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BVB-Fans gegen Felix Nmecha: „Hier endet für uns die Toleranz gegenüber Intoleranz“
Felix Nmecha bei seinem umstrittenen Torjubel.
Copyright: IMAGO/kolbert-press Felix Nmecha bei seinem umstrittenen Torjubel nach dem 2:0.

Sportlich ist Felix Nmecha beim BVB unumstritten. Neben dem Platz sorgt der Mittelfeldspieler dagegen immer wieder für Wirbel. Jetzt meldet sich die Fan- und Förderabteilung zu Wort, nur zwei Wochen vor der Mitgliederversammlung am 22. November.

Auslöser war Nmechas Jubel beim 2:1 gegen die SV Elversberg am Samstag. Der Nationalspieler traf zweimal und nahm sich danach jedes Mal eine imaginäre Krone vom Kopf, die er auf den Rasen legte. Das ist das Symbol der Kampagne „The King’s Return“. Hinter ihr steht nach Recherchen des ARD-Magazins „Monitor“ und der „Sportschau“ das Netzwerk „Ballers in God“, das Nmecha unterstützt.

Schwere Vorwürfe gegen „Ballers in God“

Schon vorher hatten die Krone und ein Gebetskreis nach dem Abpfiff für Diskussionen gesorgt. Nmechas Umgang mit seinem Glauben beschäftigt das Dortmunder Umfeld seit seinem Wechsel im Sommer 2023.

Einen Tag nach dem Spiel veröffentlichte die Fan- und Förderabteilung ihre Stellungnahme. Sie beginnt mit einer Klarstellung: „Die BVB Fan- und Förderabteilung hat sich in der Vergangenheit bewusst zurückgehalten, wenn es um sportliche Fragen und die sportliche Bewertung einzelner Spieler ging. Daran halten wir fest. Wenn es allerdings um die Werte unseres Vereins, um Diskriminierung und um die Frage geht, welches gesellschaftliche Menschenbild innerhalb und im Umfeld von Borussia Dortmund Raum bekommt, können und wollen wir nicht schweigen.“

Nmechas christlichen Glauben kritisieren die Fans ausdrücklich nicht. Der 14-malige Nationalspieler hat seine Religiosität „wiederholt und sichtbar in den Mittelpunkt seiner öffentlichen Präsenz“ gestellt. Die Kritik richtet sich gegen seine Unterstützung der Kampagne und des Netzwerks dahinter. Dort besitze er als prominenter Fußballer „eine erhebliche Reichweite“.

Religiöse Netzwerke wie „Ballers in God“ verbreiten laut der Fan- und Förderabteilung „unter dem Deckmantel des Glaubens ein Weltbild, in dem Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung, ihrer geschlechtlichen Identität, ihrer Lebensweise oder ihrer persönlichen Entscheidungen abgewertet oder ausgegrenzt werden“.

Als Beleg verweisen die Fans auf die ARD-Recherchen. Demnach wurde im Umfeld der Missionierungs-Angebote des Netzwerks Homosexualität als Sünde bezeichnet. Eine Abtreibung wurde als „Satans Plan“ dargestellt. Dazu kämen Verbindungen in ein „evangelikal-charismatisches Umfeld, in dem unter anderem extrem konservative Positionen gegen Homosexualität und Transidentität vertreten werden“.

Besonders heikel sei das wegen der Strahlkraft der Profis: „Fußballer sind Vorbilder für Millionen Menschen, insbesondere für Kinder und Jugendliche. Wenn diese Reichweite gezielt für Missionierung eingesetzt wird und gleichzeitig Inhalte transportiert werden, die bestimmte Gruppen der Gesellschaft ausgrenzen, dürfen wir das nicht als bloß private Religionsausübung abtun.“

Klare Botschaft an queere Fans

Die Fan- und Förderabteilung zieht eine deutliche Grenze: „Wo religiöse Überzeugungen dazu benutzt werden, Menschen ihre Würde oder Gleichwertigkeit abzusprechen, endet für uns die Toleranz gegenüber Intoleranz.“

Der BVB sei ein Verein, „in dem Menschen mit unterschiedlichsten Lebensgeschichten zusammenstehen, gemeinsam reisen, gemeinsam leiden und gemeinsam feiern. Gerade unseren queeren Mitgliedern und Fans sagen wir: Eure Zugehörigkeit zu Borussia Dortmund steht nicht zur Debatte. Wir stehen an eurer Seite“.

Die Fans erinnern auch an Tobias Westerfellhaus. Der Vorsitzende der Abteilung hatte sich auf der Mitgliederversammlung im Herbst 2025 zum Thema geäußert: „Glaube rechtfertigt keine Ausgrenzung. Glaube rechtfertigt keine Spaltung! Und Glaube sollte auch nicht dafür missbraucht werden, die Vielfältigkeit der Gesellschaft, in der wir leben, nicht anzuerkennen.“ Dieses Credo gelte unverändert. Die Abteilung werde „weiterhin widersprechen, wenn Menschen aufgrund ihrer Identität oder Lebensweise ausgegrenzt werden. Wir werden widersprechen, wenn gesellschaftliche Vielfalt zur Bedrohung erklärt wird. Und wir werden widersprechen, wenn der Glaube als Begründung dafür herhalten soll.“

Der Klub steht zwischen seinem Leistungsträger und den eigenen Fans. Nach Informationen des „kicker“ gab es in den vergangenen Wochen intensive Gespräche zwischen Fanvertretern und der BVB-Geschäftsführung. Anlass war ein Kronen-Jubel beim Heimspiel gegen den SC Paderborn vor der Südtribüne. Fanvertreter hatten den Verdacht geäußert, Nmecha nutze die Plattform für eine fundamentalistische Kampagne.

Dass die Fan- und Förderabteilung nun öffentlich Stellung bezieht, dürfte die Klubführung überrascht haben. Eine Anfrage zu einer Reaktion blieb zunächst unbeantwortet.

Der BVB geht inzwischen auf Distanz. Laut „kicker“ hat der Verein Bilder von seinen Social-Media-Kanälen gelöscht, auf denen Nmecha Symbole von „Ballers in God“ zeigt. Die Kronen-Fotos vom Elversberg-Spiel hat er gar nicht erst veröffentlicht.

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