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Vorzeitig statt frühzeitig: Ben Schlicke hat beim MSV Duisburg noch viel vor
Ben Schlicke (links) fühlt sich beim MSV Duisburg wohl.© FUNKE Foto Services | Alexandra Roth

Ben Schlicke hat sich selbst bei Wikipedia noch nicht gesucht, wie der Abwehrspieler des Drittligisten MSV Duisburg am Mittwoch nach dem Training in Meiderich verriet. Somit wusste er auch nicht, dass es im Internetlexikon bislang nur einen Artikel in englischer Sprache über ihn gibt. Der Beitrag ist zudem relativ kurz. Ben Schlicke lacht: „Was soll da auch groß drinstehen?“ Es ist ja noch nicht so viel in der Laufbahn des Fußballers passiert. Oder doch?

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In den nächsten Jahren wird Ben Schlicke als Spieler des MSV Duisburg die Gelegenheit haben, weitere Inhalte – also Content, wie es so schön heißt – für den Wikipedia-Artikel zu liefern. Der Verein gab am Freitag die Vertragsverlängerung mit dem Innenverteidiger bekannt. Ben Schlicke feierte am Folgetag seinen 21. Geburtstag. Das Wochenende samt Spieltag bot das perfekte Setting für diese Nachricht. Nur sportlich lief es dann nicht nach Wunsch. Der MSV musste sich im Ligaspiel gegen den VfB Stuttgart II nach einer 3:0-Führung nach elf Minuten am Ende mit einem 3:3 begnügen. Die Schwaben crashten mit dem Ausgleichstreffer wenige Sekunden vor dem Ende der Nachspielzeit den sportlichen Teil von Schlickes Geburtstagswochenende.

Offenbar hat Schlicke beim MSV noch viel Zeit, an seiner eigenen Geschichte zu schreiben. Vertragslaufzeiten gibt der Spielverein grundsätzlich nicht bekannt. Das neue Arbeitspapier ist aber eher langfristiger Natur. MSV-Sportchef Chris Schmoldt wies darauf hin, dass in der Pressemitteilung zur Vertragsverlängerung am Freitag nicht das Wort „frühzeitig“, sondern das Wort „vorzeitig“ gestanden hätte. Das mache schon einen Unterschied, so der Kaderplaner. Es hätte noch gar keinen Zeitdruck gegeben, jetzt zu verhandeln und zu verlängern. Aber beide Seiten seien sich jetzt schon einig gewesen, den Weg gemeinsam fortzusetzen. Chris Schmoldt: „Ben hat einfach Bock auf uns.“

Ich habe darüber noch zwei Wochen nachgedacht. Aber jetzt gilt es, nach vorne zu schauen.

Ben Schlicke, MSV-Spieler, über den verpassten Aufstieg

Ben Schlicke wechselte im Sommer 2025 von Drittliga-Absteiger SpVgg Unterhaching zu den Zebras. Er heuerte bei dem Verein an, bei dem sein Vater Björn in der 1. und 2. Bundesliga gespielt hatte. Natürlich war der Rat des Vaters damals wichtig, trotzdem stellte Ben Schlicke schon schnell nach seiner Verpflichtung klar, dass er beim MSV seine eigene, seine persönliche Geschichte schreiben wolle.

Ben Schlicke packt beim MSV-Training mit an.© FUNKE Foto Services | Alexandra Roth

Björn Schlicke kam 2006 vom 1. FC Köln und heuerte damals als gestandener Bundesliga-Profi beim MSV an. Sein Sohn traf 19 Jahre später in einer anderen Rolle in Duisburg ein: nicht als Stammspieler, sondern eher als Entwicklungsspieler, wie er heute sagt. Der Youngster brauchte auch viel Geduld. Zunächst gab es nur ein paar Spielminuten als Einwechselkraft. Doch am Ende zahlte sich Beharrlichkeit aus. Schlicke wurde dann doch noch Stammspieler – auch weil der damalige Abwehrchef Alexander Hahn verletzungsbedingt außen vor war. Ab dem 30. Spieltag gehörte Schlicke immer der Startelf an.

Nicht nur für Wikipedia: Ben Schlicke will früher oder später mit dem MSV Duisburg Zweitliga-Spieler werden. In der vergangenen Saison hätte das fast geklappt, am Ende ging der MSV bei einem dramatischen Saisonfinale aber leer aus. Dies wirkte auch bei Ben Schlicke lange nach, solche spektakulären Spiele hatte er in seiner jungen Laufbahn nicht so häufig erlebt. Schlicke: „Ich habe darüber noch zwei Wochen nachgedacht. Aber jetzt gilt es, nach vorne zu schauen.“

In der aktuellen Spielzeit kommt Ben Schlicke bislang auf neun Einsätze. Damit gehört er zu den Stammkräften. MSV-Trainer Dietmar Hirsch hatte schon in der letzten Saison gesagt, dass Schlicke mit seiner Körpergröße und seiner Präsenz in der Luft in der Fünferkette gut aufgehoben sei. Nun setzt Hirsch in dieser Saison vorrangig auf ein Defensivquintett. Davon profitiert Schlicke nun. Der Spieler selbst sieht da einen leichten Vorteil für sich, unterstreicht aber auch: „Ich kann beide Formationen richtig gut spielen.“ Vielleicht steht das irgendwann auch mal bei Wikipedia. Und das auch noch auf Deutsch.