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Augsburgs 1:1 gegen Union: Zwei rote Karten und rassistische Entgleisungen
„Ich freue ich mich natürlich riesig, der Holländer zu sein mit den meisten Bundesligaspielen“: Jeffrey Gouweleeuw, 35, im Heimspiel gegen Union Berlin.
„Ich freue ich mich natürlich riesig, der Holländer zu sein mit den meisten Bundesligaspielen“: Jeffrey Gouweleeuw, 35, im Heimspiel gegen Union Berlin.Foto: Goldberg/Beautiful Sports/Imago

Hinterher wusste niemand so wirklich, was er mit diesem Spiel anfangen sollte. Wie Augsburgs Trainer Manuel Baum fiel es auch Union Berlins Coach Mauro Lustrinelli schwer, sich an dem 1:1 so richtig zu erfreuen. „Es ist nicht so, dass ich heute so ein Wow-Gefühl habe“, sagte der Schweizer. Seine Mannschaft hatte immerhin den ersten Auswärtspunkt der Saison erwirtschaftet. Das erstocherte Ausgleichstor von Janik Haberer in der 74. Minute zählte zu den bescheidenen Freuden der Berliner.

Beim FCA fanden sie noch weniger Anlass, den schmalen Ertrag als Gewinn zu betrachten. Schließlich hatten sie lange in Überzahl gespielt, ohne sich diesen Vorteil zunutze machen zu können. Hinzu kamen Anfeindungen gegen Innenverteidiger Juma Bah. Der 20-jährige Nationalspieler von Sierra Leone wurde, nachdem auch er in der zweiten Halbzeit Rot gesehen hatte (63.), auf Instagram „auf widerwärtigste Weise rassistisch beleidigt und mit dem Tod bedroht“, wie der Verein mitteilte. Die Drohungen richteten sich auch gegen Bahs Familie. „Wir sind erschüttert über diesen Hass“, schrieb der FCA und kündigte eine Anzeige an: „Wir schauen nicht weg! Wir schweigen nicht! Wir stehen zusammen!“

Bevor er von den Anfeindungen gegen seinen Teamkollegen Bah Kenntnis hatte, gab es immerhin einen Augsburger, der dem Samstagnachmittag zumindest in eigener Sache Schönes abgewinnen konnte. Alleiniger Rekordspieler des FCA in der Bundesliga darf sich Jeffrey Gouweleeuw nun durch seinen 275. Einsatz nennen. Zuvor hatte er sich die Bestmarke mit dem ehemaligen Mittelfeldspieler Daniel Baier geteilt. Ihm bedeute der Ehrentitel „sehr viel“, sagte Gouweleeuw, „heutzutage sieht man das nicht mehr so viel, dass ein Spieler so lange bei einem Verein bleibt“.

Im Januar 2016 war er vom AZ Alkmaar nach Augsburg gekommen und zum Gesicht des FCA geworden. Das lag auch daran, dass der Innenverteidiger mit seiner robusten Spielweise als typisch für die Augsburger wahrgenommen wurde.

Zuletzt kam Gouweleeuw nur noch selten zum Einsatz. Das lag auch an einer längeren Verletzungspause. Als der 35-Jährige wieder zur Verfügung stand, behielten die jüngeren Kollegen aber ihren Platz in der ersten Elf. „Ich habe ein bisschen warten müssen auf den Moment“, sagte Gouweleeuw. „Nichtsdestotrotz freue ich mich natürlich riesig, der Holländer zu sein mit den meisten Bundesligaspielen und jetzt der alleinige Rekordspieler vom FCA, das macht mich sehr stolz.“

Auch gegen Union hatte der nach wie vor amtierende Kapitän in seiner neuen Rolle zunächst auf der Bank gesessen. Doch früh wurde Gouweleeuw gebraucht, weil Berlins ehemaliger Augsburger Innenverteidiger Felix Uduokhai den aktuellen Augsburger Innenverteidiger Calvin Brackelmann umgecheckt hatte. Brackelmann wurde benommen und mit Kopfschmerzen in ein Krankenhaus gebracht. Zehn Minuten nach diesem Foul hatte sich Uduokhai die rote Karte eingehandelt, weil er Michael Gregoritsch als letzter Mann zu Fall brachte.

Kurioserweise gingen die Augsburger durch Han-Noah Massengos Flugkopfball in der 71. Minute aber erst dann in Führung, als sie nicht mehr in Überzahl spielten. Bah hatte kurz zuvor die rote Karte wegen eines groben Foulspiels gesehen (63.). Übereifrig hatte er András Schäfer mit der offenen Sohle am Bein getroffen. Doch die Führung der Augsburger war rasch dahin. Zu ihrem Verdruss trug bei, dass unmittelbar vor Haberers Ausgleich der Ball an den angelegten Arm von dessen Mitspieler Leopold Querfeld geflogen war. „Wir haben eigentlich gar nichts zugelassen – außer dieses blöde Tor“, sagte Anton Kade.

Gouweleeuws Dienste könnten vorerst wieder häufiger gefragt sein. Nur er und Chrislain Matsima standen nach Brackelmanns Auswechslung und Bahs Platzverweis gegen Union noch als gelernte Innenverteidiger zur Verfügung. Noahkai Banks fehlt noch verletzt. Am Dienstag im Pokalspiel beim Drittligisten Großaspach ist Bah zwar spielberechtigt, in der Liga wird er aber vorerst gesperrt fehlen. Wann Brackelmann wieder zur Verfügung steht, war zunächst offen. Zumindest sportlich besteht trotz inzwischen fünf sieglosen Spielen in Serie aus Gouweleeuws Sicht kein Anlass zu Trübsinn.

Ob das eine Krise sei, wurde er gefragt. „Krise? Jetzt schon?“, fragte Gouweleeuw zurück und empfahl, nach dem Hype um die Tabellenführung am zweiten Spieltag mit den Bewertungen „in der Mitte“ zu bleiben. Nach mehr als zehn Jahren beim FCA weiß Gouweleeuw: „Wir haben schon andere Krisen erlebt.“

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