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Can Uzun blieb gegen den 1. FC Köln erstmals unter Adi Hütter auf der Bank. Wie es für ihn bei der SGE weitergeht, hängt von Uzun selbst ab.
Frankfurt – Zum Warmmachen kam Can Uzun als Letzter aufs Feld. Langsam und betulich. Fast schon geschlurft. Na klar, eigentlich ist die Abfolge der Rasenbetretung keine große Sache. Eine Kleinigkeit. Aber sie ist bei Eintracht Frankfurt in diesem Fall wahrgenommen, intern sehr genau registriert worden.
Denn: Can Uzun, der Ausnahmespieler, der zu große Ausnahmen bei der konsequenten Talentumsetzung macht, ist nicht zufälligerweise ganz zum Schluss in die Arena gekommen. Eher demonstrativ. Da wollte einer zum Ausdruck bringen: Nee, Freunde der Sonne, zufrieden bin ich hier mit meiner Rolle gerade nicht.
Kann man ja verstehen. Der 20 Jahre alte Unterschiedspieler saß gegen den 1. FC Köln erstmals unter Adi Hütter draußen. Und wurde nicht eingetauscht, obwohl der Chefcoach nicht mal sein Kontingent ausschöpfte, zwei Wechselslots einfach verstreichen ließ. Eine klare Botschaft an den Kreativkopf des Teams. Natürlich wurde der Fußballlehrer auf den Bankplatz für den türkischen Nationalspieler angesprochen.
„Entscheidend ist, dass wir die Prinzipien, die wir brauchen, gezeigt haben“, setzte Adi Hütter an. Da geht es um feste Abläufe, so etwas wie das Grundgerüst einer Gruppe auf dem Feld. Übersetzt heißt das: Der 56-Jährige baute auf Spieler, die sich an die taktische Marschroute halten, die nicht zurückziehen und sich für keinen Meter zu schade sind. „Ich habe die Situation nicht gesehen, dass ich ihn bringe“, sagt Hütter. „Es war ein absolutes Kampfspiel.“ Das ist nichts für den Instinktkicker.
Auch deshalb hat er Fares Chaibi den Vorzug gegeben. Der Algerier zeigte in etwa das, was man erwarten konnte: viel Fleiß, auch die eine oder andere vielversprechende Offensivaktion, aber letztlich zu wenig Zwingendes. Zu wenig Biss, zu wenig Entschlossenheit. Zwei gute Gelegenheiten vergab er einigermaßen kläglich.
Es bleibt dabei: Fares Chaibi macht zu wenig aus seinen Möglichkeiten. Er ist da, läuft nach vorne und hinten, fügt sich ins System ein, aber die besonderen, entscheidenden Momente liefert er nicht. Oder viel zu selten. Da ist Can Uzun ein anderes Kaliber.
Doch bei ihm hakt es halt an anderen Komponenten, die für ein Fußballspiel auf diesem Niveau von Bedeutung sind: Defensivarbeit, Anlaufen, Pressingverhalten, Disziplin und Energie in der Rückwärtsbewegung. Und seine Körpersprache, die immer etwas anderes suggeriert, als sie sollte.
Can Uzun steht mit seiner Haltung auf dem Prüfstand und gleichzeitig am Scheideweg. Wer eine große Karriere anpeilt, sollte sich darüber im Klaren sein, was erwartet wird und was geliefert werden muss. Diese Themen werden ihn überall und bei jedem Verein begleiten. Bei absoluten Topklubs gehören sie zur Grundvoraussetzung. Und: Im Schmollwinkel gerät man andernorts nicht nur ins Hintertreffen, sondern ins Abseits.
Insofern sollte Can Uzun an seinem Auftreten im inneren Zirkel arbeiten, keine gespielte Lässigkeit und Gleichgültigkeit vorspielen. Adi Hütter schätzt die großen Qualitäten des Spielmachers, er weiß aber auch um seine Charakterzüge und seine Wankelmütigkeit. Das ist immer eine Abwägungssache. Uzun spaltet, an ihm scheiden sich die Geister.
Zurzeit fährt Hütter eher die harte Schiene. Und wirft seinem Spieler den Ball zu: „Jeder hat die Möglichkeit, sich zu zeigen und zu beweisen.“ Als beleidigte Leberwurst kommt man da eher nicht weiter.