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Worte wie in Stein gemeißelt: „Elf Freunde sollt Ihr sein!” So beschwor der legendäre Bundestrainer Sepp Herberger seine Elf beim „Wunder von Bern”, dem ersten deutschen WM-Titel 1954. Auf dem Platz setzen die Kicker des FC Germania Mallorca dies schon bemerkenswert um: Tabellenplatz Platz sechs nach sieben Spielen, zuletzt ein 9:0-Kantersieg. Aber gelingt Sepp Herbergers Losung auch, wenn elf Spieler in einem Haus zusammen wohnen? Wie die Kicker des Insel-Neulings, die in Son Sardina in der wohl größten Männer-WG Mallorcas leben? Das Mallorca Magazin besuchte die Mannschaft im Sommerhaus der FC Germania-Stars.
13 Uhr, das Training – viermal wöchentlich morgens – ist beendet. Niklas Thanhofer –Vize-Kapitän des „From Zero to La Liga”-Teams – steht in der Küche und räumt die Spülmaschine ein. Torjäger Danny Foerster liegt am Pool in der Sonne, Tyrone van den Broeke liest im Schatten das Mallorca Magazin. Bastian Müller – Kapitän und Sportdirektor in Personalunion – hängt wie gefühlt den halben Tag am Telefon.
„Es war gar nicht so einfach, einen Hausbesitzer zu finden, der seine Villa für elf junge Männer vermietet”, sagt Bastian Müller. „Wir haben mit vielen Vermietern gesprochen, um ein vernünftiges Haus zu finden. Aber man muss auch erstmal einen Eigentümer davon überzeugen, dass so viele Jungs aus so vielen Nationen in einem so jungen Alter dort einziehen werden. Wir gerieten deshalb unter Zeitdruck und erst wenige Tage, bevor die ersten Spieler auf der Insel ankamen, konnten wir den Mietvertrag unterschreiben.” Sechs Schlafzimmer gibt’s auf 180 Quadratmetern. Jeweils zwei Spieler teilen sich ein Zimmer, das kleinste wird von einem Spieler bewohnt.
Gibt es eine Hausordnung? Einer putzt, einer kocht, einer geht einkaufen? Bastian Müller zum MM: „So könnte es vielleicht im Idealfall sein (lacht) . Gerade die Anfangszeit war ein bisschen schwer. Aber ich glaube, dass die Jungs jetzt einen guten Weg für ihr Miteinander gefunden haben. Es waren eher Kleinigkeiten. Sie haben sich zum Beispiel einen zweiten Kühlschrank gewünscht, den sie auch bekommen haben. Jeder kauft für sich ein, schreibt mit einem Edding seinen Namen drauf. Und manchmal kochen sie auch zusammen.”
Gibt es eine Putzfrau? Ex-Profi Müller, vor seinem Umzug auf die Insel Aufstiegs-Held beim Drittligisten Alemania Aachen, schmunzelt: „Am Anfang kam sie zweimal die Woche. Dann haben wir gemerkt: Wenn sie fünf Minuten weg ist, sieht es angesichts von elf Spielern sowieso wieder aus wie vorher. Jetzt kommt sie einmal die Woche.”
Der Mittelfeld-Stratege wohnt selbst nicht in der Kicker-WG: „Ich lebe mit meiner Frau und unserer vierjährigen Tochter schon seit zwei Jahren auf der Insel und wohne nicht weit entfernt vom Haus. Dort fühlen wir uns sehr wohl und sind glücklich. Mallorca ist unser neues Zuhause geworden. Diese Insel ist einer der schönsten Orte auf diesem Planeten, besonders was die Natur und die Menschen betrifft.”
Und wie fühlen sich die Spieler mit fast der ganzen Mannschaft unter einem Dach? Danny Foerster, mit vier Liga-Treffern Germanias Tor-Maschine: „Sagen wir es mal vorsichtig: Ich habe zuvor allein in meiner schönen Wohnung gelebt, jetzt ist es wie in einer Jugendherberge, die Privatsphäre geht flöten. Manchmal ist es chaotisch. Aber wir verstehen uns sehr gut, weil es eine bunte Truppe ist.”
Niklas Thanhofer: „Ich denke, die Frage beantwortet sich ein bisschen von selbst. Jeder hat so eine gewisse Vorstellung, was das heißt, mit zehn Jungs zusammenzuwohnen. Das hat einerseits viele Vorteile, weil es immer lustig ist. Aber andererseits natürlich auch Nachteile, weil die Privatsphäre eingeschränkt ist. Deshalb muss man sich auch alle richtig lieben lernen und muss man gut damit auskommen können. Wie in jeder Familie gibt’s immer wieder mal Reibereien – aber im Großen und Ganzen kommen wir ganz damit aus.”
Der Österreicher kennt das Leben in einer Wohngemeinschaft: „Ich war das gewohnt, weil ich die letzten vier Jahre in Amerika gelebt habe und auch dort in einer Sechser-WG zusammengewohnt habe. Ich habe in New York Business Management studiert und an dem College Fußball auf hohem Level gespielt. Das ist cool in den USA – dass man Studium und Sport auf diese Art miteinander verbinden kann. Ich habe ein gutes Team erwischt – und wir waren richtig erfolgreich.“
Von der Welt-Metropole New York auf die Balearen-Insel – was ist der wesentliche Unterschied? Thanhofer: „Das ist ein Unterschied wie schwarz und weiß. New York ist hektisch und groß. Eine riesige Stadt mit 8,6 Millionen Menschen allein in New York City. Mallorca ist dagegen entspannt und ruhig. Die Spanier – so habe ich es erlebt – nehmen generell vieles nicht so ernst wie vielleicht Amerikaner und auch die Deutschen.”
Rundum wohl und glücklich fühlt sich Tyrone van den Broeke in der Spieler-WG. Der Holländer zum Mallorca Magazin: „Es ist sehr schön, mit anderen Spielern zusammenzuwohnen, denn jeder hier ist fern von Familie, Freunden und Partnern. Deshalb ist es wichtig, eng beieinander zu sein und sich gegenseitig zu helfen. Auch wenn man merkt, dass ein Teamkollege vielleicht gerade einen schlechten Tag hat. Und man hat trotzdem die Möglichkeit, auch mal für sich zu sein, wenn man das möchte – auch wenn mir manchmal ein eigenes Zimmer fehlt.”
Und wie ist es mit Damen-Besuchen in der Kicker-WG? Gibt es diesbezüglich eine Hausordnung? Ein Germania-Kicker, der nicht genannt werden möchte: „Der Gentleman genießt – und schweigt.”
Eher schweigsam ging es Anfang vergangener Woche im Sommerhaus der Germania-Stars zu, als der Verein der Mannschaft mitteilte, dass Thorsten Legat nach nur sechs Liga-Spielen kein Trainer mehr ist. Doch seit dieser Woche ist die Stimmung in der Kicker-Villa wieder entspannter: Sonntagabend hatte der „From Zero to La Liga”-Club mit Interimstrainer Bastian Müller den Tabellenletzten C.F. Playa de Palma mit 9:0 vom Kunstrasen-Platz gefegt. Der höchste Sieg in der noch jungen Geschichte des Inselclubs.