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„Ich kann nicht aufhören zu heulen“: Martin Schindlers Tränen nach der Darts-EM
Frisch gebackener Darts-Vizeeuropameister: Martin „The Wall“ Schindler.© dpa | Thissen

Selbst in den gefühlskalten Katakomben der Westfalenhallen kämpfte Martin Schindler noch immer mit den Tränen. Eigentlich war es da schon einige Minuten her, seit sein letzter Dart knapp am Doppelfeld vorbeigeflogen und die kräfteaufreibende Aufholjagd damit endgültig gescheitert war. Den 30 Jahre alten Dartsprofi übermannten aber weiterhin die Emotionen. „Es freut mich so sehr, ich kann nicht aufhören zu heulen“, schluchzte der frisch gebackene Vize-Europameister am späten Sonntagabend.

Schon zuvor waren Schindler auf der großen Bühne in Dortmund vor laufenden Kameras immer wieder die Tränen gekommen. Der Traum von der historischen Krönung eines deutschen Profis erfüllte sich am Ende zwar nicht. Der Engländer Ross Smith setzte sich im Finale verdient mit 11:8 durch. Was Schindler aber erreicht hatte, war ein Stück Dartsgeschichte: Nie zuvor war ein Deutscher bei einem der großen PDC-Turniere ins Endspiel gekommen.

Tränen auf der Bühne: Im Interview mit Moderatorin Polly James nehmen Martin Schindlers Emotionen ihren Lauf.© dpa | Thissen

„Mit einem guten Spiel im Finale gewinne ich das Ding“, sagte Schindler und vergoss die nächsten Tränen. Er atmete noch einmal tief durch und sammelte sich. „Fairplay: Ross (Smith) war immer da, wenn ich es nicht war. So ist das. Trotzdem freut es mich, dass ich diesen Schritt gegangen bin. Dass ich eine scheiß Trophäe habe von einem Major.“

Der gebürtige Strausberger, der inzwischen mit seiner Frau Denise und der kleinen Tochter im hessischen Rodgau lebt, ließ sich mit dem Vizepokal feiern, als hätte er den Titel gewonnen. Vor den heimischen Fans in Dortmund spielte sich der 30-Jährige mit Siegen gegen die Niederländer Wessel Nijman (6:5) und Jermaine Wattimena (10:4) in den Finaltag. Gegen den Waliser Jonny Clayton überragte Schindler mit einem furiosen 10:1, ehe er im Halbfinale auch Krzysztof Ratajski aus Polen mit 11:6 bezwang. Der hatte zuvor für eine der größten Überraschungen des Turniers gesorgt und Weltmeister Luke Littler aus England rausgeworfen.

Martin Schindler kämpfte mit Rückschlägen

Auch Europameister Smith würdigte den Deutschen nach seinem zweiten EM-Titel. „Er ist fantastisch. Er ist außerdem ein wirklich netter Kerl, aber es ist extrem schwierig, gegen ihn zu spielen. Er ist ein Kämpfer“, sagte der Engländer, der im Finale bereits mit 8:2 geführt hatte und beim Stand von 10:8 noch einmal kurz um seinen Triumph bangen musste. Ein Kämpfer ist Schindler tatsächlich.

In den vergangenen Jahren musste er immer wieder Rückschläge verkraften. Lange nahmen ihn die großen Stars nicht ernst, zwischenzeitlich verlor er sogar seine Tourkarte und damit die Spielberechtigung als Profi. Um seine Turnierteilnahmen zu finanzieren, arbeitete Schindler einst als Ordner bei Dartsturnieren. Dabei verteilte er Bändchen an die kostümierten Fan. Inzwischen klopft er jedoch immer wieder an die Tür zur Weltspitze, obwohl dieses Jahr bislang nicht zu seinen stärksten zählte. „Als ich vor zehn Jahren mit dem professionellen Darts angefangen habe, habe ich nichts erwartet. Jetzt war ich in einem Endspiel bei einem Major-Turnier. Ich habe alles getan, um es zu gewinnen. Aber ich bin einfach nur glücklich“, sagte er aufgelöst in Tränen der Freude.

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