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Der SV Darmstadt 98 prüft die Erweiterung seines Stadions und deren Finanzierung, inspiriert von der Konkurrenz. Details sollen bei der Mitgliederversammlung vorgestellt werden.
Darmstadt. Sportlich herrscht beim SV Darmstadt 98 nach dem 0:4 beim Karlsruher SC am Wochenende Ernüchterung. Nur zwei Tage nach der Klatsche in Baden steht die Mitgliederversammlung des Fußball-Zweitligisten an. So emotional wie im Vorjahr dürfte es trotz der sportlichen Misere nicht werden. Im Oktober 2025 hatte Rüdiger Fritsch unter großem Applaus und vielen warmen Worten als Präsident abgedankt und das Zepter an Nachfolger Markus Pfitzner übergeben. In diesem Jahr stehen keine Wahlen an. Die Tagesordnung der Versammlung in der Böllenfalltorhalle liest sich eher unspektakulär. Der Ältestenrat soll von drei auf bis zu vier Mitglieder erweitert werden. Eine Satzungsänderung war durch geänderte Anforderungen im Lizenzierungsverfahren notwendig geworden. Ebenfalls Formsache dürfte die Berufung des Verwaltungsrats sein, in den unter anderem Ex-Tennisspielerin Andrea Petković berufen werden soll.
Spannend dürfte der Besuch trotzdem werden, soll es doch darum gehen, welche Pläne das Präsidium bezüglich eines möglichen Ausbaus des Merck-Stadions am Böllenfalltor verfolgt und wie weit diese fortgeschritten sind. Präsident Pfitzner hatte für die Mitgliederversammlung ein Update angekündigt. Im Sommer hatte er sich optimistisch gezeigt, dass der Verein die behördliche Genehmigung für den geplanten Ausbau der Südtribüne erhalten würde. Bei der Frage der Finanzierung könnte der nächste Gegner als Vorbild dienen.
Der FC St. Pauli gastiert am Freitagabend (18.30 Uhr) am Bölle. Die Hamburger haben von Mitte November 2024 bis Ende März 2025 mithilfe eines Genossenschaftsmodells rund 29,2 Millionen Euro von mehr als 22.000 Menschen aus 44 Ländern gesammelt. Mit diesem Geld wurden die Mehrheitsanteile des Millerntor-Stadions erworben. Nun gibt es Pläne, einen Stadionausbau auf diesem Weg zu finanzieren. Damit sind die Kiezkicker zu einer Art Vorbild im deutschen Fußball geworden. Der FC Schalke 04 und der Hamburger SV haben ähnliche Projekte angekurbelt. Die klamme Hertha BSC diskutiert diese Möglichkeit, und auch in Darmstadt ist ein Genossenschaftsmodell eine Option. „Das passt zu einem Verein unseres Zuschnitts und wie wir positioniert sind, auch mit unserem Fanumfeld“, sagte Präsident Pfitzner im Dezember.
Vize-Präsident Arnd Zinnhardt ist mit dem Thema betraut, sagte im August im Gespräch mit dieser Redaktion : „Wenn wir das machen, dann, weil wir das Stadion erweitern wollen.“ Er hat sich mit anderen Clubs zu dem Thema ausgetauscht und erklärte, den SV 98 mit diesem Modell zukunftsfähig aufstellen zu wollen.
Wie könnte ein solches Genossenschaftsmodell aussehen? Bei Vorreiter St. Pauli, deren Weg als Erfolgsgeschichte gilt, kostete ein Anteil 750 Euro. Durchschnittlich wurden pro Kauf 1,4 Anteile, also für rund 1.000 Euro, erworben. Anders Schalke 04, die das Modell zur Umschuldung nutzten und ihre Schwierigkeiten beim Einsammeln der Gelder hatten, obwohl ein Anteil „nur“ 250 Euro kostete. Doch der S04 konnte sich eben auf fast 200.000 Mitglieder verlassen, hatte daher nur wenige Käufer, die in größerem Maße unterstützten.
Die Lilien haben aktuell rund 16.000 Mitglieder, dürften also einen Mittelweg anpeilen und womöglich auf Unterstützung von Mitgenossen angewiesen sein. Die Akzeptanz für die Pläne dürfte vorhanden sein, ist das Lilien-Präsidium zuversichtlich. Am Dienstagabend erfahren die Vereinsmitglieder mehr.