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Russland soll bei einer Eishockey-WM in Deutschland mitspielen - die Bundesregierung muss gleichzeitig ihre politische Linie gegen Russland halten und Auswirkungen auf die deutsche Olympiabewerbung vermeiden.
Beim Eishockey-Weltverband IIHF, der seinen Sitz in Zürich hat, steht am Montag ein heikler Termin an. Die Spitze des Verbands, der vom deutschen Funktionär Franz Reindl als Präsident angeführt wird, will über die Folgen des Urteils des internationalen Sportgerichtshof CAS beraten. Der hatte entschieden, dass Russland bei der Eishockey-WM in Deutschland im kommenden Jahr mitspielen darf. Ob und wie das umgesetzt wird, ist eine hochpolitische Entscheidung.
Franz Reindl, Präsident des Eishockey-Weltverbands
All diese Fragen stehen bei einer Sportveranstaltung in Deutschland im Raum, vom 13. bis 30. Mai 2027 sollen die WM-Spiele in Gelsenkirchen, Düsseldorf und Mannheim stattfinden. "Die Bundesregierung sieht die Entscheidung des Internationalen Sportgerichtshofs CAS sehr kritisch", teilte die Bundesregierung dem Sport-Informations-Dienst (sid) mit. Man setze sich seit Beginn des Angriffskriegs Russlands gegen die Ukraine "im Kreis der Schengen-Mitgliedstaaten für eine einheitlich restriktive Visumpolitik gegenüber Russland ein".
Die Bundesregierung schrieb, sie werde sich "zeitnah" mit dem DEB austauschen. Klar ist aber schon jetzt, dass das deutsche Vorgehen bei der WM Folgen über das Eishockey hinaus haben kann.
| Gruppe A | Gruppe B |
|---|---|
| Schweiz | Kanada |
| Finnland | USA |
| Schweden | Tschechien |
| Deutschland | Slowakei |
| Lettland | Dänemark |
| Österreich | Norwegen |
| Slowenien | Kasachstan |
| Ukraine | Ungarn |
Das Internationale Olympische Komitee hatte die nach Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine ausgesprochenen Einschränkungen gegen Teams und Sportler aus Russland vorläufig aufgehoben. Nach Informationen der Sportschau informierte sie die Weltverbände der einzelnen Sportarten, dass sie ihre Qualifikationswettbewerbe für Olympia nur noch in Ländern austragen sollen, die Menschen aus Russland die Einreise ermöglichen. Das IOC ging auf entsprechende Anfragen der Sportschau nicht ein.
Die Olympia-Flagge neben der Russland-Flagge
Liefert Deutschland diese Bedingungen bei einer Eishockey-WM nicht, könnte das Auswirkungen auf die deutsche Olympiabewerbung haben. Die Bundesregierung unterstützt die Bewerbung Münchens um die olympischen Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044. Der sogenannte "strategische Dialog" des IOC mit möglichen Bewerbern für die Spiele 2036 soll im März 2027 starten, die Eishockey-WM beginnt im Mai.
Zugleich nutzt Russlands Staatschef Wladimir Putin den Sport, um auch seine internationale Anerkennung und politische Stärke nach innen und außen zu demonstrieren. Die Rückkehr in den internationalen Sport wäre für ihn von großem Nutzen, Russlands Teilnahme bei der Eishockey-WM wäre ein großer Schritt.
In Russland wird die Entscheidung politisch gefeiert. "Die Diskrimierung im Eishockey ist beendet", sagte der russische Sportminister Michail Degtjarjow, der zugleich dem russischen olympischen Komitee vorsteht, im russischen Fernsehen. "Der Platz bei der WM gehört rechtmäßig uns." Auch der russische Eishockeyverband begrüße die Entscheidung ausdrücklich. Die Folgerung: Ob eine Rückgabe der WM, eine Verweigerung der Einreise des russischen Teams oder deren vorbehaltlose Teilnahme: Jede Entscheidung birgt aus deutscher Sicht politische und strategische Nachteile.
Der russische Sportminister und Chef des russischen Olympiakomittees Michail Degtjarjow
Offiziell ist die allgemeine Rückkehr Russlands in den Sport nach der IOC-Entscheidung noch nicht, die Ukraine hat vor dem CAS Widerspruch eingelegt. Und noch gehen die Sportarten unterschiedlich vor: Russlands Fechter und Boxer konnten bei ihren Weltmeisterschaften wieder mit Hymne antreten. Russische Schwimmer nahmen bei der EM dagegen nur als neutrale Athleten teil.
Ukrainischer und russischer Staff bei den Paralympics
Doch auch mit Blick auf die anderen Sportarten nutzt Russland die aktuellen Entwicklungen. "Wir werden alle bestrafen, die unsere Sportler beleidigen", sagt Sportminister Degtjarjow. Er nannte die Länder, die es treffen werde: Deutschland, das Baltikum und Polen. In Bezug auf die Olympischen Sommerspiele in Los Angeles 2028 sagte Degtjarjow: "Wir haben einen Plan, die Strategie für jede Sportart, für jeden Sportler ist beschlossen. Wir fahren hin, ganz sicher." Bald wird sich zeigen, ob das auch für die Eishockey-WM gilt.