Zurück
Einen Blick zurück wagte auch Miron Muslic am Dienstagvormittag. An „38 Grad“ und eine tolle Stimmung könne er sich erinnern, sagte der Trainer des FC Schalke 04, als er auf das Zweitligaspiel bei Dynamo Dresden im Sommer 2025 zu Beginn der Aufstiegssaison zurückblickte. Schalke siegte 1:0, es sind beste Erinnerungen, bevor sich die Klubs in der 2. Pokalrunde am Mittwoch (18 Uhr/Sky) in Dresden wiedersehen. Eine Diskussion, die vor einem Jahr vor dem Spiel geführt wurde, ist immer noch aktuell, inzwischen aber verstummt.
Der Fangesang „Wir hassen Ostdeutschland“, vor allem angestimmt von der aktiven Fanszene der Königsblauen, gehört dazu, wenn die Schalker auf Teams aus den neuen Bundesländern treffen, auch 36 Jahre nach der Wiedervereinigung. Zuletzt trat Schalke in der ersten Pokalrunde bei Regionalligist Hallescher FC an (5:2 n. V.), in der vergangenen Saison nicht nur in Dresden, sondern auch in Magdeburg und im Pokal bei Lokomotive Leipzig.
Nun warten zwei Spiele gegen Teams aus dem Osten in Folge – auf das Cupmatch in Dresden folgt das Heimspiel in der Liga gegen RB Leipzig (Samstag, 15.30 Uhr/Sky). Es ist nicht schwierig zu prophezeien, dass der Sprechchor erneut aus der Kurve klingen wird. Schalkes Vorstandschef Matthias Tillmann dürfte immer noch zu dem stehen, was er vor dem Dresden-Gastspiel 2025 gesagt hatte: „Der Fangesang ‚Wir hassen Ostdeutschland‘, zuletzt wahrnehmbar beim Pokalspiel in Leipzig, ist nicht mit den Werten unseres Vereins vereinbar. Wir sind alle Schalker – egal ob aus Ost oder West, Nord oder Süd. Unsere Vereinsfamilie lebt von Zusammenhalt. Hass hat beim Fußball keinen Platz – weder im noch außerhalb des Stadions.“ Tillmann forderte: „Lasst uns zeigen, was uns stark macht: Leidenschaft, Zusammenhalt und Respekt.“
Unterstützung bekam Tillmann vom Schalker Fanclub-Verband (SFCV), der sich ebenfalls kritisch äußerte: „Auch wenn Schmähgesänge im Fußball leider zum Alltag gehören, überschreiten die Gesänge ‚Wir hassen Ostdeutschland‘ für uns eine klare Grenze. Sie richten sich nicht gegen einen Gegner, sondern diskriminieren pauschal eine ganze Region und damit auch Schalker, die dort mit Herzblut unseren Verein vertreten.“ Für Rassismus und eben Diskriminierung gebe es für den Fanclub-Verband keinen Platz auf Schalke. Der SFCV rief dazu auf, auf solche Beleidigungen zu verzichten. „Lasst uns unsere Energie in die Unterstützung unseres Vereins stecken, nicht in Beleidigungen, die uns spalten“, hieß es.
Durch diesen Gesang sollen keine Personen (-gruppen) persönlich angegriffen werden.
Ultras Gelsenkirchen
Die Ultras Gelsenkirchen (UGE) spielten in einer Ausgabe des Magazins „Blauer Brief“, das sie zu jedem Schalke-Heimspiel herausgeben, die diskriminierenden Gesänge herunter, schrieben von „alten Kamellen“ und: „Jeder halbwegs realitätsnahe Mensch sollte selbst nach kurzer Überlegung verstanden haben, dass durch diesen Gesang keine Personen(-gruppen) persönlich angegriffen werden sollen, sondern alles ausschließlich aufgrund der Kürze und des bekannt-polemischen Umgangstons im Fußballkontext dargestellt wird.“
Doch woher stammt die Rivalität zwischen Schalke und den Klubs im Osten? Ost-West-Klischees sind in den aktiven Fanszenen, über Schalke hinaus, eher üblich als eine Ausnahme. Gastspiele der Schalker im Osten wurden häufig durch Ausschreitungen überschattet. Zum Beispiel in Magdeburg: Im Februar 2024 gab es gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen Fans von S04 und dem FCM, bei denen auch Unbeteiligte verletzt wurden. Im August 2024 verpassten mehrere Hundert Schalke-Fans das Spiel in Magdeburg wegen einer Polizeimaßnahme. Zum Beispiel in Rostock: Das Auswärtsspiel der Schalker im Ostseestadion im Dezember 2023 stand vor dem Abbruch, es musste minutenlang unterbrochen werden.
Was auch immer auf den Rängen passiert: Sportlich träumt Dynamo von der Pokal-Sensation – so wie vor zwölf Jahren im eigenen Stadion. Damals hatten die Elbstädter die Königsblauen mit 2:1 besiegt. „Man hat immer Vorfreude, wenn man solche Spiele hat, gerade zu Hause. Wenn man ein paar Runden übersteht, kann man etwas Besonderes schaffen“, sagte Trainer Thomas Stamm.