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Die Volleyball-Bundesliga leidet unter Problemen im Männer-Sport

Die Liga hat sich mit einem Hilfsprogramm gut entwickelt, drei Ostklubs tragen zur Stabilität bei. Doch auch in der neuen Saison ist das Gefälle groß.

Klein gegen Groß: Warnemündes Jan-Philipp Krabel (M.) gegen die Titelanwärter aus Lüneburg

Wie überall bestimmen auch in der Volleyball-Bundesliga die Spitzenteams die Wahrnehmung: Dauermeister und Ligakrösus BR Volleys, die Herausforderer von der SVG Lüneburg und der alte Rivale der Berliner VfB Friedrichshafen. Doch das Allgemeinbefinden einer Liga kann man nicht zuallererst von den Gesündesten aus beurteilen, sondern vielmehr von der Verfassung des tragenden Unterbaus.

Zu Beginn der neuen Spielzeit, die am Dienstag mit den ersten Spielen gestartet ist, duellierten sich etwa der SV Warnemünde und die Volley Goats Mitteldeutschland, zwei von drei Erstligisten aus dem Osten. Die Volleyballer von der Osteeküste gewannen mit 3:2. Dritter Ostklub im Bunde sind die Netzhoppers Königs-Wusterhausen, die am Mittwochabend ihr Heimspiel mit 2:3 gegen Giesen verloren haben.

Dass Klubs wie Warnemünde und die aus Bitterfeld stammenden Volley Goats überhaupt in der Bundesliga spielen, hat seinen Ursprung in den Jahren 2022 und 2023. Nach diversen Insolvenzen drohten die Vereine auszugehen, gerade noch acht Klubs waren bundesligatauglich. Zu wenig für einen attraktiven Spielbetrieb. Also machte der Ligaverband VBL vier Zweitligisten die Option schmackhaft, als sogenannte Paketaufsteiger zusammen ins Oberhaus zu wechseln und sich innerhalb von zwei Jahren mit einer Nichtabstiegsgarantie dort zu akklimatisieren.

Erfolgreiches Konzept

So wurde damals ein neuer Keller in das Bundesliga-Gebilde eingezogen, in dem sich die Klubs langsam an das Niveau herantasten konnten und dennoch nicht Gefahr liefen, über nahezu jedes Spiel zu verlieren, da es mindestens drei anderen Teams ja genauso ging. Der finanzielle Druck wurde damit ebenfalls verringert. Drei Jahre später kann man sagen: Das Konzept ging bislang voll auf. Stetig kamen neue Aufsteiger wie Warnemünde und nun auch die Rückkehrer vom TV Rottenburg dazu, die mit einem 0:3 gegen Düren gestartet sind. Die Liga hat mit 14 Teams nun eine gesunde Stärke.

Diese gute Entwicklung lässt sich am besten an einem Beispiel illustrieren: Der einstige VC Bitterfeld-Wolfen spielt jetzt unter dem einigermaßen sperrigen, aber lukrativen Namen Cerebricks Volley Goats Mitteldeutschland, geht in seine vierte Erstligasaison und trägt mangels einer Alternative im eigenen Landkreis seine Heimspiele mittlerweile in Halle an der Saale in einer modernen Arena statt wie zuvor in einer besseren Turnhalle aus. »Wir haben den Schritt, in die 1. Liga zu gehen, nie bereut«, sagt Geschäftsführer Lukas Thielemann. »Wir haben uns jedes Jahr stetig weiterentwickelt. Grundsätzlich ist alles genauso aufgegangen, wie wir uns das erhofft hatten.«

Der Etat habe sich seit dem Bundesligastart vor drei Jahren mit etwa 400.000 Euro nun um etwa ein Drittel erhöht, berichtetet Thielemann von positiven Zahlen. Nun ist es die Herausforderung, am neuen Standort in Halle neue Quellen zu erschließen und alte Bitterfelder Weggefährten mitzunehmen. »Es ist anspruchsvoll, diesen Umzug zu begleiten und neue Beziehungen aufzubauen«, räumt der Geschäftsführer ein. Schließlich muss sich Spitzenvolleyball in Halle erst etablieren. Er kenne nicht wenige Managerkollegen, »die ihren Laden zumachen müssten, wenn sie in eine andere Stadt umziehen würden«, berichtet er. »Uns geht es gut, uns gibt’s noch, aber natürlich bewegt man sich im Spannungsfeld zwischen zwei Städten.«

»Diese Herausforderung hat kein anderer Klub«, sagt Thielemann. Doch für die Bitterfelder war der Weg alternativlos. »Jeder, der die alte Halle kennt und nun in der neuen zu Gast ist, braucht ungefähr drei Sekunden, um zu erkennen, dass das zehn Level besser ist. Die Attraktivität ist enorm gestiegen, die Resonanz durchweg positiv.« Zuvor passten knapp 400 Fans in die enge Bernstein-Halle in Friedersdorf, nun werden im Schnitt 850 bis 1000 Zuschauer erwartet.

Im vergangenen Jahr wäre Mitteldeutschland abgestiegen, wenn sich nicht Konkurrent ASV Dachau aus wirtschaftlichen Gründen zurückgezogen hätte sowie Unterhaching und Herrsching zu den Volleys München fusioniert wären. Ein Glücksfall, den sie nun nutzen und aus den Fehlern wie falscher Kaderzusammenstellung lernen wollen. Mit einer nahezu neuen Mannschaft und neuem Trainerteam soll es besser werden. »Unsere sportliche Leistungsfähigkeit ist aktuell so hoch wie noch nie«, meint Thielemann. »Das ist das beste Team und das beste Trainerteam, was wir je hatten – vor allem in Kombination.« An diesem Freitag können sie es im ersten Heimspiel gegen die Volleyballer aus Königs-Wusterhausen beweisen.

Das Ziel in Halle ist, zu keinem Zeitpunkt in dieser Saison etwas mit dem Abstieg zu tun zu haben. »Aber wir schielen auch auf die Playoffs«, so Thielemann, also eine Hauptrundenplatzierung unter den ersten Acht. Fünf, sechs Teams scheinen für die ersten Plätze gesetzt: Meister BR Volleys, Lüneburg, Friedrichshafen, Düren sowie Giesen und vielleicht noch der neu formierte Klub aus München. So waren der Auftaktsieg der Berliner beim 3:0 gegen Freiburg eine Pflichtaufgabe, auch die Friedrichshafener gewannen am Mittwochabend mit 3:1 in München. Überraschend kam hingegen die glatte 0:3-Niederlage der Lüneburger in Karlsruhe.

Grandiose Entwicklung

Hinter den nominell Großen ist das Rennen um die weiteren Ränge völlig offen. »Die Entwicklung ist grandios. Die Bundesliga war in den letzten zehn Jahren nie so attraktiv wie aktuell«, findet Thielemann. Der Konkurrenzkampf zwischen Platz sechs und 14 verspreche einen starken, offenen Wettbewerb. »Das Niveau nähert sich immer mehr an, das tut der Spannung gut und das wird sich in Zukunft noch verstärken«, denkt der erst 28 Jahre alte Manager.

Auch Kim Renkema, eine der Geschäftsführerinnen des Ligaverbandes VBL, freut die sportliche Entwicklung. Doch sie betont: »Finanziell ist noch viel zu tun, damit auch die unteren Klubs Schritte gehen, um sich ins Mittelfeld oder Richtung Spitze zu entwickeln.« Es gebe nach wie vor eine riesige Lücke zwischen den Spitzenetats etwa der Berliner, die sich geschätzt im Bereich zwischen drei und vier Millionen Euro bewegen, und den Vereinen im letzten Drittel mit niedrigen sechsstelligen Budgets. »Wir müssen finanziell definitiv weitere Schritte gehen, um auch mehr Wettbewerb an der Spitze reinzubekommen.«

Ebenso essenziell für die weitere Entwicklung ist aus Renkemas Sicht, einen regulären sportlichen Wetkampfbetrieb mit Auf- und Abstieg zu etablieren. »Es ist wichtig, dass man Wettbewerb hat – auf allen Ebenen der Liga. Dann kann ein Abstiegskampf ja fast genauso spannend sein wie der Kampf um den Titel«, sagt die Vermarkterin der Liga. Dazu müsse weiter Überzeugungs- und Aufbauarbeit in den zweiten Ligen geleistet werden. »Wir haben immer mehr Klubs, die die Möglichkeiten eines Aufstiegs sehen. Die Paketaufsteiger haben es vorgemacht«, betont sie. Dafür schraubte die VBL auch die finanziellen Anforderungen nach unten, um die Einstiegshürde nicht zu hoch zu machen.

Das Bestreben des Verbandes ist es nun, ebenso wie bei den Frauen auch für die Männer einen Ligasponsor zu finden. Doch das ist bei den Männern schwerer, weiß Renkema. »Bei den Männern ist die ganz große Herausforderung, dass sie auch mit Männersportarten verglichen werden.« Und da ist die Konkurrenz mit Fußball, Eishockey, Handball und Basketball groß. »Das sind extrem starke Reichweiten-Sportarten, da tut sich Volleyball schwer«, weiß Renkema. »Bei den Frauen sind wir gemeinsam mit Fußball eben ganz oben, bei den Männern nicht.«

Mann müsse Merkmale finden, die den Volleyball der Männer ausmachten, und dann Partner mit einer Affinität zur Sportart finden. Immerhin gibt es in dieser Saison mit dem Reiseveranstalter Schauinslandreisen erstmals einen Schiedsrichter-Partner für das Männer-Oberhaus. Daraus lässt sich im besten Falle, wie mit dem Partner Dekra bei den Frauen geschehen, auch ein Namenssponsoring für die gesamte Liga entwickeln. Dafür sind wiederum wirtschaftliche Stabilität an gesunden Standorten, sportlicher Wettbewerb mit Spannung und Attraktivität sowie funktionierendem Auf- und Abstieg maßgeblich. Und dafür braucht es Duelle wie Warnemünde gegen Mitteldeutschland.

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