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Cristiano Ronaldos Länderspielkarriere ist vorbei und sucht ihresgleichen. Sie hinterlässt unfassbare Zahlen, ikonische Bewegungen und ein unrühmliches Ende.
Portugals Fußball-Nationalmannschaft ohne Cristiano Ronaldo? Man muss schon die 40 Jahre Lebensalter fast erreicht haben, um sich daran noch erinnern zu können. 23 Jahre lang ist Ronaldo für Portugal aufgelaufen, die meiste Zeit als prägender Mann. Als Rekordspieler, Rekordtorschütze und bis zuletzt Kapitän.
Jetzt ist Schluss. Spätestens seit seinem Wechsel nach Saudi-Arabien Anfang 2023 war in Portugal heiß diskutiert worden darüber, ob der alternde Ronaldo nicht doch eher eine Bürde für die Nationalmannschaft ist.
Für die Nationaltrainer war die Situation heikel. Ronaldo war kein normaler Spieler, den man einfach auf die Bank setzen konnte, wenn es sportlich sinnvoll erschien. Die Fliehkräfte einer solchen Entscheidung waren nach Portugals 2:1-Sieg in der Nations League gegen Norwegen zu beobachten.
Ronaldo saß zum ersten Mal überhaupt in einem sportlich relevanten Länderspiel über die volle Spielzeit nur auf der Bank. Als Nationaltrainer Jorge Jesus ankündigte, womöglich auch gegen Dänemark auf Ronaldo zu verzichten, folgte der Knall. Der Kapitän reiste erbost per Privatflieger vorzeitig ab, deutete seinen Abschied an.
Was das für die Zukunft von Portugals Nationalmannschaft bedeutet, ist eine spannende Frage. Ronaldos Schwester Elma Aveiro schrieb verärgert bei Instagram: Portugal verdiene es, "wieder in die Mittelmäßigkeit zurückzufallen, die wir vor CR7 hatten".
Tatsächlich war Portugal im Weltfußball jahrzehntelang eine kleine Nummer - der historische 3. Platz bei der WM 1966 war ein Ausreißer nach oben. Ansonsten gelang nur 1986 und 2002 erneut die Qualifikation zu einer Weltmeisterschaft, beide Male war schon nach der Gruppenphase Schluss.
Bei Europameisterschaften schaffte es die "Goldene Generation" um Luis Figo und Rui Costa immerhin 1996 ins Viertelfinale und 2000 ins Halbfinale, aber erst mit Ronaldo ging noch mehr.
Dessen Länderspielkarriere hatte am 20. August 2003 unspektakulär begonnen mit einer Einwechslung in einem Freundschaftsspiel gegen Kasachstan - Ronaldo war damals 18 Jahre alt. Ein Jahr später ging sein Stern bei der Heim-Europameisterschaft strahlend auf.
Beim 1:2 zum Auftakt gegen Griechenland erzielte er als Joker seinen ersten Treffer. Vom dritten Spieltag an war er Stammspieler. Beim 2:1-Halbfinalsieg gegen die Niederlande führte er Portugal mit einem Tor und einer Vorlage in das erste große Endspiel der Landesgeschichte. Nach der 0:1-Niederlage gegen Otto Rehhagels Griechen weinte Ronaldo bittere Tränen.
Cristiano Ronaldo steht nach dem verlorenen Finale der EM 2004 enttäuscht auf dem Platz
Seit 2008 trägt "CR7" die Kapitänsbinde und 2013 schoss er Portugal im Alleingang zur WM in Brasilien. In den Playoffs gegen Schweden sorgte er für den 1:0-Hinspielsieg und traf beim 3:2 im Rückspiel dreifach.
2016 dann die Krönung: Portugal wurde Europameister. Im Endspiel gegen Frankreich musste Ronaldo schon nach 25 Minuten verletzt raus und trieb das Team fortan als lautstarker Anpeitscher an der Seitenlinie nach vorne. Portugal gewann in der Verlängerung 1:0 und feierte den ersten großen Titel überhaupt.
Cristiano Ronaldo mit dem EM-Pokal
Spätestens damit war Ronaldo ein Nationalheld. Seit dem 1. September 2021 ist er zudem weltweiter Länderspiel-Rekordtorschütze, weil er Irans Ali Daei (109 Tore) überflügelte.
Bei der WM in Katar im Dezember 2022 bekam Ronaldos Status als unantastbarer Führungsspieler erste Risse. Er hatte ein schwieriges Halbjahr bei Manchester United hinter sich mit vorzeitigem Abgang und fand sich plötzlich auch bei Portugal auf der Bank wieder. Nationaltrainer Fernando Santos gab dem damals 37-Jährigen im Achtelfinale nur 16 Minuten Spielzeit und feierte einen fulminanten 6:1-Sieg gegen die Schweiz.
Ronaldo verweigerte am Folgetag das für die Reservisten angesetzte Training, schmorte aber auch im Viertelfinale (0:1 gegen Marokko) zunächst auf der Bank. Nicht wenige rechneten damit, dass sich Ronaldos Länderspielkarriere dem Ende zuneigte, denn nach der WM begann Ronaldos Zeit bei Al-Nassr in Saudi-Arabien, weit weg von der großen europäischen Vereinsbühne.
Doch es kam anders. Ronaldo blieb Kapitän und Leistungsträger, gewann 2023 mit Portugal alle EM-Qualifikationsspiele, erzielte dabei in neun Spielen zehn Tore. 2025 folgte der zweite Titel nach 2018 in der Nations League und bei der WM 2026 stand Ronaldo immer in der Startelf.
Cristiano Ronaldo tägt den Nations League Pokal
Er war da schon 41 Jahre alt und zeigte überschaubare Leistungen. Dass er trotzdem nicht zurücktrat, war eine Überraschung, zumal sein großer Rivale Lionel Messi seinen Abschied aus Argentiniens Nationalmannschaft verkündet hatte.
Ronaldo hatte noch nicht genug. "Die Portugiesen zählen auf mich. Deshalb bin ich immer noch hier", sagte er vor den Nations-League-Spielen Ende September 2026. Das unrühmliche Ende ist bekannt.
Was bleibt, sind die Weltmarke "CR7", 680 Millionen Follower auf Instagram und Ronaldos "signature moves": das breitbeinige Antreten beim Freistoß und insbesondere sein markanter Torjubel, den Kinder und Jugendliche in aller Welt nachahmen und dabei inbrünstig "Siuuu" rufen.
Und es bleibt eine lange Liste an Weltrekorden, an dieser Stelle beschränkt auf die Nationalmannschaft:
Einen weiteren Meilenstein hat Ronaldo fest vor Augen: sein Pflichtspieltor Nummer 1.000. Er wäre der erste Fußballer, der diese Marke knackt. Mehrere Webseiten, darunter die von ESPN, bieten dazu einen Countdown an, es fehlen noch 17 Tore.
Ronaldos Traum war es, das 1.000. Tor im Nationaltrikot zu schießen. Dazu wird es nun nicht mehr kommen.