Zurück
Erst vor knapp zwei Monaten verließ Rayan Philippe den HSV in Richtung Paderborn. Doch die Art und Weise, wie er verabschiedet wurde, passt ihm gar nicht.
Dieses Wiedersehen hat es in sich. Weil sie im Volkspark keine größere Verwendung mehr für ihn hatten, wechselte Rayan Philippe vor zwei Monaten auf Leihbasis nach Paderborn. Am Samstag nun (15.30 Uhr, Liveticker auf MOPO.de) empfängt der Angreifer mit seinem neuen Verein seinen alten Klub – und hat definitiv eine Rechnung offen. Denn die Art des Abschieds vom HSV hat Spuren bei ihm hinterlassen. „Es war keine leichte Situation für mich“, sagte Philippe der MOPO.
Er macht aus seinem Herzen keine Mördergrube. „Dieses Spiel ist natürlich etwas Besonderes für mich“, erzählt der Franzose, der am Freitag 26 Jahre alt wird. „Vor zwei Monaten war ich ja selbst noch Teil der HSV-Mannschaft. Ich werde viele Freunde wiedersehen.“ Klar sei allerdings: „Mein Ziel ist es, dass wir dieses Spiel gewinnen. Da möchte ich mit Toren oder Vorlagen helfen.“
Qualitäten, die sie in Hamburg kürzlich nicht mehr so sehr zu schätzen wussten, dass ein Verbleib Sinn gemacht hätte. Trotz einer ordentlichen Vorsaison (28 Einsätze, fünf Tore) und guter Leistungen in der Vorbereitung (mit Treffern gegen Heidenheim und Lille), wurde Philippe unmittelbar vor dem Ende der Transferperiode darüber informiert, wie misslich seine Lage sei. Im Zuge der Verpflichtung von Fábio Vieira (kam für acht Millionen Euro von Arsenal) schenkte Merlin Polzin Philippe reinen Wein ein. „Die Situation hatte sich mit Fábios Wechsel verändert“, so der HSV-Trainer. Er habe mit Philippe offen darüber gesprochen, „dass sich seine Spielzeit vielleicht nicht erhöht“. Ein Wink mit dem Zaunpfahl.
Auch Philippe hat diesen Austausch mit Polzin, der sich Ende August im Volkspark ereignete, noch bestens in Erinnerung – aber in keiner guten. „Natürlich ist es nicht einfach, wenn man eine gute Saisonvorbereitung spielt, Tore schießt und der Trainer dir zwei Tage vorm Ende der Transferperiode sagt: ‚Wenn du spielen willst, musst du gehen‘“, bekennt der Stürmer. „Es war ein schwieriges Gespräch. Ich hatte dann keine Wahl – ich musste gehen.“ Und weiter: „Für meinen Berater und mich war es schwierig, in der Kürze der Zeit einen Verein zu finden. Zum Glück hat sich dann die Tür in Paderborn für mich geöffnet.“ Philippe weiß aber auch: „Wahrscheinlich gehört das im Fußball-Business dazu. Ich bin nicht der Erste und werde nicht der Letzte sein, der vor so einer Situation steht.“
Nun also Paderborn statt Hamburg. Ein erheblicher Unterschied in Bezug auf Stadt und Verein. Doch Philippe gefällt es in Ostwestfalen: „Ich fühle mich sehr wohl. Es ist alles etwas kleiner als in Hamburg, aber sehr familiär. Das gilt auch für den Verein. Es gefällt mir.“
Die WochenMOPO – ab Freitag neu und überall, wo es Zeitschriften gibt!
• Nachbarn von HSV-Profi in Angst: Seine Hunde sorgen für Ärger
• Tod von Kenneth († 24): Verprügelt und zum Sterben abgelegt?
• 16 Seiten Sport: Dieser Neuzugang ist das Gesicht des HSV-Aufschwungs
• 36 Seiten Kultur und Rätsel: Bär und Tigerente gegen den Herbst-Blues
Sportlich lief es bislang allerdings noch nicht komplett rund. Zwar kam er nach seinem Wechsel in jeder Partie zum Einsatz, allerdings nur einmal von Beginn an: direkt nach seiner Ankunft gegen Freiburg. Zuletzt war Philippe Reservist und wartet noch auf den Durchbruch bei seinem neuen Verein. „Aber ich musste mich hier erst einleben und alles kennenlernen – den Verein, die Kollegen, den Spielstil“, stellt er fest. „Mir war bewusst, dass das etwas Zeit brauchen würde. Ich will mich so schnell wie möglich steigern, bleibe aber geduldig.“
Kürzlich hätte es beinahe mit dem ersten Volltreffer funktioniert. Beim 2:2 des SCP in Bremen traf Philippe in Hälfte zwei den Pfosten. Dass insbesondere der HSV-Anhang ihn für einen Treffer gegen den Erzrivalen von der Weser gefeiert hätte, war dem Franzosen bewusst: „Vor dem Spiel habe ich mir Gedanken darüber gemacht, was Duelle mit Werder für die HSV-Fans bedeuten und was es ihnen bedeutet hätte, wenn ich ein Tor geschossen hätte.“
Möglich, dass Philippe sich nun erst so richtig warmgeschossen hat. Sollte sein Knoten am Samstag gegen den HSV platzen, wäre das mal wieder eine dieser besonderen Geschichten, die der Fußball zu bieten hat. Die Frage aller Fragen: Würde Philippe in diesem Fall jubeln – oder verkneift er sich das?
Da muss er lachen, als er die Frage hört, und schaut kurz zur Zimmerdecke. „Ich werde sicherlich nichts Verrücktes machen, so viel kann ich sagen“, gibt er dann zu verstehen. „Ich will nicht so ein Typ sein, der übertreibt. Die Vereine, bei denen ich gespielt habe, haben auch viel für mich getan.“ Schmunzelnd ergänzt er dann: „Aber vielleicht wäre es etwas Besonderes, wenn ich jetzt gegen den HSV treffe.“ Ein Gruß aus der Ferne an Polzin, ehe es am Samstag zu einem feurigen Wiedersehen kommen könnte.