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Sommerzugang Raul Paula kommt beim Fußball-Drittligisten SVWW ins Rollen. Auch abseits seines Traumtors gegen SG Großaspach beim 7:1 überzeugt der 22-jährige Offensivspieler.
Wiesbaden. Als der Ball im Licht der tief stehenden Sonne durch die Luft segelte, hielten die 2.948 Zuschauer in der Brita Arena kurz den Atem an. Beim Stande von 4:1 für den SV Wehen Wiesbaden im Heimspiel gegen Aufsteiger SG Sonnenhof Großaspach hatte SVWW-Neuzugang Raul Paula an der Mittellinie einfach mal durchgezogen. Und das ausgerechnet mit seinem schwächeren linken Fuß. Mut und Gewitztheit des 22-Jährigen wurden belohnt, zappelte der Ball zum 5:1 im Netz (66.). Mit Paula trafen sechs weitere SVWW-Akteure zum 7:1-Erfolg am Samstag für den Fußball-Drittligisten.
„Das war ein super Ball in die Tiefe“, lobte SVWW-Cheftrainer Jochen Seitz hernach in der Pressekonferenz nach dem Spiel die Szene. Da war Roberto Massimo nur knapp nicht an die Kugel gekommen, die Marcus Müller zuvor durchgesteckt hatte. SG-Torhüter Maximilian Reule kam aus seinem Kasten herausgeeilt und grätschte den Ball nach vorne weg. So kam Paula an der Mittellinie an den Ball, zog ab und traf ins leere Tor. „Ich habe wirklich gedacht, dass Roberto Massimo vor dem Torhüter an den Ball kommt, vorbeilegt und dann ins leere Tor schieben kann“, erlebte Seitz den Moment. „Das hat leider nicht funktioniert.“ Dann kam der Ball zurück und Paula holte aus. „Ganz schön mutig, mit dem linken Fuß da drauf zu halten“, habe sich der Trainer da gedacht. „Aber da sieht man, was Raul für eine Qualität hat, dass er mit dem schwachen Fuß von der Mittellinie ins Tor schießt. Das war wirklich ein außergewöhnlicher Moment und hat uns natürlich sehr gefreut“, lobte Seitz. Dann war natürlich auch der Deckel drauf auf dem Spiel. Auf Instagram ist sich die Community einig: „Anwärter für das Tor des Monats.“
Ende August kam der 22 Jahre alte Linksaußen, der gebürtig aus Böblingen stammt, vom niederländischen Club NAC Breda nach Wiesbaden . Zuvor wurde er bei den Stuttgarter Kickers und im Nachwuchsleistungszentrum des VfB Stuttgart ausgebildet, hatte dort maßgeblichen Anteil am Aufstieg der Stuttgarter Zweitvertretung in die Dritte Liga. In Wiesbaden soll er den nächsten Entwicklungsschritt machen, will möglichst viele Spielminuten sammeln, seine Qualitäten auf dem Platz bringen und der Mannschaft mit Toren und Vorlagen weiterhelfen, wie er selbst zum Amtsantritt beim SVWW sagte. Und es läuft gut für Paula. In acht möglichen Liga-Spielen für den SVWW, siebenmal davon in der Startelf, sammelte er bislang 490 Spielminuten, erzielte zwei Tore und gab vier Vorlagen.
7:1 gegen den „Dorfklub-Express“, wie sich Großaspach selbst bezeichnet, den Moment genossen Spieler und Trainer beim SVWW, bevor es auch schon wieder an die Vorbereitung ging für das Auswärtsspiel beim SC Verl diesen Samstag (14 Uhr). „Für die Fans und auch für uns Spieler ist es natürlich immer schön, wenn viele Tore fallen. Es war ein super Gefühl und insgesamt ein super Tag“, sagte Roberto Massimo, der beim Spiel gegen Großaspach selbst auch ein Kandidat für die „MVP-Medaille“ gewesen wäre.
Etwa beim kurz ausgeführten Freistoß aus knapp 20 Metern, wunderbar ausgespielt von Massimo zu Max Brandt, der den Ball im Strafraum mustergültig zu Lukas Schleimer hob, der wiederum auf Kapitän Florian Hübner querlegte. Der brauchte mit dem Kopf nur noch einzunicken (30.). Frank Steinmetz, der Co-Trainer ist beim SVWW zuständig für die Standardsituationen, freute sich entsprechend. Massimo verriet: „Das war schon der zweite Standardtreffer in kurzer Zeit und wir haben noch ein paar Varianten in der Hinterhand.“
Und durfte vor der Pause über seinen eigenen Treffer jubeln (35.). Vorlage: Raul Paula. Die beiden sind gut befreundet, wie Massimo weiter berichtete: „Ich freue mich besonders für ihn, weil ich auch privat sehr eng mit ihm bin. Normalerweise sage ich immer, dass er keinen linken Fuß hat. Vielleicht muss ich das noch einmal überdenken. Er hat auf jeden Fall ein starkes Spiel gemacht.“
Er selbst habe in den vergangenen Wochen viel Selbstvertrauen getankt. „Mir wurde schon öfter gesagt, dass ich einen guten Schuss habe, ihn aber zu selten nutze. Beim 3:0 habe ich mir deshalb einfach gedacht: Jetzt haue ich das Ding so fest wie möglich aufs Tor“, so der 25-jährige Offensivspieler, der Bundesliga-Erfahrung hat. Dass der Ball dann genau so einschlug, war natürlich umso schöner.