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Was es mit den Diktator-Memes um Kylian Mbappé auf sich hat

Kylian Mbappé ist nach Kommentaren über einen "chinesischen Diktator" in China unten durch. (Archivbild)© IMAGO/HMB Media/Yannis Dreimann

Mit einem Kommentar über Memes, die ihn als "chinesischen Diktator" darstellen, sorgt Kylian Mbappé für Empörung und sogar Boykotte in China. Doch was hat der Franzose überhaupt mit Diktatoren zu tun?

Die vergangenen fünf Tage hätten für Kylian Mbappé wohl nicht schräger sein können. Der Franzose hatte am Sonntag noch Real Madrid mit zwei Treffern zum Sieg im Clásico gegen den FC Barcelona geschossen. Einen Tag später reichte es bei der Verleihung des Ballon d'Or in London "nur" für Platz zwei. Nicht schlimm, aber auch kein Drama.

Ein Drama ist aber, was danach folgte: In den sozialen Medien tauchte ein Video auf, in dem Mbappé nach seinem Lieblingsmeme über sich selbst gefragt wurde. In seiner Antwort nannte der Franzose ein Meme mit einem Typen, von dem er glaubte, dass er ein "chinesischer Diktator" gewesen sei.

Der Aufschrei in China war groß: Zwei Sponsoren kündigten die Zusammenarbeit mit Mbappé, im Staatsfernsehen sollen vorerst keine Spiele von Real Madrid mehr zu sehen sein. Der Verein und sogar die spanische Liga entschuldigten sich für die Äußerungen ihres Stürmerstars. Alles wegen eines Memes, das für Außenstehende vor allem willkürlich und skurril klingt.

Und jetzt wird vor China zu Kreuze gekrochen

Memes sind ein prägender Teil der modernen Internetkultur. Die humorvollen Bilder und Texte sind für Außenstehende nicht immer leicht nachvollziehbar. Mehr noch: Ihr Humor besteht oft explizit darin, dass man sie nur versteht, wenn man den spezifischen Kontext kennt. Je seltsamer das Meme ist, desto lustiger.

Wer die Hintergründe zu bestimmten Memes erfahren will, landet des Öfteren auf der Seite "Know Your Meme". Die hat es sich zur Aufgabe gemacht, die unzähligen Memes zu erklären, auch das von Mbappé als Diktator. Hinweise auf dessen Ursprung findet sie am frühesten in einem Rechtsstreit Mbappés mit dem französischen Influencer Mohamed Henni, dem Mbappé nicht erlaubt hatte, ein Kebab-Gericht mit seinem Namen zu versehen. Der wiederum wetterte, Mbappé habe "seinen Namen in eine Diktatur verwandelt". Das erste Bild, das das Gesicht von Mbappé auf einem Porträt von Mao zeigt, datiert "Know Your Meme" auf einen Post am 27. November 2024, veröffentlicht bei "Reddit".

Der Ruf eilt Mbappé schon lange voraus

Vermutlich geht das Image als "Diktator" aber noch viel weiter zurück. Schon in seiner Zeit bei Paris Saint-Germain eilte dem Stürmerstar der Ruf voraus, als Ausnahmespieler ein bisschen mehr Einfluss auf die Entscheidungen des Vereins zu haben als andere. Der Stürmer präsentierte sich gerne als unangefochtener Anführer der Mannschaft. Mit anderen Weltstars wie Messi oder Neymar neben sich konnte er eher weniger anfangen. Der Machtkampf zwischen PSG und Mbappé eskalierte bis hin zu einem Rechtsstreit, in dem es um Millionensummen ging.

Nach seinem Wechsel zu Real Madrid ebbten die Gerüchte nicht ab, Mbappé wäre eine Art Schattenentscheider in seinen Klubs. Als die Königlichen im Januar 2026 Xabi Alonso überraschend nach wenigen Monaten entließen, vermuteten einige, dass die Entscheidung auch mit dem Franzosen zusammenhänge. Der konnte mit Alonsos Spielstil, bei dem auch die Offensivstars bei der Defensivarbeit mithelfen mussten, bekanntermaßen eher wenig anfangen. Eine Szene im verlorenen Supercopa-Finale gegen Barcelona, in der Alonso die Mannschaft auffordert, auf dem Platz zu bleiben und dem Gewinner zu applaudieren, dann aber von Mbappés Anweisungen überstimmt wird, schien Bände zu sprechen. Mbappé, so die Theorie, habe hinter den Kulissen den Daumen bei Alonso gesenkt und für dessen Entlassung gesorgt – wie ein echter Diktator eben.

Auf Plattformen wie Reddit, TikTok oder X nahmen User dieses Bild dankbar auf. In den sozialen Medien entstanden erst Bilder, in denen der Kopf von Mbappé auf bekannte Diktatoren-Porträts gesetzt wurde und umgekehrt. Ein Bild etwa zeigt den 27-Jährigen mit einem Leopardenhut von Mobutu Sese Seko, der in der heutigen DR Kongo von 1965 bis 1997 regierte und zahlreiche Regierungsgegner umbringen ließ. Auch das Meme mit Mbappés Gesicht auf dem Porträt von Mao tauchte wieder auf.

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Sogar Frankreichs Nationalteam weiß vom Diktator-Meme

Diese Art Humor kann man als geschmacklos beschreiben, dennoch (oder gerade deshalb) verbreitete sie sich in den sozialen Medien rasant. Und schaffte es sogar bis ins französische Nationalteam: Während der vergangenen WM in den USA, Kanada und Mexiko veröffentlichte der französische Fußballverband ein Video, in dem Teamkollege Ousmane Dembélé Mbappé "Mobut" nennt. Mittlerweile wird jeder strenge Blick, jeder Fingerzeig von Mbappé auf dem Platz als diktatorische Anweisung interpretiert. Sogar ein Lied, in dem der "Diktator Kylian" besungen wird, existiert.

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Die Fußballstars selbst wissen mittlerweile, dass man sich gegen die Memes, die im Internet kursieren, kaum wehren kann, wenn sie ein Eigenleben entwickelt haben. Florian Wirtz, der seit der EM 2024 stets auch mit Kartoffelgerichten in Verbindung gebracht wird, kann ein Lied davon singen. Am besten scheint es da, wenn man das Ganze mit einer Prise Humor nimmt. Auch Mbappé hat das versucht. Daran, dass seine Aussagen für so viel Empörung in China sorgen können, hat der französische Superstar aber wohl nicht gedacht.

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