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Ein Überfall auf Eintracht-Fans, gestohlenes Choreografie-Material und ein brisantes Derby vor der Brust. Was sich vor dem Duell zwischen Eintracht Braunschweig und Hannover 96 abgespielt hat, könnte am Sonntag (25. Oktober) auch im Stadion zum Problem werden. Denn die geraubte Choreo bietet reichlich Zündstoff für weitere Provokationen.
Was, wenn Hannover-Fans Teile der Beute in den Gästeblock bringen und dort präsentieren? Vergleichbare Aktionen führten andernorts bereits zu Platzstürmen, Spielunterbrechungen oder eingestelltem Support. Die Polizei Braunschweig hat dieses Szenario auf dem Schirm, wie ein Sprecher gegenüber News38 bestätigt.
📌Der Choreo-Raub
- Tatort: Am 11. Oktober wurden Eintracht-Fans bei Choreo-Vorbereitungen in der Braunschweiger Millennium-Halle überfallen.
- Beute: Die Angreifer entwendeten Fanmaterial, darunter Teile der geplanten Derby-Choreografie.
- Ermittlungen: Die Polizei ermittelt wegen des Verdachts des Raubes und des Landfriedensbruchs.
- Nächste Begegnung: Eintracht empfängt Hannover 96 am Sonntag (25. Oktober) um 13.30 Uhr.
„Die Möglichkeit einer Provokation durch die Präsentation dieses geraubten Materials ist der Polizei bewusst und fließt in unsere Lageeinschätzung und Einsatzvorbereitung ein“, erklärt Polizeisprecher Nils Bader gegenüber News38. Dabei stehe man auch mit Eintracht Braunschweig in Kontakt.
Die Einlasskontrollen sind Aufgabe des Heimvereins. Die Polizei unterstütze diesen aber beratend, auch wegen der Gefahr eingeschmuggelter Pyrotechnik. Ob Hannover-Anhänger tatsächlich versuchen werden, Teile der Choreo ins Stadion zu bringen, ist offen.
Ganz aus der Luft gegriffen ist die Befürchtung allerdings nicht. Schon beim Hannover-Heimspiel gegen St. Pauli am vergangenen Samstag wurden in der 96-Kurve Bannerstücke präsentiert, bei denen es sich um Teile der Braunschweiger Choreografie handeln soll.
Wie schnell derartige Provokationen eskalieren können, zeigte erst im April das Zweitligaspiel zwischen Dynamo Dresden und Hertha BSC. Nachdem Dresdner Fans eine entwendete Hertha-Fahne präsentierten und verbrannten, überwanden Anhänger beider Lager die Absperrungen. Es kam zu heftigen Auseinandersetzungen. Die Polizei musste auf dem Spielfeld eingreifen, die Partie wurde rund 20 Minuten unterbrochen. Etwa 600 Berliner Fans verließen das Stadion vorzeitig.
Auch 2019 hatte eine gestohlene beziehungsweise zurückgelassene Zaunfahne drastische Folgen. Fans des 1. FC Kaiserslautern präsentierten bei Preußen Münster ein altes Banner der Münsteraner Gruppe „Curva Monasteria“. Dazu zeigten sie provozierende Spruchbänder. Mehrere Preußen-Anhänger stürmten daraufhin in den Innenraum, einige sogar auf den Rasen, sorgten für eine Spielunterbrechung.
Doch eine Provokation mit erbeutetem Fanmaterial muss nicht zwingend Gewalt auslösen, um das Spiel zu beeinflussen. Sie kann auch dazu führen, dass eine Fankurve verstummt. Beim Derby zwischen Nürnberg und Bayern 2014 präsentierten Club-Ultras eine gestohlene Münchner Zaunfahne und zerrissen sie. Die Schickeria stellte daraufhin den organisierten Support ein. Einige Bayern-Anhänger verließen vorzeitig das Stadion.
Ähnliches passierte 2017 beim Spiel zwischen Wolfsburg und Dortmund. BVB-Fans zerstörten eine entwendete Fahne der Wolfsburger Gruppe „Commando Ultra“. Teile der VfL-Kurve stellten ihre Unterstützung ein, der Vorsänger verließ seinen Platz. Nach Abpfiff kam es zudem zu einem versuchten Vorstoß in Richtung Gästeblock.
Ein Fall aus Österreich weist besonders deutliche Parallelen zum aktuellen Choreo-Raub auf. Im April 2023 entwendeten mutmaßliche Rapid-Anhänger vorbereitete Choreografie-Materialien von Austria Wien. Die betroffene Ultra-Gruppierung „Viola Fanatics“ löste sich nach dem Verlust auf. Beim anschließenden Wiener Derby präsentierten Rapid-Fans die Beute und zerrissen sie demonstrativ.
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Für das Niedersachsen-Derby ist all das kein Beleg dafür, dass es zu vergleichbaren Szenen kommen wird. Die Fälle zeigen jedoch, weshalb der Choreo-Raub weit über eine Provokation im Vorfeld hinausgeht. Schon ein einzelnes Banner kann eine aufgeheizte Partie erheblich beeinflussen.
Die Polizei Braunschweig berücksichtigt diese Möglichkeit bei ihren Vorbereitungen. Ob die gestohlenen Choreo-Teile am Sonntag tatsächlich noch einmal auftauchen, bleibt offen.