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„Die sind 50 Meter groß“: Ein Fußballturnier mit Gruselfaktor
Toller Moment: Abwehrchef Michi tröstet Torwart Hannes nach einem unglücklichen Gegentor.

Gunnar Freudenberg begleitet die Fußballkarriere seines Sohnes Hannes als Co-Trainer in der D-Jugend. Ein Halloween-Turnier mit Nebelmaschine und Kostümpreis klingt nach Spaß – bis der Spielplan den eigentlichen Gruselfaktor liefert.

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Bergisches Land. Halloween-Turnier. Nebelmaschine. Schaurige Snacks. Verkleidungen ausdrücklich erwünscht. Mehr muss nicht in der Einladung stehen, damit unser Team elektrisiert ist. Ausrichter ist ein griechischer Verein. Für die beste Verkleidung eines Trainers ist sogar ein Preis ausgelobt.

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Chefcoach Tobi und ich reißen in der WhatsApp‑Gruppe große Töne. Wir diskutieren über Kostüme und eine mögliche Inszenierung beim Betreten der Kabine. Kurz: Wir sind sehr mutig. Bis wir am Sportplatz ankommen. Da bleiben unsere Masken und Kostüme lieber in der Tasche. Auch die Eltern und Kinder interpretieren „Verkleidungen ausdrücklich erwünscht“ eher großzügig.

Nur ein Trainer macht sich „zum Affen“

Als Tobi und ich mit der Mannschaft über die Taktik sprechen, kommt Michael, der dritte Mann in unserem Trainerteam, verspätet in die Kabine. Blutrünstig geschminkt.

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Einer musste ja: Michael erscheint als einziger Trainer geschminkt.

Es wird kurz still. Michael sieht erst uns an. Dann unsere normalen Trainerjacken. Dann wieder uns. „Ihr Blödmänner“, sagt er, „bin ich jetzt der einzige Depp, der sich zum Affen macht?“ Nicht ganz ernst gemeint natürlich. Aber auch nicht komplett nicht ernst gemeint.

Die Gegner sind „50 Meter groß“

Für den echten Gruselfaktor sorgt der Spielplan. In unserer Gruppe sind wir mal wieder die Jüngsten. Kurz vor dem ersten Spiel sieht Bence zum Gegner hinüber und fasst die Lage treffend zusammen: „Wie soll das gehen? Die sind 50 Meter groß.“

Es geht sogar ziemlich gut. Unsere Mannschaft wirft sich rein, läuft, schiebt, kämpft und lässt den 50-Meter-Gegnern wenig Platz. Hinten steht Hannes im Tor. Nicht verkleidet, aber trotzdem als Schreckgespenst für die gegnerischen Angreifer unterwegs. Er hält, was zu halten ist. Und manches, was nicht so einfach zu halten ist. Zum Auftakt steht ein 0:0. Ein gefühlter Sieg!

Wenn der Torwart am liebsten im Nebel verschwinden würde

Im zweiten Spiel ein ähnliches Bild: viel Kampf und ein gut aufgelegter Hannes im Tor. Dann zieht der Gegner noch einmal ab. Ein Schuss, der eigentlich nicht gefährlich aussieht. Der Ball rutscht Hannes durch die Hände. Fünf Sekunden vor Schluss. 0:1. Ende!

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Es gibt im Fußball Momente, in denen es eine Nebelmaschine braucht. Nicht für die Atmosphäre, sondern damit ein Kind kurz verschwinden kann. Hannes wäre in diesem Moment gern im Nebel verschwunden. Es ist das Los eines Torwarts. Viel Süßes, dann Saures. Du hältst dein Team minutenlang im Spiel – und am Ende erinnert sich dein Kopf nur an den einen Ball, der durchrutscht. Meine tröstenden Sätze kommen in diesem Moment nicht an. Hannes macht zu. Ungefähr so wie mein Vater, wenn an Halloween Kinder bei ihm klingeln.

Michi holt Hannes zurück

Zum Glück gibt es in einer Mannschaft nicht nur Trainer. Es gibt auch Mitspieler. Unser Abwehrchef Michi geht zu Hannes. Er findet die richtigen Worte. Er sagt sinngemäß: Selbst Manuel Neuer muss nach einem Patzer weiterspielen, als sei nichts gewesen. Michi holt Hannes zurück. Dieser Junge ist auf und neben dem Platz Gold wert.

Sportlich bleibt es an diesem Tag ein bisschen verhext. Wir kämpfen uns durch die restlichen beiden Spiele, holen noch ein Unentschieden und kassieren eine Niederlage gegen mindestens 60 Meter große Gegner. Belohnt wird der große Einsatz unserer Truppe leider nicht: Unser Turnier ist früher beendet, als es sich richtig anfühlt. Schade!

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Endlich ein Souvlaki-Spieß in meiner Hand

Kein Pokal also. Aber ein Torwart, der wieder lächelt. Ein Mitspieler, der genau die richtigen Worte findet. Michael, der immer noch aussieht, als hätte wenigstens einer von uns das Motto verstanden. Und endlich ein Souvlaki-Spieß in meiner Hand.

Es gibt schlechtere Arten, ein Halloween-Turnier zu überleben.

RGA