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Für Karlheinz Förster war es der größte Tag als Spieler und als Kapitän des VfB Stuttgart. Als der Vorstopper aus dem Odenwald am späten Samstagnachmittag des 26. Mai 1984 die silberne Meisterschale in den Stuttgarter Himmel reckte und den 70.000 Fans im ausverkauften Neckarstadion präsentierte, war das "etwas ganz Außergewöhnliches".
Die Schwaben hatten zwar das letzte Saisonspiel gegen den direkten Konkurrenten Hamburger SV mit 0:1 verloren, waren aber dennoch neuer Deutscher Fußballmeister. Schließlich, sagte Förster im Gespräch mit SWR Sport, "wussten wir, dass wir nicht jedes Jahr den Titel holen".
In der Tat. Immerhin 32 Jahre hatte Stuttgart auf diesen glorreichen Tag warten müssen, der letzte Meistertitel davor war noch unter VfB-Legende Robert Schlienz 1952 errungen worden. Zumal der VfB Stuttgart 1984 ein eher unerwarteter Titelträger war: "Das war eine absolute Überraschung", so Förster ehrlich, "Hamburg und Bayern München waren damals die großen Mannschaften als Serienmeister".
Vor allem der Hamburger SV galt als Deutscher Meister und Europapokalsieger des Jahres 1983 erneut als Titelfavorit vor der Bundesliga-Saison 1983/84. "Die hatten eine klasse Mannschaft", spricht Karlheinz Förster auch heute noch voller Hochachtung vom Star-Ensemble der Hanseaten in den 80er Jahren um Trainer-Legende Ernst Happel, "Uli Stein, Felix Magath, Manni Kaltz, Ditmar Jakobs oder Horst Hrubesch waren Top-Spieler, das ist mit dem HSV von heute nicht zu vergleichen".
Förster selbst lieferte sich zahlreiche beinharte Duelle mit dem gefürchteten Mittelstürmer und Nationalmannschaftskollegen Hrubesch. "Er war nicht der Schnellste", sagt Förster über den kopfballstarken Brecher im HSV-Angriff, "aber wenn die Bälle über die Flügel in den Strafraum kamen, dann war der Horst mit seiner Wucht kaum zu bremsen".
Dennoch gelang es den Stuttgartern, den nominell schier übermächtigen HSV - im ersten Jahr ohne den abgewanderten Hrubesch - in der Meistersaison 1983/84 zu düpieren. Dem VfB war bereits ein starker Start gelungen, das Team von Trainer Helmut Benthaus war nach fünf Spieltagen noch ungeschlagen, setzte sich immer wieder an die Tabellenspitze und holte sich vor den Bayern auch die inoffizielle Herbstmeisterschaft. Der HSV lag zu diesem Zeitpunkt nur auf Platz fünf.
Erst im Verlauf der Rückrunde schwächelte Stuttgart einige Wochen, Hamburg wurde stärker, und der Kampf um den Meistertitel wurde schließlich zu einem hochspannenden Kopf-an-Kopf-Rennen mit gleich vier Mannschaften: Nach dem 30. Spieltag trennten Tabellenführer Stuttgart von den Verfolgern Bayern München, Hamburger SV und Borussia Mönchengladbach nur ein einziger Punkt. Zwei Spieltage vor Saisonende lagen der VfB und der HSV mit 48:16 Zählern gleichauf an der Spitze.
Es bahnte sich also ein spektakulärer Showdown um den Meistertitel am letzten Spieltag an, denn da stand ausgerechnet das Duell der Stuttgarter daheim gegen den Hamburger SV an. Dann aber kam doch alles ganz anders: Der HSV verlor zuvor daheim völlig unerwartet 0:2 gegen Abstiegskandidat Eintracht Frankfurt, während der VfB zeitgleich durch das legendäre Tor von Hermann Ohlicher kurz vor Spielende bei Werder Bremen mit 2:1 gewann.
"Mein Bruder Bernd hatte einen Freistoß um die Mauer gezirkelt", hat Karlheinz Förster die Bilder von damals noch genau im Kopf, "Torwart Burdenski konnte den Ball nur abklatschen, und der Hermann hat ihn über die Linie gedrückt". Damit waren die Schwaben praktisch Meister und wurden bereits als neue Champions gefeiert, lagen sie doch vor dem abschließenden Spiel gegen den HSV mit zwei Punkten (bei der damals noch geltenden Zwei-Punkte-Regelung bei Sieg) und dem um neun Treffer besseren Torverhältnis auf Platz eins.
Noch aber gab es einen kleinen Haken an der freudigen Sache: Stuttgart durfte im Saisonfinale gegen Hamburg zwar verlieren, aber nicht höher als mit vier Toren Unterschied. Eine gute Ausgangsposition für den VfB, gleichzeitig aber keine unlösbare Aufgabe für den HSV: "Wir hatten zwar eine gute Mannschaft mit einem überragenden Spielmacher Ásgeir Sigurvinsson", beurteilt Karlheinz Förster die damalige Leistungsstärke, "aber Hamburg hatte ein Top-Team".
Und so wurden an jenem 26. Mai 1984 im Stuttgarter Neckarstadion "bei uns einige Spieler während der Partie noch einmal ganz schön nervös - und das Zittern begann", erzählt Förster, "wir haben nicht gut gespielt an dem Tag".
Und dennoch gelang dem HSV einzig durch Jürgen Milewski kurz vor Spielende ein Treffer. Davor und danach, sagt Förster, "haben wir alles wegverteidigt". Der VfB verlor gegen den HSV letztlich nur mit 0:1 und wurde "dank" der knappen Niederlage zum dritten Mal in der Vereinsgeschichte Deutscher Meister. Für den VfB-Kapitän war es "wirklich eine riesige Freude. Ich war richtig stolz auf die Mannschaft".
Was folgte, waren ausgelassene Ehrenrunden vor den 70.000 im Stadion, ein Autocorso in offenen Cabrios durch die Stadt und ein großer Empfang auf dem überfüllten Stuttgarter Rathausplatz.
Am kommenden Samstag (15.30 Uhr live im Audiostream auf Sportschau.de) heißt es in der Bundesliga wieder Hamburger SV gegen den VfB Stuttgart. "Aber das ist kein Vergleich zu damals", sagt Karlheinz Förster. "Der HSV hat nicht mehr die Klasse wie früher, der VfB ist der Favorit. Ich bin fest davon überzeugt, dass Stuttgart das Spiel gewinnt. Die Mannschaft kommt immer besser in Form und in Fahrt".
Nicht nur die Mannschaft. Auch Kapitän Deniz Undav hat sich mit seinem ersten Pflichtspiel-Treffer der Saison in Bratislava endlich wieder als Torjäger zurückgemeldet. "Das ist ein Spieler, den kannst du immer gebrauchen", schwärmt Vorstopper-Legende Förster von Undavs Fähigkeiten im und um den Strafraum, "er muss nur wissen, dass er anerkannt ist. Aber das funktioniert beim VfB gut".