister gemacht werden. (Archivbild)

Wolff weiß, wie Weltmeister gemacht werden. (Archivbild) Bild: Jens Büttner/dpa

Wolff weiß, wie Weltmeister gemacht werden. (Archivbild) Bild: Jens Büttner/dpa

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