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Playmobil Bundesliga-Packs: SVE-Startelf für fast 600 Euro?

Bundesliga im SpielregalSammelspaß oder Suchtgefahr? Neue Playmobil-Blind-Packs in der Kritik

Exklusiv | Saarbrücken · Mit den Bundesliga-Blind-Packs bringt Playmobil Sammelfiguren aller 18 Erstligisten auf den Markt. Doch das Zufallsprinzip, der hohe Preis und die Zielgruppe im Kindesalter werfen Fragen auf.

Diese Playmobil-Spielfiguren sorgen für Ärger: Hier streiten sich der Kölner Joël Schmied und der Elversberger David Mokwa.
Diese Playmobil-Spielfiguren sorgen für Ärger: Hier streiten sich der Kölner Joël Schmied und der Elversberger David Mokwa.

Der bekannte Spielwarenhersteller Playmobil hat seit Beginn dieser Saison eine Kooperation mit dem Lieblingszeitvertreib vieler Deutscher: der 1. Fußball-Bundesliga. In drei Varianten sogenannter „Blind Packs“ können alle Spieler der 18 Bundesligisten gekauft und gesammelt werden. Natürlich ist auch der saarländische Überraschungsverein, die SV Elversberg (SVE), dabei. Doch junge und erwachsene Sammelfans erleben an saarländischen Discounter-Kassen, in Drogerien und Spielwarenabteilungen mitunter eine böse Überraschung: Das Ganze beruht auf dem Zufallsprinzip – Käufer wissen nicht, welcher Spieler in den schimmernden Packs steckt. SZ-Leser haben sich an die Zeitung gewandt und sprechen von „Abzocke“.

Playmobil-Bundesliga-Kooperation: Die Jagd nach dem Wunschspieler

SVE-Fans erlebten zuletzt das Unglaubliche, ihr Verein marschierte schnurstracks in die Bundesliga ein. Kein Wunder also, dass Fans Erinnerungen an diesen Wahnsinn auf unbestimmte Zeit schaffen wollen. Das Problem: Bis man die SVE-Startelf zusammen hat, dauert es – und kostet viel Geld. Man kann sich das so vorstellen: Es gibt drei Varianten dieser Packs, darin wird ein Spieler aus einer Auswahl von sechs Fußballclubs versteckt. Zusammen mit der SVE kann man etwa Werder Bremen oder Schalke 04 erwischen. Die Chance, einen SVE-Spieler zu ziehen, liegt bei 11 zu 66 (16,67 Prozent). Es braucht also durchschnittlich sechs Packungen für den ersten Spieler. Mit jeder neuen Figur wird es schwieriger. Weil es auch möglich ist, Spieler doppelt zu ziehen, braucht man für den zweiten SVE-Spieler im Schnitt mehr Packungen. Für den dritten werden es noch mehr – und so weiter. Für ein komplettes Team müssen so durchschnittlich 199,3 Packungen gekauft werden. Bei einem Preis von 2,99 Euro pro Pack ergibt sich ein Gesamtpreis von knapp 600 Euro. Dabei gibt es eine Sache zu beachten: Das ist ein mathematischer Erwartungswert, keine Garantie. Manche Sammler schaffen es günstiger, andere benötigen deutlich mehr Packs.

SZ-Test: Elf Packs, null Elversberger

Und genau darin liegt der Kick: In der nächsten Packung könnte der fehlende Spieler zum Glück stecken. Der nicht repräsentative Test der SZ fiel zumindest unglücklich aus: In elf Packungen fanden wir genau null SVE-Spieler. Fast 33 Euro und kein Treffer! Vor unserem ersten Kauf mussten übrigens die Regale mit den Packs neu befüllt werden, sie waren beim Saarbrücker „Müller“ bereits leer gekauft.

Ein SZ-Leser äußert seine Bedenken: „Was macht ein Fan der SV Elversberg mit einer Figur von Dortmund? Er wirft sie weg.“ Auf SZ-Nachfrage erinnert Playmobil an „eine lang etablierte Sammelkultur, wie man sie beispielsweise von Fußball-Sammelkarten […] kennt“. Das gängige Konzept: „Wer eine Figur doppelt hat oder einen anderen Spieler sucht, kann mit Freunden tauschen“, so die Begründung des Spielwarenherstellers. Die SV Elversberg selbst hat mit der Kooperation zwischen Playmobil und Bundesliga nur indirekt zu tun, betont der Pressesprecher. Der Verein sei lediglich bei der Grundgestaltung der Figuren eingebunden worden.

Auf Nachfrage, ob vor allem Kinder dazu verleitet würden, neue Packs einzufordern oder zu kaufen, sagt Playmobil: Die Kooperation richte sich „insbesondere an erwachsene Fußballfans und Sammler“. Weiter unten in der Antwort heißt es gleichzeitig, dass Playmobil und Fußball auch für „jüngere Fans“ attraktiv sind. Und das ist der springende Punkt.

An vielen Supermarktkassen lockt diese Verpackung bereits.
An vielen Supermarktkassen lockt diese Verpackung bereits.

Simuliertes Glücksspiel im Spielzeugregal?

Neben der Frustration, oder der „Abzocke“, verbirgt sich etwas anderes hinter den Packs, die weder auf einem verbotenen noch auf einem neuen Prinzip beruhen. „Bei Produkten, deren Inhalt vor dem Erwerb unbekannt ist und auf dem Zufallsprinzip beruht, spricht man von simuliertem Glücksspiel“, sagt Johannes Sinnwell von der Landesfachstelle Glücksspielsucht der Caritas in Saarbrücken. Bei diesem simulierten Glücksspiel gebe es im Gegensatz zum echten Glücksspiel keine Altersbegrenzung. „Kinder und Jugendliche werden unter dem Vorwand eines Spiels an glücksspielähnliche Mechanismen herangeführt“, mahnt Sinnwell. „Aus suchtfachlicher Perspektive werden Sammelpacks – wie die von Playmobil – deshalb als durchaus kritisch betrachtet“. Natürlich reagiere jedes Kind anders auf diesen Reiz des Sammelns. Der Suchtexperte warnt: Wenn die Stimmungslage vom Inhalt solcher Packs abhängig gemacht wird, Kinder etwa Wutanfälle haben, schreien oder weinen, sollten die Alarmglocken läuten.

Das sagt Playmobil zum Glücksspiel-Vorwurf

Eine direkte Antwort auf die Frage, inwiefern die Blind-Packs Glückspielelemente enthalten, hat Playmobil nicht. Das Unternehmen spricht von einem „Überraschungseffekt“ und schreibt dazu: „Der Reiz liegt für uns im Sammeln, Entdecken, Spielen und Tauschen und gerade nicht in der Aussicht auf einen finanziellen Gewinn.“ Dieser ist allerdings laut Suchtexperte Sinnwell nur ein Aspekt der drei möglichen Kriterien für das „simulierte Glücksspiel“. Das Zufallsprinzip als solches reiche demnach schon aus, um Kinder zu gefährden. Er appelliert an Hersteller, das Prinzip der „Schadensvermeidung“ ernst zu nehmen: „Produkte für Kinder sollten nicht so gestaltet sein, dass sie Frustration und das Muster des „Verlusten-Nachjagens“ systematisch begünstigen.“

Sinnwells Appell: „Der Kauf von Wundertüten oder Überraschungspacks sollte nicht die einzige Option sein. Wenn Hersteller die Möglichkeit bieten, einzelne Figuren direkt und ohne Zufallsfaktor zu erwerben […], wird dem glücksspielähnlichen Mechanismus der Boden entzogen.“ Finanziell scheint sich die Kooperation zumindest für das Unternehmen Playmobil zu lohnen: „Mit der bisherigen Resonanz auf die Bundesliga-Kollektion und die Kooperation sind wir sehr zufrieden“, heißt es auf Nachfrage. (sas)