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DFB-Frauen: Mit Zuversicht Richtung WM 2027

Die Siege gegen Japan und Australien zeigen Fortschritte unter Christian Wück. Für die WM 2027 in Brasilien bleibt vor allem die Sturmfrage offen.

Klara Bühl (r.) im Duell mit Japans Yuzuki Yamamoto. Die deutsche Flügelstürmerin erzielte in Bremen den Treffer zum 2:1-Sieg.

Als Christian Wück mit langem Vorlauf endlich im Oktober 2024 erstmals die deutsche Frauen-Nationalmannschaft coachte, kam auf heiligem Rasen in Wembley gleich ein spektakuläres Länderspiel heraus. Im Grunde hat jener Prestigeerfolg gegen England (4:3) einen Weg gewiesen, dem der Bundestrainer seit fast genau zwei Jahren beharrlich folgt. Erfolgreichen Fußball mit guter Unterhaltung paaren – dieses Leitmotiv hat Wück von Hansi Flick übernommen, der ihn in seiner Zeit als DFB-Nachwuchscoach geprägt hat. Seitdem geht es auch mit den DFB-Frauen voran. Der Härtetest gegen Japan (2:1) in Bremen fügte sich in die positive Entwicklung. »Für mich als Trainer war es ein absolutes Spitzenspiel«, sagte der 53-Jährige der ARD.

Das Weserstadion, erst kürzlich Schauplatz eines stimmungsvollen Nordderbys der Frauen-Bundesliga zwischen Werder und dem HSV (1:0), hat nun bereits zweimal den Reifeprozess seines Ensembles beklatscht. Auf den Nations-League-Triumph gegen die Niederlande (4:0) im Mai 2025 folgte am Dienstagabend der Gradmesser gegen den Weltranglistenfünften. Wie bereits gegen Australien (4:2) in Karlsruhe fühlten sich wieder mehr als 26.000 Fans von den deutschen Fußballerinnen mitgenommen, die auch in heiklen Phasen ihre Spielidee nicht verlieren. Die besten Teams der asiatischen Konföderation lehren nicht mehr das Fürchten.

Das ist mit Blick auf die WM 2027 in Brasilien wichtig – ob Wück will oder nicht. Verständlich, dass der 53-Jährige zunächst von der Nations League im Frühjahr reden möchte, die mit der Olympia-Qualifikation 2028 verknüpft ist. Aber die Fingerzeige für die Mission am Zuckerhut sind nicht zu unterschätzen. Gegen wuselige Japanerinnen platzte einst der Titeltraum bei der Heim-WM 2011, gegen disziplinierte Südkoreanerinnen fanden Alexandra Popp und Co. bei der WM 2023 unter Anleitung von Martina Voss-Tecklenburg keine Lösung. Damals bestand das Angriffsspiel fast ausschließlich aus hohen Bällen auf die Kopfballspezialistin.

Mehr Varianten im Angriff

Unter Wück ist die Offensive deutlich variantenreicher, wie die Tore der feinen Technikerin Linda Dallmann und der durchsetzungsstarken Flügelstürmerin Klara Bühl gezeigt haben. Die von Wück erneut als »Weltklassespielerin« geadelte Bühl macht seit Wochen auch beim FC Bayern den Unterschied, und ihr Abschied kommenden Sommer wird allen wehtun, denn eine Vertragsverlängerung ist längst Utopie. Doch egal, wohin der Weg der 25-Jährigen führt: Die Nationalmannschaft wird auch in Zukunft von ihrer Qualität profitieren. »Ich würde uns vielleicht jetzt so eine 6,5 bis 7 geben. Ich sehe schon noch Potenzial, aber wir haben ein gutes Fundament gebaut. Wir sind auf dem richtigen Weg«, sagte Bühl.

Wück ließ im Nachgang mit der Aussage aufhorchen, er kenne »keinen Fußballspieler, keinen männlichen Fußballspieler, der so beidfüßig ist wie sie«. Auf der anderen Seite sucht Jule Brand (Olympique Lyon) gerade mal wieder ihre Form, und auch die Fahndung nach der passenden Mittelstürmerin im 4-2-3-1-System läuft noch. Genau wie Lea Schüller (Manchester United) scheint auch Nicole Anyomi (London City Lionesses) mit England nicht die beste Karriereentscheidung getroffen zu haben. Die Profiteurin könnte Melissa Kössler (Denver Summit FC) heißen, die nach ihrer Einwechslung am Osterdeich mit ihrer dritten Torbeteiligung binnen vier Tagen aufwartete.

Ein starkes Duo im Mittelfeld

Während ganz vorne also vieles offen ist, führt am Mittelfeldduo Sjoeke Nüsken (FC Chelsea) und Elisa Senß (Real Madrid) kein Weg vorbei. Die beiden ergänzen sich wie Pat und Patachon. Nur eine Verletzung kann dieses kongeniale Duo für die Zukunft trennen. Nicht ganz so sicher steht die Abwehr, wo Sophia Kleinherne (VfL Wolfsburg) mit ihrem Stellungsfehler und Ausrutscher beim Gegentor Zweifel streute. Deshalb will Wück in der nächsten Abstellungsperiode Ende November bis Anfang Dezember sehen, wie alle Mannschaftsteile unter Widerständen reagieren.

Aller Voraussicht nach geht es nach Amerika, wobei der Verband gerade den im Europapokal spielenden Vereinen aus München, Wolfsburg und Frankfurt erklären muss, warum mitten in einer Hochbelastungsphase den Nationalspielerinnen noch die Zeitverschiebung zugemutet werden soll. Ein schlagkräftiges Argument: Nichts erzeugt im deutschen Frauenfußball so viel Aufmerksamkeit wie die live bei ARD und ZDF gesendeten Länderspiele, die sich dank Christian Wück steigender Beliebtheit erfreuen, weil sie selbst zu Testzwecken meist viel Spaß machen.

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