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Am Ende dieses „vogelwilden“ und „verrückten“ Spiels, wie es nicht nur Elversbergs Kapitän Lukas Pinckert zusammenfasste, hatten auch viele der Beteiligten den Überblick verloren. Wie viele Elfmeter gab es noch mal? Wie viele davon wurden direkt verwandelt? Und wie oft korrigierte Schiedsrichter Florian Exner auf Anraten von Videoschiedsrichter Günter Perl Entscheidungen?
Die Antwort auf diese Fragen in der Reihenfolge lautet: vier, zwei und vier. Aber für Augsburgs Trainer Manuel Baum hätte sie gern fünf, drei und fünf lauten können, denn in der letzten Sekunde des Spiels – es stand bereits 4:3 für die SVE – warf sich der erwähnte Pinckert nochmals mit der Hand voraus in einen Ball. „Klarer Elfer“, sagte Baum und äußerte sein Unverständnis darüber, dass Exner sich ausgerechnet diese knifflige Handszene nicht anschaute, nachdem er sich zuvor im Spiel schon drei knifflige Handszenen angeschaut hatte. „Undurchsichtig“ nannte Exner die Situation im ZDF, was sicher richtig ist, aber nicht genau erklärte, warum eine Intervention ausblieb.
Werder Bremen
:Niclas Füllkrug, der BessermacherSechs Tore in den vergangenen fünf Spielen: Im nun 100 Jahre alten Weserstadion arbeitet Niclas Füllkrug an seinem Legendenstatus. Neben ihm wächst die ganze Bremer Mannschaft.
So gewann Elversberg diesen fröhlichen Nachmittag an der Kaiserlinde und war sich seiner Fortune bewusst, auch wenn die Saarländer nach sieben Minuten 2:0 und nach 28 Minuten 3:0 in Führung lagen. „Das passiert uns nun schon zum zweiten Mal“, sagte Trainer Vincent Wagner nach dem Spiel. „Beim Thema ‚Clever anstellen‘ haben wir ordentlich Aufholbedarf.“ Am ersten Spieltag hatte seine Mannschaft nach acht Minuten 2:0 gegen Leverkusen geführt, am Ende knapp mit 3:2 gewonnen.
Der Spielfilm dieser Partie lohnt sich, nicht nur wegen der Ereignisdichte. Nach vier Minuten ging Exner zum ersten Mal zum Bildschirm, Augsburgs Chrislain Matsima blockte eine Flanke mit der Hand. Baum nannte das „Detektivarbeit“ des VAR, niemand im Stadion hätte das Vergehen wahrgenommen. Das mag sein, was aber nichts an der Korrektheit der Entscheidung änderte. Lukas Petkov verschoss erst, der Nachschuss gegen Torhüter Finn Dahmen war drin. Kurz darauf spielte Elversberg über den schnellen Maurice Krattenmacher einen ansehnlichen Konter aus, den der ehemalige Augsburger Lasse Günther verwandelte (7.). Nach Maximilian Rohrs 3:0 (28.) nach einer Ecke entschied Exner wiederum nach einem Anruf von Günter Perl kurz vor der Pause auf Handelfmeter für Augsburg – was schon umstrittener war. Ein eindeutiges Vergehen von Rohr war in den Kameraeinstellungen nicht zu sehen, Exner war sich dennoch sicher. Fabian Rieder traf in der neunten Minute der Nachspielzeit zum 1:3.
Nach einem ausnahmsweise unstrittigen Foulelfmeter zum 2:3 (Michael Gregoritsch, 76.), einem nach VAR-Intervention aberkannten Abseits-Tor von Elversberg (79.) und einem korrekterweise nach VAR-Intervention wieder aberkannten Handelfmeter für Augsburg (88.) folgte die wilde Schlussphase. Und die bestand aus einem Tor für Elversberg (Frederik Schmahl, 89.), einem Tor für Augsburg (Meret Kömür, 90.), einem verschossenen Elfmeter von Elversberg (Noel Futkeu, 90.+8) und dem erwähnten, nicht überprüften Handspiel von Pinckert (90.+9). „Wir hatten schon relativ viel Spektakel in den vergangenen Jahren, aber ein Vergleich zu heute fällt mir tatsächlich nicht ein“, sagte Wagner bei Sky. Für Elversberg bedeutet der dritte Sieg im sechsten Bundesligaspiel die Fortsetzung des furiosen Saisonstarts, für Augsburg ist die Niederlage beim Aufsteiger nach dem 2:2 gegen den FC Bayern ein kleiner Dämpfer.
Nicht glücklich dürfte auch Florian Exner sein. In Deutschland bekommen Schiedsrichter in der internen Bewertung selbst für eine richtige Entscheidung Punktabzüge, wenn sie dafür die Hilfe des Kölner Kellers brauchen. „Es fühlt sich komisch an auf dem Platz, wenn da so viele mit dabei sind, die nicht vor Ort sind“, fasste Manuel Baum im ZDF sein Unbehagen ob der körperlosen Macht zusammen.
Zu seinem Glück sind sich da eigentlich alle Schiedsrichterinstitutionen Europas einig. Der VAR soll seltener eingreifen, allerdings ist es für den dann doch sehr menschlichen Videoschiedsrichter zuweilen nicht ganz einfach zu entscheiden, wann er nun lieber nicht anrufen soll. Er weiß ja auch in der dritten Minute noch nicht, wie sich das Spiel entwickeln wird. Auch wenn man in Elversberg mittlerweile mit ein bisschen Spektakel rechnen kann.