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Heuer am 8. November: Beliebter Seelauf in Teisendorf: Wenn aus Ehrenamt etwas ganz Großes wird
Der Seelauf „Rund um den Höglwörther See“ findet heuer am 8. November statt. - Foto: Veranstalter

1500 Sportler, ungefähr genauso viele Zuschauer – der Seelauf „Rund um den Höglwörther See“ in Teisendorf hat sich zu einem der größten Sportevents in der Region entwickelt. Vom Top-Athleten bis zum Hobbysportler – jeder kann daran teilnehmen. Was den Bewerb, der heuer am 8. November, ab 9 Uhr, stattfindet, außerdem so besonders macht? Er wird zu 100 Prozent ehrenamtlich veranstaltet. Eine Tatsache, die es dem Organisationsteam der Leichtathletik-Abteilung des TSV Teisendorf um Max Schießl, Florian Prechtl und Matthias Reitschuh nicht immer ganz leicht macht. Dennoch schaffen sie es immer wieder, ein außergewöhnliches Event auf die Beine zu stellen.

Seit 1988 gibt es den Seelauf bereits. Zunächst gings ab dem Teisendorfer Schwimmbad zehn Kilometer Richtung Anger, um den Höglwörther See und wieder zurück. Ein Jahr später fiel der Startschuss am Marktplatz, die Strecke war nun 13 Kilometer lang – und ist es heute noch. „Schon damals war der Lauf angedacht, um den jährlichen Sportbetrieb im Verein zu finanzieren“, erklärt der 36-jährige Schießl. Nach und nach wurden die Leichtathleten des TSV Teisendorf erfolgreicher und nahmen vermehrt an nationalen und internationalen Wettbewerben teil, somit stiegen die Kosten.

Teilnehmerzahlen stiegen ab 2022 deutlich

Um diese zu decken und zugleich gegenüber Konkurrenzveranstaltungen bestehen zu können, habe man den Bewerb immer professioneller aufziehen müssen. Die Teilnehmerzahl stieg mit den Jahren meist leicht, hin und wieder fiel sie. 2013 lag sie beispielsweise bei 233, drei Jahre später bei 140. „Damals hatten wir ganz schlechtes Wetter“, erinnert sich Schießl. 2019 nahmen 370 Läufer teil – ein Rekord. Und ausgerechnet nach der Coronapandemie, die für viele Events das Aus bedeutete, wurden es rasant mehr Sportler. Wie ist das möglich?

Als Corona losging, „haben wir schon geschwitzt“, sagt Schießl. Der Lauf musste zweimal abgesagt werden, die Einnahmen fielen weg. Stillstand. Das Vereinsleben litt unter diesem. Intern habe man jedoch nicht geschlafen, sondern die Zeit dafür genutzt, neue Ideen zu entwickeln und das Konzept des Seelaufs zu überarbeiten. Neben dem Hauptlauf über 13 Kilometer und dem Bambini- sowie Kinderlauf sollte es fortan einen 4,2-Kilometer-Spendenlauf geben. Bei diesem werden pro Person 13 Euro vom Teilnehmerbeitrag für gemeinnützige Zwecke gespendet. Jeder, der Lust an Sport und Bewegung hat, sollte über diese Distanz angesprochen werden. „Die Zeit ist egal, wir haben hier auch bewusst keine Siegerehrung. Dafür gibt es eine ganz besondere Medaille für alle“, so Schießl.

Während andere Veranstaltungen nach der Pandemie 20 bis 30 Prozent weniger Teilnehmer hatten, gab es in Teisendorf 2022 einen neuen Rekord: 503 Sportler waren dabei. Neben der neuen Distanz für jedermann „haben wir auch davon profitiert, dass wir so spät im Jahr stattfinden“. Die Leute hätten sich wieder mehr getraut, etwas zu tun. Der Seelauf wurde danach immer größer, ein Rekord jagte den nächsten, 2025 waren es sagenhafte 1404 Teilnehmer.

Nicht nur für die Sportler ist beim Seelauf viel geboten, auch die Zuschauer kommen auf ihre Kosten. Essensstände, Bands, Sponsorenstände, Nebelmaschinen, Flammenwerfer. Die Läufer erhalten Starterpakete und handgefertigte Medaillen und Pokale, auf Digitalanzeigen sehen sie ihren Namen, wenn sie ins Ziel laufen. Mannschaften mit den meisten Teilnehmern erhalten einen Meistpreis. Außerdem wird heuer ein DJ, der schon bei Olympischen Spielen aufgelegt hat, vor Ort sein. Die Organisatoren haben sich insgesamt der Entwicklung angepasst. „Der Eventcharakter ist immer wichtiger“, sagt Schießl.

Dabei wird in Teisendorf alles zu 100 Prozent ehrenamtlich gemacht. Anders als andere Sport-events, denen oftmals Agenturen zur Seite stehen oder die komplett von Agenturen organisiert werden. Neben dem eigentlichen Beruf bereiten die Verantwortlichen in der Freizeit den Lauf vor, führen Sponsorengespräche, vermarkten das Event über verschiedenen Kanäle. Es stecke viel Arbeit dahinter, die jedoch auch immer wieder erschwert werde. Etwa durch Bürokratie, hohe Auflagen und Kosten.

Hohe Auflagen: Absage stand im Raum

Tatsächlich hätte es den Seelauf in diesem Jahr beinahe nicht gegeben. „Der Aufwand, gewisse Auflagen zu erfüllen, ist in den letzten Jahren unfassbar gestiegen“, erklärt Schießl. „Das war schon ein Thema bei uns. Wenn das so weitergeht, wird man keine Leute mehr finden, die sich das antun.“ Die Verantwortung als Veranstalter sei groß. Ein Beispiel sei der Schutz vor Überfahrtaten. Heißt: Die Straßen müssen vor Terroristen geschützt werden. „13 Kilometer absperren, das geht nicht.“

Die meisten Events gingen nur über das Ehrenamt. „Wenn es keine ehrenamtlich organisierten Veranstaltungen mehr gibt, dann ist im Eventkalender sehr wenig drin“, betont der 36-Jährige. Außerdem seien solche Events auch ein wirtschaftlicher Faktor, Gemeinden oder Städte mit den vielen Betrieben profitierten davon. „Deshalb sollte man schauen, dass es für uns als Veranstalter in einem verträglichen Rahmen gehalten wird.“ Auch die Finanzierung sei ein großer Punkt. Ohne Sponsoren funktioniere es nicht. „Letztendlich hat es bei uns Veränderungen gegeben. Vor allem die Sponsoren unterstützen uns unfassbar. Nicht nur Firmen aus Teisendorf, sondern darüber hinaus.“ Somit kann der Lauf auch in diesem Jahr stattfinden.

Generell bringe so eine Veranstaltung natürlich einiges an Arbeit und Stress mit sich. „Die letzten sechs bis acht Wochen davor sind schon hart.“ Am Veranstaltungstag selbst sei der größte Stress, wenn das Wetter nicht passt. „Selbst wenn alles eingespielt ist und die Zahnräder ineinander greifen“, so Schießl, der das Spektakel zugleich moderiert. Rund 100 Freiwillige helfen mit. „Wir haben eine brutal gute Arbeit in der Leichtathletik-Abteilung. Über 100 Kinder sind dort immer im Training. Dazu die Eltern. Daraus holt man den Pool an Helfern.“ Direkt nach dem Event gelte es unter anderem, die Homepage zu aktualisieren und Fotos zur Verfügung stellen. Es folgen der Abbau und die drei- bis vierwöchige Nachbereitung. Und dann fangen bereits die Gespräche für das nächste Jahr an. „Mittlerweile ist es eine Jahresaufgabe“, meint Schießl.

Viele positive Rückmeldungen

Warum man sich die viele Arbeit dennoch antut? „Das ist eine Frage, die man nicht mit einem Satz erklären kann. Grundsätzlich ist die Motivation aus innerer Überzeugung. Dass es für die Gesellschaft wichtig ist.“ Zudem ziehe man viel aus dem Veranstaltungstag selbst. Zum Beispiel von den zahlreichen positiven Rückmeldungen der Zuschauer und Sportler. Von den leuchtenden Kinderaugen. Für die Kleinen „ist es etwas ganz Besonderes, vor über 1000 Zuschauern ins Ziel zu laufen. So sehen sie auch, wie es sein kann, wenn man am Sport dranbleibt.“ Was das Teilnehmeralter betrifft, seien Jung und Alt dabei. Die Läufe sind zudem so getaktet, dass es sein kann, dass Spitzenläufer wie etwa ein Filimon Abraham, der schon mehrfach in Teisendorf am Start war und gewann, gemeinsam mit Amateuren vom Spendenlauf – teils laufend, teils walkend, aber auch Rollstuhlfahrer – zeitgleich ins Ziel kommen. Diese besonderen Momente verursachten Gänsehaut, „das ist die Belohnung, warum man das macht“.

Und so blickt Schießl bereits mit Vorfreude auf den diesjährigen Lauf. „Ich freue mich, wenn sich wieder viele anmelden oder einfach zuschauen. Man kann es auch als Sonntagausflug planen, der sich lohnt.“ Auch, weil wieder der ein oder andere Spitzen-Athlet dabei sein wird, garantiert der 36-Jährige, der zugleich betont, dass wie immer der Anspruch sei, eine tolle Veranstaltung von Sportler für Sportler zu organisieren. „Wir sind selbst alle damit aufgewachsen, dass es Ehrenamt braucht. Dass sich die Leute ehrenamtlich engagieren. Und das wollen wir weitertragen.“

Voranmeldung bis 1. November

- Die Voranmeldung geht noch bis 1. November unter www.seelauf-teisendorf.de; Nachmeldungen sind am Veranstaltungstag möglich, wenn noch Starplätze übrig sind.

- Distanzen: 550-Meter-Bambinrun, 800-Meter-Kidsrun, 4,2-Kilometer-„Mia fia Eich“-Spendenlauf, 13-Kilometer-Seelauf.

- Gewinner der jüngsten fünf Seeläufe: Florian Prambs (2025), Filimon Abraham (2024), Julian Erhardt (2023), Filimon Abraham (2022), Filimon Abraham (2021).

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