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Ganz besondere Aktion: Dieser Schalke-Fan verschenkt seine Dauerkarten
Schalke-Fan Adrian Dalkowski zusammen mit S04-Ikone Mike Büskens vor dem Hans-Sachs-Haus in Gelsenkirchen.© Privat | Dalkowski

Wenn Adrian Dalkowski in Potsdam ins Auto steigt, beginnt sein Spieltag. Im Navi ist Rudi-Assauer-Platz 1 längst als Favorit gespeichert. Vier bis fünf Stunden Fahrt liegen vor ihm. Erst laufen Podcasts, irgendwann wechselt er auf seine Schalke-Playlist. Und je näher Gelsenkirchen kommt, desto lauter wird die Musik.

490 Kilometer Anreise? Für Adrian längst Routine. Die Strecke kennt er inzwischen fast im Schlaf. Und wenn irgendwann der Flutlichtmast des Parkstadions auftaucht, ist klar: Gleich ist er wieder da. Bei ungünstigen Anstoßzeiten bedeutet das: vier bis fünf Stunden hin, 90 Minuten Schalke – und danach wieder ins Auto. Dann geht es noch in der Nacht zurück nach Potsdam.

Schalke ist für den 36-Jährigen ein Stück Heimat. Geboren und aufgewachsen in Wanne-Eickel, zog er Anfang 2021 aus beruflichen Gründen nach Potsdam. Heute arbeitet er dort als Führungskraft in einem Unternehmensberatungskonzern. Die Entfernung hat seiner Liebe zu Schalke allerdings nichts anhaben können. Im Gegenteil: Einige Menschen in Potsdam hat er nach eigener Aussage inzwischen ebenfalls zu Schalkern gemacht.

Schalke-Fan Adrian erzählt kuriose Goretzka-Anekdote

Schuld daran, dass Adrian überhaupt Königsblauer wurde, ist sein fünf Jahre älterer Bruder Sebastian. 1998 nahm er ihn erstmals mit ins Parkstadion. Schalke gewann am letzten Spieltag gegen Bielefeld 2:1. Danach nahmen die Brüder sogar ein Stück Rasen mit nach Hause und pflanzten es auf dem Balkon ein. „Aus dem kleinen Stück Schalker Rasen wurde mit der Zeit eine grüne Wand“, sagt Adrian.

„Mir geht es gut. Ich kann mir Schalke leisten. Andere können das nicht. Also möchte ich mit meinen Karten etwas Gutes tun. Ich will, dass jemand, der sonst vielleicht nicht ins Stadion könnte, einen richtig geilen Schalke-Tag erlebt.“

Adrian Dalkowski, der Schalke-Fan verschenkt seine Dauerkarten regelmäßig

Besonders gerne erinnert er sich an das 7:4 gegen Leverkusen, damals stand er in der Arena noch regelmäßig in der Nordkurve. Oder an das legendäre 4:4 im Derby in Dortmund. Adrian hatte die Mannschaft beim Stand von 0:4 in einer WhatsApp-Gruppe ordentlich beschimpft. Was er zu diesem Zeitpunkt nicht bedacht hatte: Mitglied der Gruppe war auch Leon Goretzka – der beim Derby selbst auf dem Platz stand. Nach dem Schlusspfiff musste Adrian deshalb in der Gruppe ziemlich kleine Brötchen backen. „Du erlebst Dinge, die du nur auf Schalke erlebst“, sagt Adrian und lacht.

2020 bekam Adrian zwei Dauerkarten für die Haupttribüne. Nachdem er nach Potsdam gezogen war, hatte er die beiden Karten für ein Spiel einmal übrig und stellte sie in ein Online-Portal ein. Innerhalb von 45 Minuten kamen rund 90 Anfragen. Manche boten ihm sogar deutlich mehr Geld, als die Karten eigentlich kosteten.

Schalke-Fan Adrian Dalkowski (mitte) zusammen mit Mike Büskens (links) und Olivier Kruschinski.© Privat | Dalkowski

„Ich möchte mit meinen Karten etwas Gutes tun“

Das brachte ihn auf eine Idee. Er dachte an die vielen Schalke-Fans, die sich einen Stadionbesuch nicht leisten können – und daran, dass er zwei Plätze hat, die er selbst nicht immer braucht. Sein Gedanke: Warum nicht anderen Menschen damit eine Freude machen? „Mir geht es gut. Ich kann mir Schalke leisten. Andere können das nicht. Also möchte ich mit meinen Karten etwas Gutes tun. Ich will, dass jemand, der sonst vielleicht nicht ins Stadion könnte, einen richtig geilen Schalke-Tag erlebt“, sagt Adrian.

Seine beiden Dauerkarten gab er daraufhin bereits in der vergangenen Saison für jedes Heimspiel an andere Fans weiter. Und weil die Aktion so gut ankam, macht er in dieser Saison genauso weiter.

Dafür holte er Schalke-Idol Mike Büskens und Olivier Kruschinski, den Chef der Mythos-Tour, ins Boot. Adrian schrieb „Buyo“ über Instagram an und erzählte ihm von seiner Idee. Der war sofort begeistert. Aus dem Kontakt ist inzwischen sogar eine Freundschaft entstanden.

Die Kartenübergabe läuft über Olivier und die Mythos-Tour. Beim Spiel gegen Nürnberg in der vergangenen Saison kam es zu einer besonderen Geschichte: Adrians Karten waren für einen Mann vorgesehen, den Mike Büskens bei „Warm durch die Nacht“ kennengelernt hatte. Der Mann war zuvor rund 20 Jahre obdachlos gewesen und wollte mit einem Kumpel ins Stadion. Doch der sagte kurzfristig ab. Allein oder mit einem Fremden wollte der Mann nicht auf den Plätzen sitzen. Also sprang Mike Büskens ein. Er setzte sich selbst mit dem Mann auf Adrians Plätze und gab Adrian dafür seine Logenkarte. Die bekam Adrians Mutter, die an diesem Tag zufällig bei der Mythos-Tour dabei war. „Auch diese Geste zeigt, was Mike für ein grandioser Typ ist“, sagt Adrian.

Besondere Aktion: Mike Büskens begleitete einen ehemals obdachlosen Schalke-Fans ins Stadion.© Privat | Dalkowski

Wem Adrian seine Schalke-Dauerkarten schenkt

Wer seine Karten bekommt, erfährt Adrian immer. Oft erhält er Fotos und Nachrichten. Menschen, die einen geliebten Menschen verloren haben, schwer erkrankt sind oder deren Haus abgebrannt ist, erleben plötzlich einen Tag auf Schalke. Aber auch Menschen, die sich für andere und die Gesellschaft einsetzen – im Ehrenamt oder indem sie anderen in schwierigen Lebensphasen zur Seite standen – möchte Adrian mit seinen Karten eine Freude machen. Inzwischen legt er sogar noch eine Knappenkarte über 30 Euro dazu – für Bratwurst, Currywurst, Cola oder Bier. „Wenn die Leute einen schönen Tag haben und glücklich sind, macht mich das auch glücklich“, sagt er. Für Adrian ist genau das Schalke: ein Kumpelverein, bei dem man füreinander da ist. Er selbst ist trotz seiner verschenkten Dauerkarten regelmäßig im Stadion. Durch die Kartenaktion hat er viele neue Freunde und Bekannte gefunden.

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Dann steigt Adrian in Potsdam ins Auto, nimmt die A2 Richtung Gelsenkirchen und macht die Schalke-Playlist an. Möglichst rechtzeitig zum Steigerlied will er da sein. Fast 500 Kilometer liegen vor ihm – und irgendwann taucht wieder der Flutlichtmast des Parkstadions auf.

Dann ist Adrian wieder dort, wo für ihn alles angefangen hat: 1998, beim 2:1 gegen Bielefeld, mit seinem Bruder Sebastian und einem Stück Rasen, das die beiden mit nach Hause nahmen. Heute sorgt er mit seinen Dauerkarten dafür, dass nicht nur er selbst, sondern auch andere Fans besondere Schalke-Tage erleben – und überglücklich nach Hause gehen.

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