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Nach dem Krösche-Aus bezieht Eintracht-Boss Axel Hellmann Stellung – und rechnet mit extremen Etiketten von „dritte Kraft“ bis „Gladbach 2.0“ ab.
Frankfurt – Die Zeiten bei Eintracht Frankfurt sind bewegt. Nach der Freistellung von Sportvorstand Markus Krösche auf eigenen Wunsch hat Axel Hellmann als neuer Vorstandsvorsitzender interimsweise auch die sportliche Verantwortung bei den Hessen übernommen. Am Donnerstagnachmittag nahm sich der 55-Jährige rund eine Stunde Zeit, um die drängendsten Fragen der Journalisten zur aktuellen Lage und zur strategischen Ausrichtung der SGE zu beantworten.
Ein zentrales Thema der Runde war dabei vor allem auch die Schnelllebigkeit des Geschäfts rund um den Deutsche-Bank-Park. Frage war auch, wo die Eintracht nach anderthalb holprigen Jahren, einer verfehlten Trainerwahl im Frühjahr unter Albert Riera und einem schwierigen Transfersommer eigentlich steht.
Vor etwa genau einem Jahr hat die Eintracht noch in der Champions League gegen den FC Liverpool mit Florian Wirtz sowie gegen Galatasaray Istanbul gespielt. Vielerorts wurde sie sogar bereits als heranwachsende „dritte Kraft“ im deutschen Fußball hinter Bayern München und Borussia Dortmund oder als Anschlusskandidat an Klubs wie RB Leipzig und Bayer Leverkusen gehandelt. Davon ist derzeit nicht mehr viel über – Hellmann holte deswegen in seiner Antwort weit aus.
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„Ich weiß nicht, ob nach dem 1:5 gegen Liverpool irgendeiner der Überzeugung war, dass wir die dritte Kraft werden. Selbst wenn man sich das 5:1 gegen Galatasaray noch mal im Detail anschaut, bin ich nach dem Spiel nicht beseelt von dem Gedanken nach Hause gefahren, dass wir dritte Kraft werden können“, stellte Hellmann klar.
Dieses Etikett habe sich der Klub nie selbst angeheftet. Weder der Anspruch, die dritte Kraft zu sein, noch die Ausrufung zum vermeintlichen Bayern-Jäger stammten aus den eigenen Reihen, betonte der Eintracht-Boss. Rückblickend wirkten solche Formulierungen wie von einem anderen Stern. Vielmehr seien diese Schlagworte damals bundesweit von Medienexperten an den Verein herangetragen worden – für den Vorstandsvorsitzenden nichts weiter als eine Art mediale Folklore.
Sein Vorwurf an die schnelle öffentliche Meinungsbildung: Erst werde ein Verein „hoch etikettiert“, um sich bei einer anschließenden Delle „auch ein Stück weit daran zu erfreuen, wenn es dann zu einer Enttäuschung kommt, und dann zu sagen: ‚Naja, jetzt reagieren sie auf die Entwicklung, verschwinden im Mittelmaß und verzwergen sich.‘“
Dabei verschloss Hellmann keineswegs die Augen vor den internen Versäumnissen der vergangenen Monate. Dass im sportlichen Bereich und bei Entscheidungen Fehler gemacht wurden, sei unbestritten. „Ich habe auch vor einem Dreivierteljahr den Begriff der ‚Wohlfühloase‘ geprägt – dass wir uns ein paar Biotope geleistet haben, in denen nicht optimal entschieden worden ist. Das wissen alle, das wurde auch von Markus auf seiner Pressekonferenz eingeräumt“, erklärte der 55-Jährige offen.
Doch der Blick zurück helfe den Frankfurtern jetzt nicht weiter. Viel wichtiger sei, dass keine radikale Abkehr vom bisherigen Erfolgsweg stattfinde. „Für mich ist wichtig, dass wir keine 180-Grad-Drehung machen“, betonte Hellmann mit Blick auf die Strategie. Es gehe auch auf dem Transfermarkt nicht darum, alles über den Haufen zu werfen: „Wir modifizieren etwas und passen die Dinge den Gegebenheiten auf dem Markt an.“
Entschlossen trat der neue Vorstandsvorsitzende deshalb der Befürchtung entgegen, der Eintracht könne nach den fetten Europapokal-Jahren und dem Abgang ihres Sportchefs ein schleichender Erosionsprozess drohen. Ähnlich wie einst Borussia Mönchengladbach, das nach regelmäßigen Champions-League-Teilnahmen und dem damaligen Abgang von Sportdirektor Max Eberl dauerhaft ins graue Bundesliga-Mittelmaß und die untere Tabellenhälfte abrutschte.
„Ändert das aber eine grundsätzliche Power und Leistungsfähigkeit, die ein Klub hat? Deswegen muss man daraus nicht ‚Gladbach 2.0‘ machen und auch nicht der Meinung sein, dass die Welt für uns eine andere ist innerhalb von einem Jahr“, stellte Hellmann unmissverständlich klar. „Sie ist es nicht. Sie verlangt nur, dass wir adaptieren.“ (adp)