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Wuppertal · Die Bergische Universität hat ihrem Ex-Studenten Manuel Neukirchner die Ehrendoktorwürde verliehen. Die Würdigung seiner Arbeit als Direktor des Deutschen Fußballmuseums lockte zahlreiche Altstars nach Wuppertal.
Nur drei Wochen nachdem Lionel Messi an der Universidad de Buenos Aires die Ehrendoktorwürde verliehen wurde, erhielt Manuel Neukirchner die Ehrenpromotion an der Bergischen Universität in Wuppertal.
Es ist ein Vergleich, der hinkt, könnte man meinen. Da ist natürlich auch was dran, aber es gibt eine Ebene, auf der sich der einzigartige Dribbler aus Argentinien und der Direktor des Fußballmuseums in Dortmund begegnen, vielleicht sogar auf Augenhöhe: Beide haben sich um die Kultur dieses Sports verdient gemacht. Der eine durch ikonische Szenen auf dem Feld, der andere durch das Sichtbarmachen solcher Szenen und generell des Phänomens Fußball für die Nachwelt. (Bilder)
Dienstagabend, 18 Uhr, das Gebäude K, der Hörsaal 32 an der Gaußstraße der Bergischen Universität. Mit immer noch schulterlangem Haar betritt Günter Netzer gemeinsam mit seiner nie alternden Ehefrau Elvira und zwei Bodyguards die Wuppertaler Uni. „Mensch, was haste dich fein gemacht, ist heute irgendwas Besonderes?“, raunzt Netzer den baldigen Dr. honoris causa Manuel Neukirchner an. Der lächelt und antwortet seinem langjährigen Freund: „Das bedeutet mir sehr viel, dass du extra wegen mir aus Zürich nach Wuppertal gekommen bist.“
Seit etlichen Jahren verbindet beide eine freundschaftliche Beziehung, aus der heraus 2025 auch die Blockbuster-Ausstellung „Netzer – Die Siebzigerjahre“, eine von Manuel Neukirchner kuratierte Ausstellung im Deutschen Fußballmuseum, entstanden ist.
Es dreht sich viel um Günter Netzer an diesem Abend, den Welt- und Europameister, den Deutschen Meister und Pokalsieger. Aber nicht aus Gründen des Selbstzwecks oder um neben dem Fußball-Promi heller zu leuchten. In seiner späteren Dankesrede erinnert Neukirchner an das außergewöhnliche Spiel Netzers, dessen extravaganten Lebensstil, an eine beginnende Epoche von unangepassten kickenden Individualisten. Erst mit den beginnenden 70ern habe sich der Fußball zu einer Kultur in der deutschen Gesellschaft entwickelt, eben dank solcher Typen wie Netzer, natürlich Beckenbauer, auch Breitner und anderen.
Manuel Neukirchner wurde die Ehrenpromotion von der Fakultät für Geistes- und Kulturwissenschaften der Bergischen Universität verliehen. Den Vorschlag hatte Prof. Dr. Matias Martinez der Dekanin Prof. Dr. Ursula Kocher gemacht. Nach nur anfänglicher Zurückhaltung war die Dekanin Feuer und Flamme für die Idee.
Sie erinnerte an 2001, als Vicco von Bülow, besser bekannt als Loriot, den Ehrendoktor von derselben Fakultät erhielt und begründete mit einem Satz, warum Neukirchner der richtige Kandidat sei. „Er hat mit dem Fußballmuseum in Dortmund, dem er als Gründungsdirektor vorsteht, einen Raum der Auseinandersetzung mit Fußballgeschichte jedweder Art geschaffen.“
Die Rektorin der Bergischen Universität Prof. Dr. Birgitta Wolff begrüßte neben Netzer weitere Legenden des Sports, die Manuel Neukirchner angelockt hatte: Toni Schumacher, Klaus Fischer, die Kremers-Zwillinge. Da durften Vertreter des weniger legendären hiesigen Fußballvereins natürlich nicht fehlen, wie der mit WSV-Schal bekleidete Ex-OB Andreas Mucke.
Neukirchner erinnerte in seiner XXL-Dankesrede an seine Zeit als Student an der Bergischen Uni Wuppertal, die er 1997 mit dem Magister in der Tasche verließ, und beschäftigte sich doch immer weiter mit dem Mann, der aus der Tiefe des Raumes kam. An viele Sachen erinnerte man sich sofort, so an die Selbsteinwechselung Netzers im Pokalfinale 1973.
Neues kam an der Wuppertaler Uni allerdings auch zutage: In den ausgehenden 60er Jahren hatten Studenten um ihren Lehrer Joseph Beuys an der Kunstakademie Düsseldorf revolutionäre Ideen. So auch die, den laut Beuys „Aktionskünstler“ Günter Netzer, zum Professor an der Kunstakademie zu machen. „Was hätten denn meine Gegenspieler in der Bundesliga dazu gesagt? Mich mit Herr Professor angesprochen?“, so Netzer auf die Schnapsidee von Beuys.
Den langen Abend im gut besetzten Hörsaal 13 rundete eine szenische Lesung des Dramas „Die Nacht von Sevilla“ ab. Am 8. Juli 1982 hatte es eines der Jahrhundertspiele im Fußball gegeben, das WM-Halbfinale zwischen Deutschland und Frankreich. Mit dem Sieg der DFB-Elf im Elfmeterschießen, aber auch mit dem harten Foul des deutschen Torhüters Toni Schumacher an Patrick Battiston.
Den Vortrag übernahm Schauspieler Peter Lohmeyer, der seine Stimme etlichen Beteiligten im passenden Dialekt lieh: dem gebürtigen Berliner Littbarski, den schwäbischen Förster-Brüdern, den Franzosen um Michel Platini, dem kölschen „Tünn“ Schumacher, dem Reporter Rolf Kramer und, und, und. Es war der wundervolle Abschluss eines üblicherweise formalen Akts.
Ach ja, das Drama „Die Nacht von Sevilla“ stammt natürlich von Dr h.c. Manuel Neukirchner ...