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ÖSV-Sportdirektor Stecher: "Vielen wurden mal die Augen geöffnet"
ÖSV-Sportdirektor Stecher: "Vielen wurden mal die Augen geöffnet"
Foto: © GEPA

LAOLA1: Bevor die neue Saison beginnt: Wie ist die Analyse der vergangenen Saison ausgefallen? Was muss der ÖSV anders machen?

Mario Stecher: Du musst immer ein bisschen umdenken, wenn du wieder dasselbe machst wie in der letzten Saison, hast du schon verloren. Auf dem Weg noch weiter nach oben sind Kleinigkeiten entscheidend. Wenn du Julia Scheib fragst, was sie im Vergleich zum letzten Winter anders macht, sind das nur Details. Selbstvertrauen zu haben, ist unglaublich wichtig. Wir müssen daran glauben, dass wir in Österreich Skifahren können. Dann werden viele Dinge wieder funktionieren.

LAOLA1: Hängt es wirklich nur am Selbstvertrauen?

Stecher: Nicht nur. Wir waren letzten Winter bei den Männern nicht gut in der Abfahrt. Da hat man natürlich angesetzt und versucht, wieder einen Schritt zu machen, vor allem in Hinblick auf die WM. Crans Montana ist eine Abfahrt, wo man gleiten können muss. Das war sicher ein Manko in der letzten Saison, daran hat man gearbeitet. Jemand, der sowas kann, ist Stefan Eichberger, der war vergangenen Winter verletzt. Es wurde auch am gesamten Setup gearbeitet, wie man das Material einstellt. Da hoffen wir, dass was gefunden wurde, das Früchte trägt. Per se Skifahren können die alle.

LAOLA1: In den letzten Jahren wurde oft der Vergleich mit der Schweiz strapaziert, die uns als Ski-Nation Nummer eins abgelöst hat. Hat Österreich im vergangenen Winter wieder aufgeholt?

Stecher: Ja, das hat man auch gesehen, im Nationencup und auch in einzelnen Disziplinen. Im Riesentorlauf zum Beispiel ist Stefan Brennsteiner lange um die Kugel mitgefahren. Oder im Slalom, wo wir mit dem Kitzbühel-Sieg von Manuel Feller oder Olympia-Silber von Fabio Gstrein extrem gute Ergebnisse hatten. Da hat man gesehen, dass man der Schweiz vielleicht sogar ein bisschen voraus ist. Auch im Super-G haben wir viele richtig Gute. Mich freut auch, wie sich zum Beispiel Ariane Rädler nach Olympia präsentiert hat. Das hat ihr sicher sehr viel Selbstvertrauen eingeimpft.

Ich habe insgesamt keine Sorgen, weil wir wirklich sehr, sehr viele gute Skifahrer:innen in den Nachwuchsreihen haben.

Stecher über den Ski-Nachwuchs

LAOLA1: Conny Hütter, Vincent Kriechmayr, Manuel Feller – bei einigen Leistungsträgern rückt das Karriereende näher. Müssen sich die Fans darauf einstellen, dass die Erfolge weniger werden?

Stecher: Nein, ich habe insgesamt keine Sorgen, weil wir wirklich sehr, sehr viele gute Skifahrer:innen in den Nachwuchsreihen haben. Es schaut oftmals vielleicht so aus, als ob da niemand nachkommen würde, aber es geht dann im Sport oft schnell, dass ein Nachwuchstalent hochkommt. Dass ein Lukas Feurstein in der erweiterten Weltspitze mitfährt, hätte sich bis vor kurzem keiner vorstellen können. Man muss auf der anderen Seite auch geduldig sein und diesen jungen Leuten die Möglichkeit geben, einen Schritt nach dem anderen zu machen.

LAOLA1: Wird den jungen Athlet:innen oft zu viel Druck gemacht?

Stecher: Wenn man zu einem 2009er-Jahrgang jetzt sagt, du musst nächstes Jahr im Europacup reüssieren und in zwei Jahren im Weltcup fahren, wäre das vermessen. Das geht einfach nicht. Damit machst du ja noch mehr Druck. Das wäre einfach fatal und das würden wir sicher nicht machen. Die jungen Sportler:innen können ja nichts dafür, dass wir personell gerade vielleicht etwas dünner aufgestellt sind.

LAOLA1: Du bist seit 2024 im Amt, hast einige strukturelle Veränderungen angestoßen - unter anderem eine bessere Zusammenarbeit mit den Schwerpunktschulen und ein gemeinsames skitechnisches Leitbild. Funktioniert das alles wie gewünscht?

Stecher: Ich glaube schon, dass wir in den letzten zwei Jahren einen guten Schritt gemacht haben, gemeinsam mit Christian Mitter (ÖSV-Alpinchef; Anm.), der technische Inputs vorgibt und es auch so plausibel weitergibt, dass es für alle verständlich ist. Unser Nachwuchs-Chef Harald Kirchmair arbeitet Tag und Nacht unermüdlich, damit wir die Landes-Skiverbände und Ski-Schwerpunktschulen einbinden. Da sehe ich gute Fortschritte. Wir haben damals ja das Projekt 2030 gestartet. Da sind aus den 2009er-Jahrgängen zum Beispiel ein Wieser Serverin oder Wurzer Theo in ihren Disziplinen die Nummer drei oder vier der Welt. Aber wenn man dann auf der anderen Seite schaut, wo wir mit anderen Jahrgängen in der Weltrangliste sind, muss man sich nach der Decke strecken und auf diese Leute letztlich hoffen. Wir haben bei den Burschen zwei sehr gute im 2006er-Jahrgang. Wir haben Natalie Falch, Leonie Raich oder Maja Waroschitz – die können alle gut Skifahren. Das müssen wir ihnen aber auch verständlich machen. Alles in allem braucht einem für die Zukunft nicht Angst und Bange sein.

Keiner von uns möchte Lisa in so einer großartigen Verfassung verlieren, in der sie gerade ist. Man muss man froh sein, wenn sie dabei ist.

Stecher über Lisa Eders Rücktritt vom Rücktritt

LAOLA1: Wechseln wir zu den Nordischen. Bei den Skispringerinnen gab es im Sommer den Rücktritt samt Rücktritt vom Rücktritt von Lisa Eder (Anm. nun Lisa Fettner). Ist in dieser Causa aus ÖSV-Sicht alles ideal gelaufen?

Stecher: Im Endeffekt ist es ideal gelaufen, weil sie wieder da ist. Und weil man eine Lösung gefunden hat, die für alle Seiten passt. Keiner von uns möchte Lisa in so einer großartigen Verfassung verlieren, in der sie gerade ist. Und wenn man sich ansieht, wie sich das Teamgefüge in den letzten Jahren verändert hat, muss man froh sein, wenn sie – und auch Eva Pinkelnig - dabei ist. Aber man muss auch standhaft bleiben. Wir können bei Franziska Gritsch, die in einer ähnlichen Situation war, nicht sagen, es ist nicht möglich und jetzt bei Lisa das Gegenteil machen. Das ist unglaubwürdig.

LAOLA1: Ist der ÖSV nach ihrem Rücktritt nochmal auf Lisa Eder zugekommen oder umgekehrt?

Stecher (zögert): Man ist auf einander zugekommen. Es hat dann Gott sei Dank noch angefangen zu funktionieren. Als wir ihr gesagt haben, was ein Rücktritt für Folgen haben kann – Stichwort Bundesheer zum Beispiel – sind wir dann auch zusammengekommen, das ist das Wichtigste. Dass Manuel Fettner, der über zig Jahre als Skispringer tolle Leistungen geboten hat, insgesamt einen unglaublichen Mehrwert geben kann, ist unbestritten. Es ist letztlich eine Lösung gefunden worden, mit der die anderen Frauen im Team einverstanden sind. Wenn da die Fronten abgeklärt sind, kann es auch funktionieren.

LAOLA1: Das heißt, Manuel Fettner wird auch den anderen Athletinnen Input geben, wenn es gewünscht ist?

Stecher: Wenn es gewünscht ist, ja, aber komplett auf seine eigene Initiative hinaus. Er wird finanziell nicht vom ÖSV unterstützt. Er macht es einfach, weil die Lisa ihn an ihrer Seiten haben will. Das finde ich sehr positiv.

Ich glaube, dass Wolfgang vielen einmal die Augen geöffnet hat.

LAOLA1: Auch im Biathlon-Lager gab es nach der vergangenen Saison Aufruhr. Einige Athlet:innen sollen sich an dich gewandt haben, weil sie mit gewissen Strukturen und der Arbeit von Christoph Sumann (Sportlicher Leiter Biathlon; Anm.) nicht zufrieden waren. Hat es da eine Aussprache gegeben bzw. wurde auf die Wünsche der Athlet:innen eingegangen?

Stecher: Vorneweg: Die Anschuldigungen gegen den Sumi sind etwas, das man unter vier Augen lösen sollte und nicht über die Zeitungen. Dass er zu Saisonende nicht in Oslo war, war von langer Hand geplant und das war schließlich nicht die einzige Möglichkeit, mit potenziellen neuen Trainern zu sprechen. Es ist in dieser Situation definitiv nicht einfach gewesen, jemanden zu finden. Ich glaube, dass man sich unglaubliche Mühe gegeben hat und letztlich mit Wolfgang Pichler jemanden gefunden hat - auch wenn er schon in einem fortgeschrittenen Alter ist – der überall wo er war, Erfolg hatte. Es haben jetzt im Frühjahr/Sommer schon sehr viele Leute verstanden, warum er oft Erfolg mit sich bringt. Dass man einfach trainieren muss dafür. Dass man einen klaren Plan haben muss, den man tagtäglich verfolgt und an oder über seine Grenzen gehen muss. Das hat er ihnen eingebläut. Ich glaube, dass da jetzt ein bisschen eine andere Denke ist. Das kann für die Zukunft ein Mehrwert sein. Eines möchte ich auch aber auch klar sagen.

LAOLA1: Bitteschön!

Stecher: Wir haben ja nicht Trainer in dem Sinn ausgewechselt. Der Cheftrainer ist gegangen, weil er mit dieser Konstellation nicht einverstanden war, weil er sich da nicht selbst verwirklichen konnte. Das ist in Ordnung. Wir haben einen Pool an Trainern, die sehr gut arbeiten. Aber man muss ihnen vielleicht einmal den nächsten Schritt zeigen und zeigen, warum sie die letzten Jahre auf dem Holzweg waren. Das ist passiert. Ich glaube, dass Wolfgang (Pichler; Anm.) vielen einmal die Augen geöffnet hat. Es wird wirklich eifrig gearbeitet.

LAOLA1: Wie soll sich das sportlich niederschlagen?

Stecher: Bei den Frauen kann es schnell gehen, dass man wirklich mit den Besten mitmischt. Da nehme ich auch eine Anna Gandler nicht aus, auch wenn sie sich auf eigene Faust vorbereitet. Sie ist im Winter wieder ganz normal in die Mannschaft und überall integriert. Im Service-Bereich haben wir eine neue Struktur, da wird jetzt glaube ich auch ein unglaublicher Schritt passieren. Das einzige, das ich sehr bedauere, ist, dass Fabian Müllauer seinen eigenen Weg geht und nicht mit dem ÖSV trainiert. Er ist ein relativ junger Athlet und es braucht vielleicht noch drei, vier, fünf Jahre, bis wir wieder eine schlagkräftige Mannschaft zur Verfügung haben.

LAOLA1: Vielen Dank für das Gespräch!

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